Sog der Euro-Krise Moody's sieht Gefahren für Großbritanniens Top-Bonität

Noch droht keine Rating-Agentur konkret damit, Großbritannien die beste Bonitätsnote zu entziehen - doch Moody's warnt jetzt vor möglichen Auswirkungen der Euro-Krise auf das Land: Verschärft sich diese, könnte der Haushalt an die Grenze der Belastungsfähigkeit stoßen.

Moody's-Schriftzug an Zentrale in New York: Handlungsspielraum Londons verringert
REUTERS

Moody's-Schriftzug an Zentrale in New York: Handlungsspielraum Londons verringert


London - Die Blockadehaltung Großbritanniens bei der Euro-Rettung könnte auf das Land selbst zurückfallen: Nach Einschätzung der Rating-Agentur Moody's ist die Bestnote für die Kreditwürdigkeit Großbritanniens unter anderem durch die Schuldenkrise in der Euro-Zone bedroht. Sollte die britische Wirtschaft etwa durch eine Verschärfung der Situation im europäischen Währungsraum einen Schock erleiden, könnten die Bemühungen der Regierung in London um einen ausgeglichenen Haushalt laut den Bonitätswächtern untergraben werden.

Diese Befürchtung veranlasst Moody's allerdings nicht dazu, die Top-Bonität Großbritanniens konkret zu überprüfen - auch der Ausblick wird von der Rating-Agentur weiterhin als stabil bewertet. Die Fähigkeit des Landes, zusätzliche Belastungen für den Haushalt zu kompensieren, habe sich aber verschlechtert. Der Handlungsspielraum für Großbritannien ist laut einer Moody's-Analystin geringer geworden.

In der Jahresend-Einschätzung der Rating-Agentur führt Moody's aus, der gegenwärtige stabile Ausblick für Großbritannien basiere auf der Annahme, dass die Regierung in London ihre Politik zur Haushaltskonsolidierung fortsetze. Sollten sich die makroökonomischen Aussichten jedoch verschlechtern oder die Regierung dem für die Wirtschaft des Landes enorm wichtigen Bankensystem beispringen müssen, könnten die Haushaltskonsolidierung einen Rückschlag erleiden. Daher sei der Ausblick für das Rating Großbritanniens auch von den Entwicklungen in der Euro-Zone betroffen, obwohl das Land nicht selbst Mitglied des Währungsverbundes sei.

Ende vergangener Woche hatte Moody's angekündigt, die Kreditwürdigkeit von sechs Euro-Staaten bis Ende Januar auf eine Abstufung hin zu überprüfen. Die Top-Note für Frankreich ließ Moody's zwar unangetastet, senkte aber den Ausblick - die Wahrscheinlichkeit, dass das Land sein AAA-Rating innerhalb der nächsten beiden Jahre verliere, liege bei mehr als 50 Prozent. Deutschland erwähnte die Rating-Agentur hingegen überhaupt nicht, im Gegensatz zur Konkurrenz von Standard & Poor's, die kurz nach dem letzten EU-Krisengipfel der EU nahezu der gesamten Euro-Zone inklusive Deutschland die baldige Herabstufung angedroht hatte.

fdi/Reuters

insgesamt 7 Beiträge
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MeineGedanken 21.12.2011
1. Schützenhilfe?
Ich kann mich irgendwie des Eindruckes nicht erwehren, als könnte man Moody's Warnung auch als Hinweis/Unterstützung werten, dass sich GB besser nicht an (weiteren) Europa-Hilfen beteiligen sollte (siehe bisherige Weigerung zur Zahlung eines entsprechenden IWF-Beitrages). Unter einer bestimmten Perspektive würde dies in das bisherige, eher oft krisenverstärkende Verhalten der Rating-Agenturen passen....
KT712 21.12.2011
2. Gaga
Zitat von sysopNoch droht keine Rating-Agentur konkret damit, Großbritannien die beste Bonitätsnote zu entziehen - doch Moody's warnt jetzt vor möglichen Auswirkungen der Euro-Krise auf das Land: Verschärft sich diese, könnte der Haushalt an die Grenze der Belastungsfähigkeit stoßen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,805001,00.html
Ich habe den Verdacht, wenn Unfug nur lange genug wiederholt wird, glaubt ihn jeder. Wie z. B. solche Sätze aus dem Beitrag: "Nach Einschätzung der Rating-Agentur Moody's ist die Bestnote für die Kreditwürdigkeit Großbritanniens unter anderem durch die Schuldenkrise in der Euro-Zone bedroht." Nur mal so zur Erinnerung: Großbritannien hat eine Schuldenquote im Vergleich zum BIP von 80% und liegt damit auf einer Stufe wie Deutschland und Frankreich. Wenn die Kreditwürdigkeit Großbritannien also bedroht ist, dann doch bitte durch die eigene Schuldenkrise und nicht schon wieder den Euro in Haftung nehmen.
Der Rainer 21.12.2011
3. Diese Bonitaetseinstufung (sog. Ratings)
Zitat von sysopNoch droht keine Rating-Agentur konkret damit, Großbritannien die beste Bonitätsnote zu entziehen - doch Moody's warnt jetzt vor möglichen Auswirkungen der Euro-Krise auf das Land: Verschärft sich diese, könnte der Haushalt an die Grenze der Belastungsfähigkeit stoßen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,805001,00.html
ist doch wirklich nichts Neues, wenn man sich so die GB Witschaftsdaten anschaut. Passend dann dazu sind die Meldungen, dass das Land durch Kungeleien (Betrug) seiner Beamten mit Steuerpflichten Firmen und Enzelpersonen 30 Mrd. Pfund entgangene Steuer-Einnahmen hat. Noch Fragen? Klar, und zwar eine ganze Menge.
porky1 21.12.2011
4. ja
Zitat von KT712Ich habe den Verdacht, wenn Unfug nur lange genug wiederholt wird, glaubt ihn jeder. Wie z. B. solche Sätze aus dem Beitrag: "Nach Einschätzung der Rating-Agentur Moody's ist die Bestnote für die Kreditwürdigkeit Großbritanniens unter anderem durch die Schuldenkrise in der Euro-Zone bedroht." Nur mal so zur Erinnerung: Großbritannien hat eine Schuldenquote im Vergleich zum BIP von 80% und liegt damit auf einer Stufe wie Deutschland und Frankreich. Wenn die Kreditwürdigkeit Großbritannien also bedroht ist, dann doch bitte durch die eigene Schuldenkrise und nicht schon wieder den Euro in Haftung nehmen.
"unter anderem" heisst ja eben "nicht nur". Aber, richtig ist, auch ohne Euro-Krise und die negative wirtschaftliche Entwicklung der Euro-Zone, die auch GB stark beeinflusst - in erster Linie sind die Probleme, durch die Notwendigkeit, Banken zu retten usw., hausgemacht.
Emil Peisker 21.12.2011
5. massiv politisch
Zitat von KT712Ich habe den Verdacht, wenn Unfug nur lange genug wiederholt wird, glaubt ihn jeder. Wie z. B. solche Sätze aus dem Beitrag: "Nach Einschätzung der Rating-Agentur Moody's ist die Bestnote für die Kreditwürdigkeit Großbritanniens unter anderem durch die Schuldenkrise in der Euro-Zone bedroht." Nur mal so zur Erinnerung: Großbritannien hat eine Schuldenquote im Vergleich zum BIP von 80% und liegt damit auf einer Stufe wie Deutschland und Frankreich. Wenn die Kreditwürdigkeit Großbritannien also bedroht ist, dann doch bitte durch die eigene Schuldenkrise und nicht schon wieder den Euro in Haftung nehmen.
Die US-Seite "world debt clock" zeigt bei Deutschland 91%, was definitiv falsch ist, und bei GB 83%, was ebenfalls daneben liegt. Zur Zeit müssten es ca. 92% sein. Die Ratingagenturen sind massiv politisch tätig, verschonen oder bestrafen je nach Interessenlage. Die Regelungen des europäischen Finanzmarktes sollten von der Bindung an irgendwelche US-Ratings befreit werden und die EU eine europäische Instituion gründen.
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