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Werk in Sachsen Solarhersteller Meyer Burger will Modulproduktion in Deutschland einstellen

Europas Solarbranche kämpft gegen die billige Konkurrenz aus China. Bisher kann sich die Regierung nicht auf ein Förderkonzept für die Branche einigen. Solarhersteller Meyer Burger will deshalb seine Produktion verlagern.
Produktion von Meyer Burger in Bitterfeld-Wolfen

Produktion von Meyer Burger in Bitterfeld-Wolfen

Foto: Jens Schlueter / AFP

Das Solarunternehmen Meyer Burger hat angekündigt, die Schließung seines Werks am Standort Freiberg in Sachsen vorzubereiten. Diese solle schrittweise erfolgen, teilte der in Sachsen und Sachsen-Anhalt ansässige Schweizer Produzent am Freitag mit. Zunächst werde die Produktion in der ersten Märzhälfte eingestellt. Davon verspreche sich das Unternehmen erheblichen Kosteneinsparungen ab April. Die Schließung soll dann Ende April in Kraft treten.

Stattdessen wolle der Solarmodulhersteller die Produktion in den USA hochfahren, hieß es. Auch diesen Schritt hatte Meyer Burger zuletzt immer wieder in den Raum gestellt.

Den Schritt begründete die Gruppe damit, dass es »noch keine Entscheidung über politische Unterstützungsmaßnahmen zur Behebung der aktuellen Marktverzerrungen durch Überangebot und Dumpingpreise bei Solarmodulen gibt«.

Meyer Burger besitzt mit der Fabrik in Freiberg nach eigenen Angaben den größten Betrieb für Solarmodulproduktion in Europa. 500 Arbeitskräfte sind am Standort Freiberg beschäftigt. Auch andere Hersteller im Bereich Solarindustrie hatten zuletzt mit Schließungen von hiesigen Werken gedroht: China überschwemme mit Preisdumping den Markt für Solarmodule, finanzielle Unterstützung zum Erhalt der Branche in Deutschland sei seitens des Staats nötig.

Eigentlich wollte der Bund eine 1,3 Milliarden Euro große Anschubfinanzierung zahlen. Doch dann erklärte das Bundesverfassungsgericht den Haushalt für verfassungswidrig. Die Ampel musste sparen, und der Posten fiel unter den Tisch.

Streit um Resilienzboni in der Ampelkoalition

Stattdessen soll es nun sogenannte Resilienzboni geben. Solarkomponenten aus deutscher Produktion sollen vom Staat einen Zuschuss erhalten – und damit konkurrenzfähiger gegenüber der Chinaware werden. Der Branchenverband BSW-Solar beziffert die jährlichen Förderkosten bis 2029 auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Allerdings fielen diese jährlichen Kosten bis Mitte des Jahrhunderts an, da die Förderung 20 Jahre laufen soll.

Die Ampelkoalition berät seit Monaten über ein Resilienzkonzept. Bislang ohne Erfolg.

»Sehenden Auges nimmt die Ampel solche Investitionsentscheidungen gegen Deutschland in Kauf«, sagte der stellvertretende CDU-Vorsitzende Andreas Jung nach der Ankündigung von Meyer Burger. »Mit Kürzungen statt Stärkung gefährdet sie Arbeitsplätze im Osten und die Energiesicherheit der Zukunft«, monierte Jung. Deutschland dürfe sich bei Zukunftsenergien nicht komplett von China abhängig machen. Die Bundesregierung habe versäumt, auf die Lage zu reagieren: »Spätestens jetzt ist entschiedenes Handeln Gebot der Stunde.«

hej/dpa-AFX