Zweites Gläubigertreffen Solarworld-Rettungsplan nimmt weitere Hürde

Neue Aktien gegen Verzicht auf 55 Prozent des Kapitals - diesem Deal hat auch eine zweite Runde von Solarworld-Gläubigern zugestimmt. Nun sind die Aktionäre des sanierungsbedürftigen Solarunternehmens gefragt.


Bonn - Bei der ersten Runde waren es 99,96 Prozent, diesmal fiel das Ergebnis mit 99,8 Prozent kaum schlechter aus: Auch eine zweite Runde von Anleihegläubigern hat am Dienstag einem Rettungsplan für den angeschlagenen Solarmodulhersteller Solarworld Chart zeigen zugestimmt. Damit nahm Vorstandschef Frank Asbeck eine weitere Hürde, um das mit mehr als 900 Millionen Euro verschuldete Unternehmen vor einer drohenden Insolvenz zu bewahren.

Die Anleihe-Gläubiger müssen bei dem Schuldenschnitt auf 55 Prozent ihres eingezahlten Kapitals verzichten. Im Tausch dafür sollen sie Solarworld-Aktien erhalten, die aber wenig wert sein werden. Bei der zweiten Gläubigerversammlung ging es um eine Anleihe in Höhe von 400 Millionen Euro. Eine Gläubigergruppe mit Anleihen im Volumen von 150 Millionen Euro hatte dem Rettungspaket bereits am Montag zugestimmt.

Nach dem Ja aller Gläubiger müssen abschließend noch die Aktionäre entscheiden. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung sollen sie am Mittwoch in Bonn bei dem drastischen Kapitalschnitt mitziehen: Statt 150 Aktien werden sie nur noch eine im Depot haben - und das bei starken Kursverlusten in den vergangenen Jahren. Der Schnitt trifft auch Asbeck selbst, der allein rund 28 Prozent der Aktien hält. Er will im Zuge der Sanierung rund 10 Millionen Euro frisches Geld investieren.

Die wachsende Hoffnung auf eine Rettung des Konzerns sorgte an der Börse für einen Kurssprung. Bis zum frühen Nachmittag stiegen Solarworld-Aktien um gut neun Prozent auf knapp 70 Cent.

Das Finanzkonzept sieht auch vor, dass der Golfstaat Katar künftig mit 29 Prozent an Solarwold beteiligt sein wird. Bei der hierfür nötigen Kapitalerhöhung sollen 46 Million Euro fließen. Mit diesem Geld sollen auch die Anleihegläubiger ausgezahlt werden. Firmengründer Asbeck will künftig mit 19,5 Prozent beteiligt sein. Katar ist bereits an verschiedenen deutschen Unternehmen beteiligt, unter anderem zu zehn Prozent am Baukonzern Hochtief Chart zeigen sowie zu 17 Prozent an Volkswagen Chart zeigen.

Deutschlands Solarbranche steckt in einer massiven Krise. Der Industrie macht insbesondere die Konkurrenz durch billige Solarmodule aus Asien zu schaffen. Eine Reihe von Unternehmen wie Q-Cells oder Conergy Chart zeigen ging bereits pleite.

dab/dpa/Reuters/AFP



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
karl-felix 06.08.2013
1. Mir
Zitat von sysopDPANeue Aktien gegen Verzicht auf 55 Prozent des Kapitals - diesem Deal hat auch eine zweite Runde von Solarworld-Gläubigern zugestimmt. Nun sind die Aktionäre des sanierungsbedürftigen Solarunternehmens gefragt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/solarworld-rettungsplan-nimmt-weitere-huerde-a-915128.html
imponiert, dass ein Manager auch wirklich haftet, wenn seine Firma Miese macht. Das stört mich bei dem normalen Procedere gewltig. Diejenigen, die die Firma an die Wand fahren, werden dann noch mit einem goldenen Handschlag verabschiedet. Beispiel RWE-Grossmannn Jahresgehalt ca. 9 Millionen Euro, RWE Wertverlust in 5 Jahren 75% - wohlgemerkt : ein früheres Witwen-und Waisenpapier - das kratzt Grossmann nicht im geringsten. Der nimmt seine Millionen und wandelt vom Acker. Asbeck hält wenigsten seinen Kopf finanziell hin.
pepe_sargnagel 06.08.2013
2.
Zitat von sysopDPANeue Aktien gegen Verzicht auf 55 Prozent des Kapitals - diesem Deal hat auch eine zweite Runde von Solarworld-Gläubigern zugestimmt. Nun sind die Aktionäre des sanierungsbedürftigen Solarunternehmens gefragt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/solarworld-rettungsplan-nimmt-weitere-huerde-a-915128.html
Ich frag mich nur, ob nicht die Exzessive Vergabe von Aktien nicht schon einmal zum Wirtschaft-GAU geführt hat. Ich glaube es war damals, als man die Bahn in Amerika verlegt hat - da wurden sehr viele Personen Teilhaber der amerikanischen Eisenbahn, welche den Westen erschließen sollte. Nach dem Gewinn hat man erst gefragt, als das Kartenhaus zusammengefallen war. Die Eisenbahnschwellen waren verlegt - der Wert aber um ein vielfaches geringer. Alle Teilhaber gingen dafür leer aus. Diejenigen, die einen Lohn für das Verlegen der Schienen bekommen haben hatten aber was davon. Diejenigen, die das Projekt geplant haben vermeintlich mehr. Aber die Teilhaber (Aktionäre) verloren ihren Einsatz. Eine schöne Übersicht zu Börsencrashs: Planet Wissen - Börsencrashs (http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/wirtschaft_und_finanzen/boerse/boersencrashs.jsp) In der heutigen Zeits wirds aber bestimmt besser laufen als damals - es ist ja schließlich alles anders. Vor allem das menschliche Verhalten?! Zudem haben ja wirklich intelligente Menschen diesen Finanzmark so erschaffen und so gebastelt. Das mit dem Intellekt meine ich ernst, denn nach dem kalten Krieg mussten die super ausgebildeten Mathematiker und Physiker ein neues Spielfeld suchen. Nur haben sie sich eine Sozialwissenschaft gesucht... Dort aber handeln die Menschen nicht wie Naturgesetze... Wir handeln spontan, launisch, aus dem Bauch heraus. Das wird aber zum Teil schon in diesen Modellen berücksichtigt (Wahrscheinlichkeitsmodelle), aber was, wenn wir unser Verhalten ändern? Dann kann es zu einer "nicht vorhergesagten" Kettenreakion an "(Un)Wahrscheinlichkeiten" kommen - im allgemeinen nennt man das Crash. Aber da man intellektuell glücklicherweise denjenigen weit voraus ist, welche die Staatskassen verwalten macht das nicht so viel. So regelt sich der Mark durch Steuergeld bzw. Geld der Käufer, welche die Produkte gar nicht mehr kaufen müssen und danach auch gar nicht besitzen.
Pandora0611 06.08.2013
3. Wenn die Sonne untergeht
Zitat von sysopDPANeue Aktien gegen Verzicht auf 55 Prozent des Kapitals - diesem Deal hat auch eine zweite Runde von Solarworld-Gläubigern zugestimmt. Nun sind die Aktionäre des sanierungsbedürftigen Solarunternehmens gefragt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/solarworld-rettungsplan-nimmt-weitere-huerde-a-915128.html
Solarworld ist der nächste Pleitekandidat. Die Anleger stimmen einem Schuldenschnitt von 55% zu und erhalten für ihr eingesetztes Kapital wertlose Aktien. Das macht einen Verlust in Summe von 95%. *Aber die Solarblase ist schon lange geplatzt und die Firmen sterben wie die Fliegen.* Das liegt vor allem daran, dass die Branche ihre Gewinne nicht in Innovation investierte, sondern einfach ausgab. Ihr Geschäftsmodell beruhte auf *ewige Subventionen*; bleiben diese aus oder werden zurückgefahren, sind sie pleite. Quelle: SZ Insolvenz von Evergreen Solar - Wenn die Sonne untergeht - Wirtschaft - Süddeutsche.de (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/insolvenz-von-evergreen-solar-wenn-die-sonne-untergeht-1.1131831) Solarmodule sind *Low-Tech*, die kann jeder, auch die Chinesen!
Pandora0611 06.08.2013
4. Aufstieg und Fall des Sonnenkönigs Asbeck
---Zitat--- Im November 2007 notierte die Aktie bei 48 Euro, zeitweise war das Unternehmen rund fünf Milliarden Euro wert. Doch mit der Expansion chinesischer Konkurrenten, die heute 80 Prozent des hiesigen Marktes beherrschen, kam der tiefe Fall. Die meisten Firmen schrieben Verluste, die Kurse stürzten ab - auch bei Solarworld. Heute kosten die Papiere gerade mal noch 70 Cent. ---Zitatende--- Aber er hat die volle Unterstützung der Grünlinge. Die EE schaffen ja - das ist ihre Aussage - 500.000 neue Jobs. Und PV ist eine *Erfolgsstory!* Deutschland ist schliesslich das sonnenreichste Land der Welt! Und die EE (insbesonders die PV) sorgt für niedrigere Strompreise (an der Börse). Der Strompreis ist so niedrig, dass wir unseren Strom sogar ans Ausland verschenken (oder sogar noch dafür zahlen, dass er uns abgenommen wird).
greenwater 06.08.2013
5. Dann ist das dritte Schloß ja nicht mehr weit.
Zitat von sysopDPANeue Aktien gegen Verzicht auf 55 Prozent des Kapitals - diesem Deal hat auch eine zweite Runde von Solarworld-Gläubigern zugestimmt. Nun sind die Aktionäre des sanierungsbedürftigen Solarunternehmens gefragt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/solarworld-rettungsplan-nimmt-weitere-huerde-a-915128.html
Katar bezahlt für 29% 46 Mio. €, Asbeck für 19,5% 10 Mio. €. Demnach sollten sein Aktien nach der Sanierung noch gut 20 Mio. € wert sein. Irgendwie kriege das nicht gebacken. Kann mir jemand helfen?
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