Sono Motors sammelt Kapital ein Münchner Start-up will Autoherstellern Konkurrenz machen

Mit einem ungewöhnlichen Elektroauto will das Münchner Start-up Sono Motors die etablierten Hersteller herausfordern und sammelt dafür jetzt Kapital ein. Doch die Hürden bis zum Marktstart sind hoch.
Sion von Sono Motors (Illustration)

Sion von Sono Motors (Illustration)

Foto: Sono Motors

Ein Auto ohne Lackierung, mit Moos im Armaturenbrett und zusammengebaut aus möglichst vielen Teilen, die schon für andere Hersteller produziert werden - das klingt nicht nach dem Traum deutscher PS-Fetischisten.

Laurin Hahn, Mitgründer von Sono Motors, und seine Kollegen glauben aber, dass sich die Träume deutscher Autofahrer gerade ändern. Sie würden Autos nicht mehr als Statussymbol sehen, sondern als eine Möglichkeit von vielen, möglichst günstig und umweltfreundlich von A nach B zu kommen.

Deshalb haben die mittlerweile 70 Mitarbeiter des Münchner Start-ups in den vergangenen drei Jahren ein Elektroauto gebastelt, das mit Solarzellen, anstatt mit Lack überzogen ist und die Feinstaubbelastung per Moosfilter reduziert. Der Solarstrom soll für etwa 30 Kilometer am Tag reichen, die Batterie für 250 Kilometer. Sono arbeitet außerdem an einem Carsharing-Konzept, das von Anfang an in das Fahrzeug integriert sein soll.

Sono will frisches Geld einsammeln

Ob das alles gelingt ist offen. In der Branche werden die Chancen des Außenseiters eher skeptisch beurteilt. Bislang haben die Gründer Sono Motors vor allem auf drei Wegen finanziert: Mit eigenem Geld, durch Crowdfunding und über Anzahlungen, die etwa 8000 Kaufinteressenten bereits geleistet haben.

Um den Prototyp des Sion - so heißt das Elektro-Solar-Auto - zur Serienreife weiterzuentwickeln will Sono Motors deshalb nun einen zweistelligen Millionenbetrag einsammeln. Das Geld soll zum einen aus dem Kreis der bisherigen Investoren und über eine weitere Crowdinvesting-Kampagne kommen.

Zum anderen will Sono nun aber an größeres Geld: Über einen Spezialfonds, den der bayerische Vermögensverwalter CAV auflegt, sollen bis zu 15 Millionen Euro eingesammelt werden, vor allem bei vermögenden Privatpersonen, Profiinvestoren und Familienunternehmen. Wenn die Kapitalerhöhung gelingt, würde Sono Motors mit mehr als 100 Millionen Euro bewertet.

Fertigung durch Auftragsproduzenten

Schon Ende 2019 will Sono Motors den Sion in Serie produzieren und auf die Straße bringen. Es wäre eine kleine Sensation, wenn dies ausgerechnet einem kleinen deutschen Start-up gelänge. Schließlich tut sich selbst der amerikanische E-Auto-Pionier Tesla schwer, Fahrzeuge nicht nur zu entwickeln, sondern auch in Serie zu produzieren. Sono Motors will allerdings keine eigene Fertigung aufbauen, sondern hat offenbar eine Art Vorvereinbarung mit einem Auftragsproduzenten. Den Namen halten die Münchner noch geheim.

Um tatsächlich in die Massenfertigung einzusteigen, dürfte Sono Motors Ende nächsten Jahres eine weitere Finanzierungsrunde benötigen, wenn die Münchner bis dahin die Zulassung für den Sion erhalten haben.

Die Konkurrenz für das Münchner Start-up wird von 2020 an auch in Deutschland groß sein. Bis dahin will beispielsweise VW sein erstes reines E-Auto, den Neo, auf den Markt bringen. Bis 2022 will VW rund 35 Milliarden in die E-Mobilität stecken. Im Vorteil sehen sich die Gründer von Sono Motors beim Preis: Der Sion soll mit Batterie nur 20.000 Euro kosten, etwa 10.000 Euro mehr dürfte VW für den Neo verlangen. Je mehr Anbieter mit ihren E-Autos an den Markt kommen, desto stärker dürften jedoch auch die Preise unter Druck kommen.

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