Gasleitung Westliche South-Stream-Partner überrumpelt vom Projekt-Stopp

Russland hat das South-Stream-Projekt gestoppt - offenbar ohne vorher mit den westlichen Beteiligten wie etwa der deutschen BASF-Tochter Wintershall gesprochen zu haben. Vertreter aus Österreich zeigen sich verärgert.

Arbeiter im russischen Anapa (Dezember 2012): "Wir beraten zur Zeit"
REUTERS

Arbeiter im russischen Anapa (Dezember 2012): "Wir beraten zur Zeit"


Vom Ende der South-Stream-Pipeline ist auch ein deutsches Unternehmen betroffen, die Firma Wintershall, eine Tochtergesellschaft des Chemiekonzerns BASF. Wintershall ist mit 15 Prozent an der Projektgesellschaft South Stream Transport beteiligt, die den Offshore-Teil der Leitung bauen sollte. Der Abschnitt sollte über 900 Kilometer über den Grund des Bodens des Schwarzen Meeres führen. Die Kosten wurden auf rund 10 Milliarden Euro taxiert, Wintershall soll daran gemäß der Beteiligung 15 Prozent übernehmen, das entspräche 1,5 Milliarden Euro.

Zu dem von Präsident Wladimir Putin am Montag überraschend verkündeten Stopp von South Stream wollte Wintershall bislang nicht Stellung nehmen. Ein Sprecher teilte lediglich mit, man werde "die Ankündigungen zu South Stream mit unseren europäischen und russischen Partnern im Gesellschafterkreis besprechen". Die Vorbereitungen für den Bau der Pipeline auf dem Meeresgrund laufen seit Monaten. Seit dem Sommer werden die Röhrenteile für den Einsatz im Schwarzen Meer mit Beton ummantelt. Der Baubeginn war für November geplant.

South Stream sollte eigentlich ab 2016 das erste russische Gas nach Südeuropa transportieren. Im Sommer aber stellte sich die EU-Kommission gegen das Projekt, die Verträge über den Pipelinebau verstießen gegen europäisches Recht. Wintershall reagierte damals verschnupft auf das Vorgehen Brüssels: Man sei "komplett verwirrt" von dem Verhalten der EU-Kommission, sagte Vorstandschef Rainer Seele im Juni. Er könne "keinen klaren Kurs der EU-Kommission erkennen".

DER SPIEGEL

Neben Wintershall sind auch der französische Konzern EdF sowie Eni aus Italien an South Stream beteiligt.

Das in den Niederlanden ansässige Unternehmen South Stream Transport äußerte sich am Dienstag zunächst nicht. Der niederländische Offshore-Betrieb Allseas, der die Pipeline durch das Schwarze Meer anlegen sollte, wurde von Putin überrascht. "Wir beraten zur Zeit über unser weiteres Vorgehen", sagte Unternehmenssprecher Kris Hall. Allseas wollte bei dem Bau erstmals das größte Schiff der Welt, die Pieter Schelte, einsetzen. Welches Volumen der Auftrag hatte, ist nicht bekannt.

Österreich verärgert

Verärgert reagierten Vertreter aus Österreich auf das Vorgehen des Kreml. "Wir wissen das nur über die Medien und weder Bulgarien noch andere Partner, die an dem Projekt mitwirken, haben offizielle Informationen. Im Endeffekt glauben wir, dass das eine noch zu klärende Angelegenheit ist", sagte Vizekanzler Reinhold Mitterlehner.

Erst im Juni hatte Wien mit Gazprom eine Abzweigung der Pipeline nach Baumgarten an der March vereinbart. Für die Österreicher unterzeichnete Gerhard Roiss, Chef des Öl- und Gasunternehmens OMV. Der Konzern sagte der Tageszeitung "Standard", dass die Lage nun neu bewertet werden müsse.

Österreich war zuletzt als Fürsprecher für Moskau innerhalb der EU aufgetreten und hatte für Zurückhaltung bei den Russland-Sanktionen geworben.

beb/hen/dpa

insgesamt 109 Beiträge
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Seite 1
Sieglinde Pokaschewski 02.12.2014
1. ja was denn nu?
Russland hatdas South-Stream-Projektgestoppt - oder Mit dem Stopp der South-Stream-Pipeline trifft Brüssel den Kreml hart.
w.diverso 02.12.2014
2.
Da sieht man wie ernst Russland Verträge nimmt. Bin schon gespannt, wie das die Putinversteher begründen. Alle in der EU sind so gemein zu dem lupenrein demokratischen Politiker, dass im kein anderer Ausweg geblieben ist?
taffuchs 02.12.2014
3. Wen wundert es?
Putin fühlt sich von Brüssel brüskiert. Daher wird er Wert darauf legen, den EURASIEN-PAKT mit asiatischen Staaten schnellstmöglich abzuschließen, zu erweitern und russisches Gas nach Osten liefern.
monolithos 02.12.2014
4. Kindergarten
Zitat von Sieglinde PokaschewskiRussland hatdas South-Stream-Projektgestoppt - oder Mit dem Stopp der South-Stream-Pipeline trifft Brüssel den Kreml hart.
Habe ich mich auch schon gefragt. Es wird einfacher sein zu klären, wer im Kindergarten wem zuerst die Bauklötzchen weggenommen hat und wer vom wem zuerst geschubst wurde.
altmannn 02.12.2014
5. Welche Verträge?
Zitat von w.diversoDa sieht man wie ernst Russland Verträge nimmt. Bin schon gespannt, wie das die Putinversteher begründen. Alle in der EU sind so gemein zu dem lupenrein demokratischen Politiker, dass im kein anderer Ausweg geblieben ist?
Wie soll Gazprom Verträge einhalten, wenn von Seiten der EU (hier: Bulgarien) die erforderlichen Genehmigungen nicht erteilt werden? Einfach ohne Genehmigung bauen, oder was?
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