Spätfolge der Finanzkrise US-Versicherer steht vor der Pleite

Einem großen amerikanischen Versicherungskonzern droht die Insolvenz: Das in Milliardenhöhe verschuldete Unternehmen Ambac kann seine Gläubiger nicht bezahlen. Die Aktie stürzte nach Bekanntwerden der Nachricht ab - sie war zeitweise nur noch die Hälfte wert.

Ambac-Gebäude in New York: Anstehende Zinszahlungen müssen ausfallen
REUTERS

Ambac-Gebäude in New York: Anstehende Zinszahlungen müssen ausfallen


New York - Schon 139 Regionalbanken sind in den USA im laufenden Jahr bankrott gegangen, weil die Hausbesitzer mit ihren Kreditraten im Rückstand sind. Nun droht auch einem großen amerikanischen Versicherungskonzern das Aus: Ambac Financial warnte am Montag davor, dass das Unternehmen bis zum Jahresende in die Insolvenz rutschen werde, wenn es sich nicht mit seinen Gläubigern einigen könne.

Ambac versichert Anleihen - Wertpapiere, mit denen Unternehmen oder Staaten frisches Geld einsammeln und dafür Zinsen zahlen. Der Konzern steht gegenüber Investoren dafür gerade, wenn ein Schuldner nicht mehr zahlen kann. Nun lässt der Versicherer seine eigenen Gläubiger im Stich: Das Unternehmen räumte ein, dass es nicht gelungen sei, neues Geld aufzutreiben. Deshalb müssten anstehende Zinszahlungen ausfallen.

Die in der Öffentlichkeit wenig bekannten, aber für die Finanzindustrie wichtigen Anleiheversicherer - auch Monoliner genannt - hatten sich ursprünglich auf recht risikoarme Anleihen von Kommunen und Ländern konzentriert. Dann aber stiegen Ambac und andere Branchengrößen massiv ins Geschäft mit hochriskanten Wertpapieren ein, bei denen Hypotheken gebündelt wurden, die finanzschwache US-Bürger aufgenommen hatten. Seit dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts 2007 sieht sich Ambac einer Flut von offenen Rechnungen gegenüber.

"Ambac ist schon seit einiger Zeit eine lebende Leiche"

Ambac schreibt anhaltend hohe Verluste, alleine im ersten Halbjahr 747 Millionen Dollar. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit können viele US-Hausbesitzer bis heute ihre Raten nicht zahlen, die darauf aufbauenden, teils hochkomplexen Finanzprodukte platzen reihenweise. Auch die Banken beklagen immer noch heftige Ausfälle. Im Falle von Ambac geht es um etliche Milliarden Dollar. Das Unternehmen war einst die Nummer zwei der Branche und hatte mit seinen Turbulenzen die Finanzkrise befeuert.

Bereits im März 2010 waren die schlechtesten Papiere in den Büchern - insgesamt 64 Milliarden Dollar - aus der Bilanz von Ambac ausgegliedert worden. Ende Juni stand der Versicherer mit 1,6 Milliarden Dollar in der Kreide. Der Konzern hatte schon vor der Insolvenzgefahr gewarnt, eigentlich sollte das Geld aber noch bis ins neue Jahr hinein reichen. "Ambac ist schon seit einiger Zeit eine lebende Leiche", sagte Matt Fabian von Municipal Market Advisors.

Die Aktie des US-Versicherers ist schon lange ein sogenannter Pennystock - also ein Wert, der nur noch im Centbereich gehandelt wird. Am Montag brach das Papier nach der Insolvenzwarnung um die Hälfte auf 41 Cent ein.

AIG will Milliardenhilfe zurückzahlen

Während ein US-Versicherer also kurz vor der Pleite steht, bemüht sich ein anderer um Rückzahlung von Staatshilfen. Die American International Group (AIG) plant nach dem Verkauf von ausländischen Unternehmenseinheiten 37 Milliarden Dollar zurückzuzahlen. AIG teilte mit, dass am Montag der Verkauf der American Life Insurance an MetLife für 16,2 Milliarden Dollar abgeschlossen worden sei. Außerdem habe der Konzern in der vergangenen Woche die hauptsächlich in Asien tätige AIA Group an die Börse gebracht und dabei 20,5 Milliarden Dollar eingenommen.

Mit dem Geld will AIG die mehr als 100 Milliarden Dollar an ausstehenden Schulden begleichen und Staatshilfen zurückzahlen. Ende September hatte der Versicherungskonzern bekanntgegeben, wie er das während der Finanzkrise von der Regierung erhaltene Geld zurückzahlen will. Als Bestandteil der Tilgung wird die Regierung einen Teil der ausstehenden Schulden in AIG-Aktien umwandeln.

wit/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mingus1955 01.11.2010
1. Wieso "Spätfolge" ?
Wir sind mittendrin in der Finanz- und Schuldenkrise. Wir waren nie "draussen" und wir werden auch durch noch soviel Pumpen der Zentralbanken aus diesem Loch herauskommen. Da helfen keine statistischen Tricks und entsprechende öffentliche Jubelmeldungen. Das Zauberwort heißt "Überakkumulation" und "dritte industrielle Revolution".
n.holgerson 01.11.2010
2. Danke Herr Welterklärer
Zitat von mingus1955Wir sind mittendrin in der Finanz- und Schuldenkrise. Wir waren nie "draussen" und wir werden auch durch noch soviel Pumpen der Zentralbanken aus diesem Loch herauskommen. Da helfen keine statistischen Tricks und entsprechende öffentliche Jubelmeldungen. Das Zauberwort heißt "Überakkumulation" und "dritte industrielle Revolution".
Was wäre nur dieses Forum ohne Experten wie sie. Gott sei Dank verstehen sie die großen Zusammenhänge, durchschauen die "statistischen Tricks" und haben noch die Gnade uns armen normalen Personen an ihrem Expertenwissen teilhaben zu lassen.
gue5003 01.11.2010
3. dritte industrielle Revolution
Zitat von n.holgersonWas wäre nur dieses Forum ohne Experten wie sie. Gott sei Dank verstehen sie die großen Zusammenhänge, durchschauen die "statistischen Tricks" und haben noch die Gnade uns armen normalen Personen an ihrem Expertenwissen teilhaben zu lassen.
Ja die Amis werden bald ihre Bäume abnagen müssen, weil sie ihre Schulden nicht mehr zahlen können, und billiges Fastfood nicht mehr zu ergattern ist.
gue5003 01.11.2010
4. dritte industrielle Revolution
Zitat von n.holgersonWas wäre nur dieses Forum ohne Experten wie sie. Gott sei Dank verstehen sie die großen Zusammenhänge, durchschauen die "statistischen Tricks" und haben noch die Gnade uns armen normalen Personen an ihrem Expertenwissen teilhaben zu lassen.
Ja die Amis werden bald ihre Bäume abnagen müssen, weil sie ihre Schulden nicht mehr zahlen können, und billiges Fastfood nicht mehr zu ergattern ist.
woanders 01.11.2010
5. ...
Zitat von n.holgersonWas wäre nur dieses Forum ohne Experten wie sie. Gott sei Dank verstehen sie die großen Zusammenhänge, durchschauen die "statistischen Tricks" und haben noch die Gnade uns armen normalen Personen an ihrem Expertenwissen teilhaben zu lassen.
Ich weiss auch nicht, warum viele meinen, man müsste für alles und jedes "Experte" sein. Für die meissten Dinge auf dieser Welt reicht gesunder Menschenverstand und ein IQ etwas über dem Handelsdurchschnitt aus. Man muss kein Genie sein, um zu sehen, was da gerade abläuft. Natürlich sieht man es nicht, wenn, wie üblich im Mainstream Informationen nicht oder falsch verbreitet werden und man seine Informationsquellen auf eben solche beschränkt. Sonst würde da nicht nur irgendein US- Versicherer aus der zweiten Linie im Artikel erwähnt werden, sondern die komplett wackelige Geschichte der ganzen Suprimes, der Doppel- und Dreifachbetrug der grossen Wall Street Banken an den Kreditnehmern, and den Käufern der Schrottpapiere (von denen eben jene Banken wussten, dass es Schrottpapiere sind, gegen die sie dann auch noch gleichzeitig auf Ausfall gewettet haben, aber sich von den Ratingagenturen ein trippel A auf die Pakete drucken liessen- manus manum lavat!s), aber da dann wohl doch zu gierig wurde und zu nachlässig...das führte nun zu foreclosuregate, und das steht erst am Anfang. Es ist davon auszugehen, dass über 60 Millionen Hypotheken betroffen sind. Die Banken können ihre Besitzansprüche nicht nachweisen, da sie ein paar $ einsparen wollten, die Originaldokumente geschreddert haben und nur noch zweifelhafte elektronische MERS - records besitzen, die keine gerichtsrelevante Evidence sind. Das ist aber nur ein Teil und der Anfang der Story, je nachdem wie Gerichte entscheiden- und im Augenbick sieht es für die Banken nicht gut aus, kann das die gesamten korrupten, betrügerisch agierenden Grossbanken der USA in den Abgrund reissen....endlich möchte man freudig ausrufen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.