Antrag auf Staatshilfe Spanische Krisenbank braucht weitere 19 Milliarden Euro

Die angeschlagene Großbank Bankia zieht Spanien noch tiefer in die Schuldenkrise. Das notleidende Institut fordert weitere Staatshilfen von 19 Milliarden Euro. Die Rating-Agentur Standard & Poor's reagiert umgehend mit einer Herabstufung des Geldhauses. Es ist nicht der einzige Problemfall.
Bankia-Logo in Madrid: Institut in Schieflage

Bankia-Logo in Madrid: Institut in Schieflage

Foto: ANDREA COMAS/ REUTERS

Madrid - An den Finanzmärkten wächst die Sorge um Spanien. Investoren befürchten, dass die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone infolge hoher Belastungen unter den Rettungsschirm flüchten muss. Die Berichte über weiteren Finanzbedarf bei der angeschlagenen Großbank Bankia haben solche Ängste geschürt. Der Euro   rutschte auf ein Zwei-Jahres-Tief von 1,2495 Dollar.

Der teilverstaatlichte Sparkassen-Konzern Bankia benötigt zum Überleben eine staatliche Geldspritze von 19 Milliarden Euro. Der Aufsichtsrat habe am Freitag einen Rekapitalisierungsplan gebilligt, der diese Zahlung vorsehe, teilte die Bank am Abend mit. Zunächst war noch von 15 Milliarden Euro zusätzlich die Rede.

Den neuen Angaben zufolge würde die Sanierung der angeschlagenen Großbank den spanischen Staat in der Summe mehr als 23 Milliarden Euro kosten. Die Geldlücke wurde in den vergangenen Monaten immer höher beziffert. Das Unternehmen hatte vor zwei Jahren bereits 4,5 Milliarden Euro aus dem staatlichen Bankenrettungsfonds FROB erhalten und befindet sich zu 45 Prozent im Besitz des Staates.

Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte noch am Mittwoch die benötigte Staatshilfe von Bankia auf neun Milliarden Euro beziffert. In den Bilanzen des Geldhauses taten sich nach übereinstimmenden Medienberichten jedoch weitere Finanzlücken auf.

Sorgen über die Finanzlage in Spanien und gemischte Nachrichten aus der Eurozone haben die US-Börsen am Freitag auf Talfahrt geschickt. Der wichtigste Index Dow Jones Industrial verlor 0,60 Prozent auf 12.454,83 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 sank um 0,22 Prozent auf 1.317,82 Punkte. Auch die technologielastigen Nasdaq-Indizes standen im Minus. Der Composite Index rutschte um 0,07 Prozent auf 2.837,53 Punkte ab, und der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 0,17 Prozent auf 2.527,05 Punkte.

Auch die Region Katalanien fleht um Hilfe

Wenn Spaniens Regierung dem neuen Bankia-Gesuch nachkommt, wäre die Rettung die größte staatliche Hilfsoperation für ein Unternehmen in der spanischen Geschichte. Der Sanierungsplan muss von der Zentralbank, der Regierung und der EU bewilligt werden. Die Regierung in Madrid will einen Zusammenbruch von Bankia in jedem Fall verhindern. Eine Pleite hätte aufgrund der Größe des Geldinstituts verheerende Folgen für das spanische Finanzsystem.

Die Rating-Agentur Standard & Poor's reagierte umgehend auf die negativen Nachrichten und hat Bankia sowie vier weitere spanische Banken herabgestuft. Bankia hat nun die Bonitätsnote BB+. Die Kreditwürdigkeit der beiden größten spanischen Banken Santander   und BBVA   ließ S&P unverändert.

Der angeschlagene Bankensektor gilt als Achillesferse des Landes im Kampf gegen die Schuldenkrise. Mit dem Platzen der Immobilienblase waren viele von ihnen in Turbulenzen geraten - am stärksten Bankia. Sie hat besonders viele faule Immobilienkredite in ihren Bilanzen. Erst Mitte Mai hatte die Rating-Agentur Moody's 16 spanische Banken herabgestuft, darunter auch Branchenprimus Santander.

Die spanische Finanzmarktaufsicht CNMV hatte den Handel mit Bankia-Aktien am Freitag gestoppt. Ein normaler Aktienhandel sei wegen der besonderen Umstände nicht gewährleistet, hieß es.

Offen ist, wie Spanien angesichts der zusätzlichen Milliardenkosten seine mit der EU vereinbarten Defizitziele erreichen will. Das Land hat nicht nur Probleme im Bankensektor, sondern fürchtet auch um seine 17 hoch verschuldeten Regionen. Am Freitag gab es neben den schlechten Nachrichten von Bankia auch noch einen Hilferuf Kataloniens nach Finanzhilfen der spanischen Zentralregierung. Die autonome Region, die ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet, hat nach den Worten ihres Präsidenten Artur Mas Probleme bei der Umschuldung von fälligen Krediten im Volumen von mehr als 13 Milliarden Euro.

mmq/Reuters/dpa