Sparkurs Weber appelliert an die Moral der Banken

Eigenkapital stärken statt Dividenden ausschütten: Bundesbankpräsident Axel Weber sieht die Banken in der moralischen Pflicht zu sparen. Gewinne sollten zur Stärkung der Unternehmen verwendet werden. Man beobachte die Vorstände aufmerksam - notfalls seien auch Zwangsmaßnahmen denkbar.
Bundesbankpräsident Weber: Banken in der Verantwortung

Bundesbankpräsident Weber: Banken in der Verantwortung

Foto: ddp

Axel Weber

Hamburg - Für Bundesbankpräsident gibt es da keinen Zweifel: Banken stehen nach der Finanzkrise in einer besonderen Verantwortung - auch solche Institute, die keine staatliche Förderung erhalten haben. "Für mich ist vollkommen klar, dass Banken, die wieder Gewinne machen, diese nutzen sollten, um ihre Kapitalbasis zu stärken", sagte Weber im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auch Institute, die während der Finanzkrise keine staatliche Förderung erhalten hätten, stünden in der Verantwortung, so Weber weiter.

Internationalen Währungsfonds

Am Rande der Jahrestagung des (IWF) in Istanbul erklärte Weber, eine Stabilisierung der eigenen Kapitalbasis müsse "Vorrang vor Ausschüttungen an die Eigentümer und vor Bonuszahlungen haben".

Zwar sei ein solches Verhalten eigentlich selbstverständlich, die Aufsichtsbehörden hätten aber durchaus die Option, "bei kapitalschwachen Banken auf eine Stärkung des Eigenkapitals zu dringen". Man werde das Verhalten der Bankvorstände beobachten, sagte Weber.

Zudem warnte der Bundesbankpräsident vor der negativen Wirkung in der Öffentlichkeit, wenn Banken, die zuvor durch Milliardenbeträge gestützt wurden, plötzlich durch Ausschüttungen und großzügige Boni auffielen. Die Banken stünden hier unter einem "moralischen Zwang".

Sorgen um das "Pflänzchen Aufschwung"

Banken und Sparkassen haben dagegen erneut vor dauerhaften Kreditengpässen in Folge schärferer Kapitalregeln gewarnt. "Es besteht die reale Gefahr, dass die Möglichkeiten der Banken zur Kreditvergabe per Regulierung eingeschränkt würden", sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Andreas Schmitz am Rande der IWF-Jahrestagung. Er forderte Augenmaß bei der Höhe der Risikopuffer sowie Fingerspitzengefühl beim Zeitpunkt für die schärferen Regeln. Sonst werde das "Pflänzchen Aufschwung" zerstört.

Zuvor hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erneut vor einseitigen Eingriffen gewarnt. Reformen sollten international abgestimmt und koordiniert werden, sagte Ackermann auf dem Jahrestreffen des internationalen Bankenverbands IIF in Istanbul. Aus Sicht von Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis drohen dramatische Auswirkungen für die gesamte deutsche Wirtschaft, sollten das Eigenkapital beziehungsweise Kernkapital erheblich eingeschränkt werden.

Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) hatten vor mehr als einer Woche schärfere Regeln für die Bankenbranche nach der Finanzkrise angekündigt. Es wird mit höheren Eigenkapitalanforderungen gerechnet. Europäische Banken befürchten Wettbewerbsnachteile gegenüber US-Instituten.

Ackermann räumte ein, dass höhere Eigenkapitalanforderungen notwendig seien, warnte jedoch gleichzeitig davor, jetzt zu viele neue Regeln aufzustellen. "Letztlich kommt es nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität der Spielregeln an", sagt er im Gespräch mit dem SPIEGEL.

Haasis zufolge würden bei Einschränkungen beim Kernkapital wie den stillen Einlagen Mittel in "sehr hoher zweistelliger Milliardenhöhe" nicht mehr zur Verfügung stehen. Jeder Euro, der damit nicht mehr dem Kernkapital zugerechnet werde, verringere die Möglichkeit zur Kreditvergabe deutlich. "Wir würden dann über einen dauerhaften Kreditengpass sprechen", sagte Hassis.

jok/dpa-AFX
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