Sparprogramm GM will Opelaner zur Kasse bitten

Erst kündigte General Motors massiven Jobabbau bei Opel an, nun werden die Mitarbeiter auch noch zur Kasse gebeten: Einem Pressebericht zufolge rechnet der US-Konzern fest damit, dass die Belegschaft auf 265 Millionen Euro Gehälter verzichtet - so viel wie sie bereits bei Magna beisteuern wollte. Deutsche Opelaner sollen die Hauptlast tragen.

Die Logos der Automobilkonzerne Opel und GM: Wegfall übertariflicher Leistungen
ddp

Die Logos der Automobilkonzerne Opel und GM: Wegfall übertariflicher Leistungen


Frankfurt am Main/Rüsselsheim - Nun müssen die Mitarbeiter helfen: Bei der Sanierung von Opel kalkuliert der Mutterkonzern General Motors (GM) laut einem Pressebericht offenbar fest einen Sparbeitrag der Opel-Belegschaft in Höhe von 265 Millionen Euro ein. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf das noch geheime, vorläufige Konzept berichtet, sollen die deutschen Opel-Mitarbeiter dabei die Hauptlast tragen.

Von den deutschen Mitarbeitern, die etwa die Hälfte der Belegschaft in Europa ausmachen, sollen dem Bericht zufolge etwa 177 Millionen Euro an Einsparungen eingesammelt werden. Dies solle zum Beispiel durch den Wegfall übertariflicher Leistungen geschehen. Die Belegschaft hatte dem abgewiesenen Opel-Interessenten Magna bereits Zusagen über ein Sparpaket von 265 Millionen Euro gegeben.

Im Rahmen der Restrukturierung fasst GM laut "Handelsblatt" eine zügige Schließung des Opel-Werkes im belgischen Antwerpen ins Auge. Dem noch unveröffentlichten Konzept zufolge sei die Schließung für das erste Halbjahr 2010 geplant. Belgien hatte GM bereits Staatshilfen in Aussicht gestellt, wenn das Werk in Antwerpen nicht geschlossen wird.

In Brüssel treffen sich am Freitagmittag die EU-Wirtschaftsminister zu Beratungen über den Autobauer Opel und die Schwestermarke Vauxhall. Aus Deutschland wird Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erwartet. Zudem wollen der Europachef der Opel-Mutter General Motors (GM), Nick Reilly, EU-Industriekommissar Günter Verheugen und Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes teilnehmen.

Opel-Beschäftigte wollen Klarheit

Es sollen Informationen ausgetauscht und mögliche Maßnahmen zugunsten der Autobauer besprochen werden. Dabei dürfte es vor allem um Staatshilfen gehen. GM will nach Angaben der Bundesregierung 2,7 Milliarden Euro öffentliche Unterstützung für die Sanierung von Opel, 600 Millionen Euro will der US-Konzern demnach selbst aufbringen.

Ein weiteres Treffen ist in Rüsselsheim geplant: Nick Reilly stellt sich Fragen der Belegschaft bei einer Betriebsversammlung. Der Opel-Betriebsrat erwartet von Reilly konkrete Angaben über die Pläne des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) zu den europäischen Werken und Arbeitsplätzen.

Außerdem soll Reilly das GM-Konzept für ein eigenständiges Unternehmen Opel/Vauxhall vorlegen, wie aus der Einladung des Betriebsrats hervorgeht. Dabei wollen die Opelaner auch beschließen, welche Garantien sie von GM beispielsweise für einen Lohnverzicht verlangen. Reilly will den Opel-Sanierungsplan offiziell Mitte Dezember präsentieren.

Ein Grobkonzept für die Zukunft von Opel hatte GM der Bundesregierung bereits diese Woche vorgelegt. Wirtschaftsminister Brüderle erwartet aber noch mehr Details, bevor er Staatshilfen erwägen will.

Bald wieder Gewinne in Europa

Laut dem vorläufigen Sanierungskonzept will GM mit Opel in Europa in drei Jahren wieder Gewinne einfahren. Dabei sollen weniger Stellen gestrichen werden als noch in der vergangenen Woche von Reilly angekündigt.

Für das Jahr 2012 rechnet der Mutterkonzern mit einem Vorsteuergewinn der europäischen Tochter Opel/Vauxhall von rund einer Milliarde Dollar (rund 661 Millionen Euro). 2009 und 2010 erwartet GM in Europa aber noch tiefrote Zahlen mit einem operativen Gesamtverlust von über sechs Milliarden Dollar.

GM will dem Konzept zufolge 8313 der 48.000 Stellen bei Opel und Vauxhall in Europa streichen. Vergangene Woche hatte Reilly noch von rund 9000 Stellenstreichungen gesprochen. Im Stammwerk Rüsselsheim stehen gut 2300 Stellen in Produktion, Verwaltung und in der Entwicklung auf der Kippe. Das Werk Bochum muss um 1799 Stellen bangen und Eisenach und Kaiserslautern um jeweils etwa 300 Jobs in der Produktion.

Zusammen wären das 4700 statt der von Reilly als Maximum angekündigten 5400 Stellenstreichungen. Dennoch würde Deutschland die Hauptlast der Sanierung tragen, allerdings droht dem Werk im belgischen Antwerpen das Aus. Insgesamt beschäftigt Opel in seinen vier deutschen Werken 24.300 Menschen.

fro/AFP/dpa



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Seite 1
mr green 03.11.2009
1.
was soll man sagen?das ganze ist so irrwitzig und abstrakt, dass einem schlicht die worte fehlen...dumm gelaufen....wär fast eine lustige parodie, wenn es dabei nicht um menschen gehen würde. aber rational gesehen, handhaben wir ja zwischenzeitlich alles systemisch...von demher: naiv ist der, der sich noch über irgendetwas wundert!
Haio Forler 03.11.2009
2.
Zitat von sysopGeneral Motors will Opel jetzt doch behalten - und lässt den Deal mit Magna platzen. Wie blamiert ist die deutsche Politik nach dem Hin und her?
Kann nicht Quelle mal langsam Opel übernehmen? Oder Ravensburger? Ich kann das widerlich-langweilige Thema langsam nicht mehr hören. Macht mit Opel, was ihr wollt. Nur lasst uns langsam in Ruhe mit dem Gähnfaktor. Wer kauft schon einen Astra.
erben2 04.11.2009
3. Blamage??
Zitat von sysopGeneral Motors will Opel jetzt doch behalten - und lässt den Deal mit Magna platzen. Wie blamiert ist die deutsche Politik nach dem Hin und her?
Blamiert? Wieso? Die Herren Koch, Rüttgers und zu Gutenberg haben sich schon vorher der Lächerlichkeit preis gegeben. Herr Rüttgers flog in den USA um für die Arbeiter in Bochum zu kämpfen. Herr zu Gutenberg stand als bestangezogener Politiker Deutschlands in New York und war kurz davor den Ackemann zu machen (Victory) und Herr Koch gab uns schon vor Monaten den Schwätzer. Es geht nicht um die Blamage der deutschen Politik, dazu braucht man auch keine Opel-Krise. Es geht um Tausende Menschen, die sich von der Geschwätzigkeit, der Eitelkeit und der Unehrlichkeit der meisten Beteiligten haben veralbern lassen. Es geht um Arbeiter und Angestellte in den Fabriken, denen in deutscher Sprache das Hemd ausgezogen wurde und die jetzt zu hören bekommen, dass die Manager bei GM schuld sind. Die Krise und Wahlkampf - eine schlimme Kombination.
smokeonit 04.11.2009
4. richtig
richtige Entscheidung! nur unter GM hat Opel eine Chance zu überleben!
Philip Marlowe 04.11.2009
5. Die deutsche Politik
hat nur einmal mehr ihre Realitätsverweigerung bewiesen. Spätestens seit der de facto Verstaatlicheung von General Motors steht der Konzern nicht mehr finanziell mit dem Rücken zur Wand und der (Not-)Verkauf eines der produktivsten Unternehmensteile ist unternehmerischer Widersinn geworden. In Detroit konnte man sich beruhigt zurücklehnen und abwarten, wieviele Milliarden die Deutschen bis zur Bundestagswahl noch lockermachen. Und jetzt sagt man den Schwachsinn mit Magna und der quasi-staatlichen russischen Bank eben wieder ab. That's life...
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