Kreditversicherungen Griechen-Spekulanten machen Kasse

Sie galten als größte Gefahr bei einer Staatspleite Griechenlands: Kreditausfallversicherungen, mit denen sich Halter griechischer Staatsanleihen für genau diesen Fall abgesichert hatten. Jetzt steht fest, wie viel den Spekulanten ausgezahlt wurde: mehr als zwei Milliarden Euro.

Griechische Zentralbank: Spekulanten profitieren vom erzwungenen Schuldenschnitt
AP

Griechische Zentralbank: Spekulanten profitieren vom erzwungenen Schuldenschnitt


New York - Experten hatten vor einem zweiten Lehman-Szenario gewarnt: Sollte Griechenland pleitegehen, würden Credit Default Swaps (CDS) in unabsehbarem Umfang fällig. Mit diesen Kreditausfallsversicherungen hatten sich Spekulanten eingedeckt, die günstig griechische Staatsanleihen gekauft und darauf gewettet hatten, dass das Land bankrottgehen würde. Die Zahlungen, so die Befürchtung, könnten zahlreiche angeschlagene Finanzinstitute in Bedrängnis bringen.

Jetzt hat der US-Börsendienstleister DTCC, ein CDS-Zentralregister, bekanntgegeben, wie hoch die Kosten ausgefallen sind: Wegen des erzwungenen Schuldenschnitts haben Investoren insgesamt rund 2,2 Milliarden Euro ausgezahlt bekommen - deutlich weniger als befürchtet.

Die Zahlungen decken die Differenz zwischen dem Wert der neuen griechischen Papiere sowie dem Nennwert der alten Anleihen ab. Der größte Anleihetausch der Geschichte soll erheblich dazu beitragen, den griechischen Schuldenberg von derzeit 160 Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2020 auf 120 Prozent zu reduzieren.

Der Derivateverband ISDA hatte vor gut zwei Wochen entschieden, den griechischen Schuldenschnitt als Zahlungsausfall zu werten und deswegen alle Kreditversicherungen für griechische Anleihen fällig werden zu lassen. Die Bundesbank hatte die Entscheidung begrüßt - der Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret sagte damals: "Dass CDS-Kontrakte ausgelöst werden, hat aus Sicht der Finanzstabilität auch positive Aspekte." Die Bankenaufsicht habe nämlich durchaus ein Interesse daran, dass Institute ihre riskanten Bestände absicherten.

Mit dem Kauf von CDS können sich Investoren gegen den Ausfall von Staatsanleihen versichern - seit der Finanzkrise sind diese Absicherungsgeschäfte aber umstritten. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 folgte eine Kettenreaktion - damals hatten sich Anleger mit CDS in Höhe von mehr als 500 Milliarden Euro abgesichert. Weil es keine Registrierungspflicht für die Papiere gibt, sind die Risiken schwer einzuschätzen.

Im Fall Lehman Brothers war vor allem der US-Versicherer AIG betroffen - hätte die US-Regierung das Institut nicht gestützt, wäre AIG in die Pleite gerutscht, und mit ihm viele weitere Banken, die bei ihm versichert waren.

nck/Reuters/AFP

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