Verdächtige Spesen Japanische Behörden ermitteln gegen Deutsche Bank

Die Deutsche Bank ist offenbar ins Visier japanischer Aufsichtsbehörden geraten. Einem Agenturbericht zufolge wird gegen Angestellte der Bank ermittelt, die Pensionsfonds-Managern Produkte verkauften. Verdächtig machten sie sich durch ihre Spesenabrechnungen.

Deutsche Bank in Tokio: Verdächtige Spesenabrechnung
REUTERS

Deutsche Bank in Tokio: Verdächtige Spesenabrechnung


Tokio - Die Deutsche Bank ist wegen verdächtiger Spesenabrechnungen ins Visier der japanischen Aufsichtsbehörden geraten. Mehrere Insider sagten der Nachrichtenagentur Reuters, es werde ermittelt, ob Angestellte von Deutschlands größtem Geldhaus Pensionsfonds-Managern überzogene Unterhaltungsangebote gemacht hätten. Die Wertpapier- und Börsenaufsichtskommission SESC habe Hinweise auf Verstöße gegen Regulierungsvorschriften gefunden. Betroffen ist die Investmentbank-Sparte des Kreditinstituts in Tokio.

Die Details der möglichen Verfehlungen blieben zunächst unklar, etwa die Höhe der Spesen-Aufwendungen oder die Identität der Personen, die in den Fall verstrickt sind. Es gehe um etwa fünf Mitarbeiter, die Pensionsfonds Produkte verkauften, zitiert Reuters die Insider.

In Japan werden häufig hohe Summen für gutes Essen und Wein ausgegeben, um Geschäftskontakte zu vertiefen. Nach einigen Skandalen in der Vergangenheit soll nun härter durchgegriffen werden. Weil japanische Pensionsfonds-Manager als Staatsbedienstete gelten, unterliegen sie besonders strengen Anti-Korruptionsregeln - schließlich legen sie riesige Summen an, die für die Altersvorsorge vorgesehen sind.

Die Deutsche Bank und die SESC wollten sich nicht zur Sache äußern. Den Insidern zufolge hat das Finanzinstitut bereits seit längerem eine interne Untersuchung eingeleitet. Der Umgang mit Pensionsfonds-Managern sei bereits neu geregelt worden. Wie die Bank selbst auf den Fall reagiert, dürfte in den nächsten Wochen ausschlaggebend für das Urteil der Aufsichtsbehörde werden. Sie könnte die Deutsche Bank verpflichten, ihre sogenannten Compliance-Regeln zu Korruptionsbekämpfung zu verschärfen. Härtere Strafen sind ebenfalls denkbar.

Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs wird den Kreisen zufolge im Rahmen einer Untersuchung genau unter die Lupe genommen. Auch hier geht es um Ausgaben für Pensionsfonds-Manager. Goldman und die SESC wollten sich nicht äußern.

Korruptionsexperten wie Tomoki Debari warnen davor, Rechnungen für japanische Pensionsfonds-Manager zu übernehmen. "Meine Empfehlung wäre: nicht am selben Tisch abends speisen. Es sei denn, die Rechnung wird geteilt." Anders sei dies bei größeren Empfängen, bei denen es keine besondere Behandlung für einzelne Personen gebe.

Mehrere Skandale haben in Japan zu einer Veränderung der Praxis geführt. 1998 wurden Vertreter des Finanzministeriums verhaftet, weil sie Zuwendungen von Banken - meist teure Abendessen - angenommen hatten, die sie überwachten. Seitdem haben die Banken ihre internen Richtlinien verschärft. Zuletzt geriet der Tokioter Geldfonds AIJ Investment Advisors wegen Betrugsfällen in die Schlagzeilen und wurde schließlich geschlossen.

nck/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
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Alfons Emsig 09.09.2013
1. Anfängerfehler
Ein paar Juristen und Controller dort werden sich nun fragen lassen müssen, was sie den ganzen Tag eigentlich so machen.
Kauzboi 09.09.2013
2. Die Deutsche Bank mal wieder
Daheim kultiviert man das saubere Image, welches die Fingerzeiger auf ausländische Banken so gerne sehen wollen, aber weit, weit weg von zuhause fällt der Laden regelmässig mit Gesetzesbrüchen und moralischen Verfehlungen auf.
flowfreigeist 09.09.2013
3. Japanische Kultur
Das ist doch übliche Praxis in Japan. Keine üppigen Restaurantbesuche usw. keine Geschäftsabschlüsse. Solange nicht an Yakuza gezahlt wird, sehe ich da nichts verwehrliches. Aber möglicherweise will sich aktuell eine japanische Behörse auf Kosten der Deutschen Bank profilieren.
flowfreigeist 10.09.2013
4. Japanische Kultur
Das ist doch übliche Praxis in Japan. Keine üppigen Restaurantbesuche usw. keine Geschäftsabschlüsse. Solange nicht an Yakuza gezahlt wird, sehe ich da nichts verwehrliches. Aber möglicherweise will sich aktuell eine japanische Behörse auf Kosten der Deutschen Bank profilieren.
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