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25. Juli 2013, 13:48 Uhr

Medien-Deal

Funke kauft Springer-Zeitungen mit Springer-Geld

Für 920 Millionen Euro verkauft der Axel-Springer-Verlag seine Traditionsblätter "Hamburger Abendblatt", "Berliner Morgenpost" und "Hörzu" an die Funke Mediengruppe. Damit der Deal gelingen kann, leiht Springer dem Käufer sogar einen Teil des Kaufpreises.

Hamburg/Berlin/Essen - Springer-Vorstand Andreas Wiele wollte den Beschäftigten offenbar Mut machen: Man habe für sie ein "gutes neues Zuhause gefunden", sagte er bei der Mitarbeiterversammlung an diesem Donnerstag. Doch nicht alle Betroffenen sehen das so.

Der Verlag macht kurzen Prozess mit einigen seiner wichtigsten Traditionsblätter. "Berliner Morgenpost", "Hamburger Abendblatt", "Hörzu", "Bild der Frau" sowie einige weitere Programm- und Frauenzeitschriften werden an die Funke Mediengruppe verkauft, die bisher vor allem die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" herausgibt.

Wie dringend Springer seine einstigen Aushängeschilder loswerden will, zeigt eine Besonderheit des Geschäfts: Vom Kaufpreis, der insgesamt 920 Millionen Euro beträgt, werden nur 660 Millionen Euro direkt bei Vollzug fließen. Für den Rest gewährt Springer der Funke-Gruppe einen Kredit mit mehrjähriger Laufzeit. Auch bei Vermarktung und Vertrieb wollen die beiden Verlage künftig eng zusammenarbeiten und ein Gemeinschaftsunternehmen gründen.

In einer E-Mail an die Mitarbeiter, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, begründete Verlagschef Mathias Döpfner den Verkauf: "Wenn wir jetzt nicht handeln, müssten wir uns ernsthaft Sorgen machen."

Die Anleger sind offenbar begeistert von Springers Deal: Der Aktienkurs schoss am Donnerstagmorgen zeitweise um mehr als 15 Prozent nach oben.

Bei den Mitarbeitern der betroffenen Zeitungen kam das Geschäft dagegen weniger gut an: Bei der Versammlung in Hamburg habe es Buhrufe gegeben, berichten Teilnehmer. Der Betriebsrat habe sich beschwert, dass "Traditionsmarken verscheuert" würden.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bezeichnete die Entscheidung des Springer-Verlags als Einschnitt und warnte zugleich vor einem Arbeitsplatzabbau. Die Funke Mediengruppe habe vor allem mit harten Sanierungsschnitten bei ihren Regionaltiteln Aufmerksamkeit erregt, teilte der Bürgermeister mit. Auch der Deutsche Journalistenverband (DJV) fürchtet den Verlust von Jobs.

Bisher wurde nach Angaben der Unternehmen nur ein Vorvertrag unterzeichnet. Formell solle der Verkauf zum 1. Januar 2014 abgeschlossen werden. Zuvor müssen die Kartellbehörden noch zustimmen.

Das Bundeskartellamt kündigte bereits an, das Geschäft sorgfältig zu prüfen. "Wir werden uns das Zusammenschlussvorhaben genau ansehen müssen. Bislang liegt noch keine Anmeldung vor", sagte ein Sprecher.

"Die Entscheidung, uns von einigen der traditionsreichsten Marken des Hauses zu trennen, ist uns nicht leicht gefallen", erklärte Springer-Vorstandschef Döpfner. Ganz vom Zeitungsgeschäft trennen will sich der Verlag aber offenbar nicht. Die "Bild"- und die "Welt"-Gruppe bleiben laut Döpfner ein "unverzichtbarer Kern des Unternehmens".

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Artikels war das Zitat von Springer-Vorstand Andreas Wiele falsch wiedergegeben. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

stk/dpa/Reuters

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