Verkauf von Traditionsblättern Kartellrechtler sehen keine Probleme für Springer-Deal

Die Funke Mediengruppe aus Essen will ihr Imperium durch Zukäufe ausweiten: Zum Jahreswechsel soll sie mehrere Zeitungen und Zeitschriften vom Axel-Springer-Verlag übernehmen. Das Kartellamt prüft den Deal zwar noch, aber größere Hindernisse sind laut Experten nicht zu erwarten.
Springer-Titel: Ein großer Teil der Printsparte wird verkauft

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Foto: Marcus Brandt/ dpa

Hamburg - Der geplante Zeitungs- und Zeitschriftenverkauf des Springer-Verlags an die Funke Mediengruppe wird nach Ansicht von Experten nicht an wettbewerbsrechtlichen Problemen scheitern. "Da wird ein potenter Eigentümer gegen den anderen ausgewechselt", sagte Wernhard Möschel, emeritierter Rechtsprofessor an der Universität Tübingen SPIEGEL ONLINE. "Ich sehe nicht, wie das die wettbewerbsrechtliche Situation beeinflussen sollte."

Am Donnerstag hatte der Axel-Springer-Verlag angekündigt, seine Regionalzeitungen "Berliner Morgenpost" und "Hamburger Abendblatt" sowie diverse Frauen- und Fernsehzeitschriften an die Funke-Gruppe zu verkaufen - darunter "Hörzu" und "Bild der Frau".

Damit wächst das Imperium des Essener Verlags zwar, eine marktbeherrschende Stellung, die ein Veto der Kartellwächter nötig machen würde, sehen Experten aber nicht. Unter Wettbewerbsgesichtspunkten sei das sogar ein erfreulicher Vorgang, sagte Bernd Holznagel von der Universität Münster. "Es wird eher interessanter."

Das Bundeskartellamt hat bereits angekündigt, das Geschäft zu prüfen. "Wir werden uns das Zusammenschlussvorhaben genau ansehen müssen", sagte ein Sprecher.

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Foto: SPIEGEL ONLINE

Die Funke Mediengruppe besitzt bereits Zeitungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Thüringen - darunter die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", die "Thüringer Allgemeine" sowie die "Braunschweiger Zeitung". In Hamburg oder Berlin ist sie dagegen noch nicht vertreten. Bei den Zeitschriften ist der Wettbewerb laut Experten ohnehin so vielfältig, dass keine marktbeherrschende Stellung droht.

Lediglich ein Punkt an dem Deal könnte kartellrechtliche Schwierigkeiten bereiten: Springer und Funke wollen nach eigenen Angaben ein Gemeinschaftsunternehmen zur Vermarktung von Anzeigen und für den Vertrieb gründen. "Das könnte zum Problem werden", sagte der Rechtsexperte Möschel. "Da könnte der Wettbewerb zwischen den beiden Gruppen beschränkt werden."

Dass dieses Hindernis den Deal gefährdet, glaubt Möschel aber nicht. "Vielleicht ist das sogar ein Knochen, den die Unternehmen dem Kartellamt hinwerfen, damit es seine Zähne zeigen kann."

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