Bundesnetzagentur erteilt Zuschläge Staat zahlt 317 Millionen Euro für stillgelegte Kohlekraftwerke

Im Zuge des Kohleausstiegs gehen die ersten elf Kohlemeiler vom Netz. Der Staat zahlt Hunderte Millionen Euro als Entschädigung.
Das Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg

Das Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg

Foto: imago images / Jannis Große

Die ersten Kohlemeiler gehen vom Netz: Die Bundesnetzagentur hat die Stilllegungsprämien für elf Kraftwerksblöcke bekannt gegeben. Die Betreiber der Anlagen erhalten insgesamt rund 317 Millionen Euro. Sie dürfen ab dem 1. Januar 2021 keinen Strom aus diesen Anlagen mehr verkaufen.

Damit geht unter anderem das erst 2015 in Betrieb genommene Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg vom Netz. Der Betreiber Vattenfall erhält für die beiden Blöcke die Abschalt-Prämie.

Auch der größte deutsche Stromerzeuger RWE erhält den Zuschlag für zwei Steinkohlekraftwerke in Nordrhein-Westfalen. Die großen Steinkohleverstromer Uniper und Steag sind mit Geboten für Kraftwerke in NRW ebenfalls zum Zuge gekommen.

Viele Kohlekraftwerke lohnen sich nicht mehr

Deutschland will für den Klimaschutz bis spätestens 2038 alle Kohlekraftwerke stilllegen. Mit den Braunkohlebetreibern RWE und Leag wurden feste Abschaltdaten und Entschädigungssummen ausgehandelt. Für die Steinkohle, wo es viele verschiedene Kraftwerksbetreiber gibt, entschied man sich für das Ausschreibungsmodell. Die Betreiber, die die geringste Summe je vermiedener Tonne CO₂ fordern, erhalten dabei den Zuschlag für eine Entschädigung. Für viele Versorger lohnt sich der Betrieb solcher Anlagen nicht mehr.

Diese erste Ausschreibung von vier Gigawatt sei deutlich überzeichnet gewesen, teilte die Bonner Behörde mit. Der durchschnittliche Zuschlagswert liege bei 66.259 Euro pro Megawatt. In den kommenden Jahren gibt es weitere Ausschreibungen.

»Obwohl das Kraftwerk (...) eines der modernsten in Deutschland ist, entspricht die frühzeitige Stilllegung sowohl den Plänen der deutschen Bundesregierung, die Emissionen aus der Kohleverstromung zu reduzieren, als auch der Strategie von Vattenfall, innerhalb einer Generation ein Leben ohne fossile Brennstoffe zu ermöglichen«, sagte Vattenfall-Chefin Anna Borg. 

Vattenfall hat rund 2,8 Milliarden in Moorburg investiert

Ralf Schmidt-Pleschka, Koordinator Energie- und Klimapolitik des Ökostromversorgers LichtBlick sagte: »Heute ist ein guter Tag für das Klima. Denn mit dem Moorburg-Aus wird eine der größten industrie- und klimapolitischen Fehlinvestitionen in der Geschichte Hamburgs korrigiert«. Es sei jedoch skandalös, dass nun die Steuerzahler Hunderte Millionen dafür zahlen müssten, um diesen »kapitalen Fehler des Konzerns Vattenfall und der Hamburger Politik auszugleichen.«

Gegen das Steinkohlekraftwerk im Hamburger Hafen laufen Umweltschützer seit Jahren Sturm. Die Anlage mit einer Leistung von 1,6 Gigawatt ist das größte Kraftwerk in Norddeutschland. Vattenfall hat hier rund 2,8 Milliarden Euro investiert.

Die Gebotsfrist für die nächste Auktion ist der 4. Januar 2021, weitere Ausschreibungsrunden sollen folgen – mit absinkender Kompensation. Insgesamt soll das Verfahren laut Netzagentur bis 2027 laufen und die Betreiber zur Abschaltung von Kohleanlagen aus eigenem Antrieb bewegen. Sollten sich zu wenige Bieter beteiligen, kann die Bundesbehörde anschließend Steinkohlekraftwerke ordnungsrechtlich stilllegen. Entschädigungen gibt es dann nicht mehr.

caw/dpa/Reuters
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