Razzia wegen Betrugsverdacht Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Deutsche-Bank-Chef Fitschen

Die Ermittlungen zum Umsatzsteuerbetrug bei der Deutschen Bank richten sich auch gegen Konzernchef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause. Die beiden Manager der Bank sollen die fragwürdige Steuererklärung aus dem Jahr 2009 unterzeichnet haben.
Bankmanager Fitschen: Razzia in der Konzernzentrale

Bankmanager Fitschen: Razzia in der Konzernzentrale

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Die aktuellen Ermittlungen gegen die Deutsche Bank wegen des Verdachts auf Hinterziehung der Umsatzsteuer richten sich nicht nur gegen einfache Mitarbeiter, sondern auch gegen Vorstandsmitglieder. Wie die Deutsche Bank selbst nach einer Razzia in der Konzernzentrale mitteilte, habe die Staatsanwaltschaft auch Ermittlungen gegen die beiden Vorstandsmitglieder Jürgen Fitschen und Stefan Krause aufgenommen, weil sie die Umsatzsteuererklärung 2009 der Bank unterschrieben haben.

Weiter heißt es, "diese Erklärung hat die Bank bereits vor längerer Zeit freiwillig korrigiert. Anders als die Staatsanwaltschaft vertritt die Deutsche Bank die Auffassung, dass diese Korrektur rechtzeitig erfolgte." Die Deutsche Bank kooperiere "weiter vollumfänglich" mit den Behörden.

Am Mittwochmorgen hatte eine groß angelegte Razzia stattgefunden: Rund 500 Beamte von Bundeskriminalamt, Steuerfahndung und Bundespolizei durchsuchten Geschäftsräume der Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt und zahlreiche weitere Wohnungen und Geschäftsräume, unter anderem in Berlin und Düsseldorf.

Gegen fünf Mitarbeiter der Deutschen Bank ist der hessischen Generalstaatsanwaltschaft zufolge wegen des Verdachts auf Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung Haftbefehl erlassen worden. Schon im Frühjahr 2010 hatte es deshalb Durchsuchungen bei der Deutschen Bank gegeben - allerdings war das Geldinstitut gewarnt worden.

Verdacht auf Hinterziehung von Hunderten Millionen Euro Steuern

Jetzt werde gegen insgesamt 25 Mitarbeiter der Bank wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchten Strafvereitelung ermittelt, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Es bestehe der Verdacht, dass den Ermittlungsbehörden von Mitarbeitern der Bank Beweismittel vorenthalten wurden.

Im Dezember 2011 hatte das Landgericht Frankfurt sechs Männer zu Haftstrafen verurteilt. Sie hatten weitgehend gestanden, über einen Handel mit Luftverschmutzungsrechten über europäische Grenzen hinweg mindestens 230 Millionen Euro Umsatzsteuer hinterzogen zu haben. Da die Geschäfte über die Deutsche Bank abgewickelt wurden, musste sie sich in dem Prozess vorhalten lassen, den grenzüberschreitenden CO2-Zertifikatehandel erst so richtig in Schwung gebracht zu haben.

In Gang gekommen waren die Ermittlungen schon bei einer Razzia gegen mutmaßliche Umsatzsteuerbetrüger in mehreren europäischen Ländern im April 2010. Bereits damals waren Angestellte der Deutschen Bank in Verdacht geraten, Umsatzsteuerbetrug mit den Luftverschmutzungsrechten begangen zu haben. Die Händler sollen mit einer internationalen Bande kooperiert haben, die den deutschen Fiskus beim Handel mit den CO2-Zertifikaten um Hunderte Millionen Euro geschädigt hat. Über Umsatzsteuerkarusselle kassierten zahlreiche Firmen zu Unrecht Steuererstattungen.

nck/dpa/Reuters