Bad Kreuznach Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mutmaßliche Wein-Betrüger

Eine rheinhessische Kellerei hat ihren Kunden offenbar keinen reinen Wein eingeschenkt - sondern gepanschte Ware verkauft. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Weinlese in Rheinhessen
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Weinlese in Rheinhessen


Annähernd eine Million Liter Wein soll eine rheinhessische Kellerei vermischt und anschließend als Weine aus Einzellagen und reinen Rebsorten verkauft haben. Die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach ermittelt deshalb wegen des Verdachts des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs und der Irreführung nach dem Wein- und Ökolandbaugesetz.

In der Kellerei sollen laut Staatsanwaltschaft Weine auf drei unterschiedliche Weisen ordnungswidrig verschnitten worden sein: Weine aus verschiedenen Anbaugebieten, in verschiedenen Qualitätsstufen und in Bio- und Nicht-Bio-Qualität sollen zunächst vermischt, hinterher aber als sortenrein oder als Wein aus einem bestimmten Anbaugebiet vermarktet worden sein.

Im Handel wurde Ramschware verkauft

Die Ermittlungen waren laut Staatsanwaltschaft bereits Ende 2018 aufgenommen worden, nachdem die Kellerei bei einer Kontrolle aufgefallen war. Der Staatsanwaltschaft zufolge soll sie sogenannte Übermengen, die eigentlich nur noch zu Industriealkohol hätten verarbeitet werden dürfen, in den Verkauf gegeben haben. Dieser Vorwurf spielt nach Angaben der Behörde angesichts der Hinweise auf weitere Gesetzesverstöße nun nur noch eine untergeordnete Rolle.

Ermittelt werde gegen neun Personen, unter ihnen zwei Winzer und der damalige Geschäftsführer der Kellerei, sagte Michael Brandt, Leiter der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach.

hej/dpa-AFX



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joweis63 17.07.2019
1. Rückfall in die 80-iger
Wer erinnert sich noch an den Weinskandal der 80-iger Jahre? Damals waren liebliche Weine in, heute nicht mehr vorstellbar. Weil nicht jeder Sommer die entsprechende Zuckermenge in die Trauben transportierte und auch die Edelfäule im Herbst nicht stattfand haben kriminelle Winzer ihren Wein mit Glykol gestreckt. Als Ergebnis wurden manche Lagen vom Verbraucher über viele Jahre konsequent gemieden. Dies scheint jetzt wieder der Fall zu sein. Gerade als sich Wein aus Rheinhessen als sehr gut etablierte. Wie traurig
juba39 17.07.2019
2. Ist doch nur ein Remark!
In den 80ern gab es doch einen viel brissanteren Fall. Da ich ein betroffenes Familienmitglied habe, bin da tief in der Materie. Da wurde Wein aus Österreich mit Glycol, zu Deutsch Frostschutzmittel, versetzt und in Österreich Deutschland West und Ost verkauft. In der DDR wurde das natürlich unter den Tisch gekehrt, da war jede Klage sinnlos. Allerdings sah die Aufklärung auf der anderen Seite nicht viel besser aus. Der ausgemachte Schuldige konnte sogar kurze Zeit später in Berlin/West Senator werden. (https://de.wikipedia.org/wiki/Elmar_Pieroth). Da ging es also nicht um ein harmloses Panschen verschiedener Weinsorten. Eine Glycolvergiftung kann durchaus auch tödlich verlaufen.Man darf jetzt einfach mal gespannt sein, ob ein Finazdelikt (Verdacht des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs und der Irreführung nach dem Wein- und Ökolandbaugesetz.) härter bestraft wird, als ein Angriff auf Leben und Gesundheit.
freddygrant 17.07.2019
3. Wenn es wirklich ...
... nur um weniger als eine Million Flaschen Wein ginge, könnte man sagen, das sind "Peanuts". Natürlich muss der hier genannte Verstoß geandet werden. Aber wenn dieses "Geographie- und Sortencouvée" halbwegs trinkbar und nicht toxisch war, kann man es mit einem Bussgeld bewenden lassen. Es gibt Schlimmeres! Die Wein- Weinwirtschaftsgesetze sind ohnehin eher politisch bedingt, als zum Genuß und Nutzen von Erzeuger und Verbraucher erlassen worden.
capote 17.07.2019
4. Chaoten
Hört sich für mich eher nach Chaoten an, die nicht wissen, was in welchem Tank was ist und es geht alles drunter und drüber. Man füllt Flaschen mit irgend etwas, so wie die Bestellungen rein kommen. Wenn ich das nur schon lese: Übermengen hätten eigentlich im staatliche Branntweinmonopol verwertet werden müssen. Alles überreguliert, aber man darf den Restzuckergehalt nicht auf die Flasche schreiben. Wir wissen aus der Vergangenheit, die Masser der Verbraucher kann wegen der Farbe gerade noch Rot- und Weisswein auseinander halten. An den oben erwähnten Skandalweinhändler aus den 80er Jahren kann ich mich auch noch erinnern. Bei Freunden meiner Eltern gab es den Wein, der kratzte im Hals vor lauter Schwefel und am Tag danach hatte man einen Bummskopf. Ich habe mich immer den ganzen Abend an einem Glas Wein festgehalten, in der Hoffnung, dass das gut geht. Hat damals ausser mir wohl kaum einer gemerkt, sonst wäre der nicht so erfolgreich gewesen. Andererseits muss ich sagen, dass die Masse des Weines heute so auf Main-Stream getrimmt ist, dass man da kaum noch Unterschiede schmeckt, jedenfalls bei einfacherem Konsumwein, da muss man dann auch kein Geschiss mehr um Lagen machen.
der-junge-scharwenka 17.07.2019
5. @2, Juba39
Ohne dass ich hier den Reinwäscher geben möchte: Elmar Pieroth war gerade NICHT der "ausgemachte Schuldige". Richtig ist, dass ein von ihm gegründetes Unternehmen den sogenannten Glykolskandal ausgelöst hat. Richtig ist aber auch, dass Elmar Pieroth dieses Unternehmen zu dieser Zeit bereits seit eineinhalb Jahrzehnten nicht mehr leitete und ausgiebige Untersuchungen KEINE Beteiligung Elmar Pieroths beweisen konnten. So war das damals, und genau so steht es auch in dem von Ihnen zitierten Wikipedia-Artikel, der also Ihrer Behauptung explizit widerspricht. Eine andere Frage ist, ob Sie dem Ermittlungsergebnis glauben wollen. Das ist Ihre persönliche Entscheidung, die Ihnen keiner nehmen will. Nur tun Sie bitte nicht so, dass das, was Sie glauben, die alleinige Wahrheit wäre.
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