Gewerbsmäßiger Betrug Staatsanwaltschaft klagt Ex-Teldafax-Vorstände an

Die Staatsanwaltschaft Bonn hat wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Insolvenzverschleppung Anklage gegen die drei Ex-Vorstandschefs des insolventen Billigstromanbieters Teldafax erhoben - ihnen drohen hohe Haftstrafen. Das Insolvenzverfahren gilt als das größte der deutschen Wirtschaftsgeschichte.
Teldafax-Zentrale in Troisdorf: Anklage wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung

Teldafax-Zentrale in Troisdorf: Anklage wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung

Foto: Oliver Berg/ dpa

Bonn - Das Insolvenzverfahren gegen den zusammengebrochenen Billigstromanbieter Teldafax gilt - gemessen an der Zahl der bis zu 700.000 Gläubiger - als das größte der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Den früheren Verantwortlichen drohen jetzt hohe Haftstrafen. Die Staatsanwaltschaft Bonn hat Anklage gegen die Ex-Vorstandschefs Michael Josten, Klaus Bath und Gernot Koch erhoben, wie die Behörde am Freitag mitteilte. Die Staatsanwaltschaft bestätigte damit einen Bericht des "Handelsblatt".

Den beiden Ex-Vorstandschefs Klaus Bath und Gernot Koch sowie Firmengründer Michael Josten werde Insolvenzverschleppung und gewerbsmäßiger Betrug in 241 Fällen vorgeworfen, hieß es. Die Teldafax Holding war nach den Erkenntnissen der Ermittler spätestens Mitte 2009 zahlungsunfähig und überschuldet. Der Energiediscounter hatte aber erst im Juni 2011 Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Im September desselben Jahres wurde vom Amtsgericht Bonn das Insolvenzverfahren eröffnet.

Josten war Vorstandsvorsitzender von 2004 bis 2007, Bath Vorstandsvorsitzender von 2007 bis 2011 und Koch Vorstandsvorsitzender in den letzten drei Wochen vor dem Insolvenzantrag im Juni 2011. Zu Details wollte sich die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern, es seien weitere Verfahren möglich, schreibt das "Handelsblatt". Kenner des Verfahrens rechnen dem Bericht zufolge mit Haftstrafen von fünf bis zehn Jahren.

Der Insolvenzverwalter Biner Bähr fand bei seiner Ankunft Berge ungeöffneter Post. Das Callcenter war zusammengebrochen, die massenhaften Beschwerden und Mahnungen türmten sich in den Fluren, schreibt die Zeitung. Täglich seien laut Bähr 20 bis 40 Postkisten hinzugekommen.

Für die Verantwortlichen des Chaos wird es nun eng. Die Staatsanwaltschaft kann ihre Anklage auf Beweise stützen. In internen Unterlagen stellten die Beschuldigten bereits zwei Jahre vor dem Crash die Überschuldung des Unternehmens fest. Das Handelsblatt zitiert aus einem Brief des Teldafax-Vorstands vom 9. Juli 2009 an den Aufsichtsrat: "In der Kalenderwoche 25 wurde der Tatbestand der Zahlungsunfähigkeit festgestellt." Statt aber Insolvenz zu beantragen, hielt der Vorstand die Firma noch zwei Jahre in Gang.

nck/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.