Staatslotterie Spanien will "den Dicken" verkaufen

Sie ist ein spanisches Kulturgut: die Weihnachtslotterie "der Dicke" , organisiert von der staatlichen Lottogesellschaft. Nun will die Regierung das Unternehmen offenbar privatisieren - und den weltweit größten Glücksspielkonzern schaffen.

Gewinnerinnen von "El Gordo": Die Lotterie ist Volkssport
AFP

Gewinnerinnen von "El Gordo": Die Lotterie ist Volkssport


London - Sie gehört fast so sehr zu Spanien wie Stierkampf und Flamenco: die staatliche Lotteriegesellschaft Loterías y Apuestas del Estado. Jedes Jahr organisiert sie "El Gordo", eine äußerst populäre Weihnachtslotterie, die allein im vergangenen Jahr Preise im Gesamtwert von 2,3 Milliarden Euro auszahlte. Doch einem Bericht der "Financial Times" ("FT") zufolge will sich der Staat nun von dem Traditionsunternehmen trennen. Die Lotterie solle privatisiert und zu 30 Prozent an die Börse gebracht werden, berichtet die Zeitung.

Mit dem Börsengang entstünde dem Bericht zufolge der weltweit größte Glücksspielkonzern. Die Lotterie würde sogar den US-Konzern Las Vegas Sands überholen. Dieser machte kürzlich Schlagzeilen mit dem Plan, in Spanien eine Kopie des US-Spielerparadieses zu errichten.

Lottospielen ist in Spanien Volkssport. Laut "FT" gab 2009 jeder Spanier im Durchschnitt 210 Euro für Lotterielose aus, was Einnahmen von insgesamt 9,8 Milliarden Euro ergeben habe. Allein die Staatslotterie machte einen Nettogewinn von fast drei Milliarden Euro, von dem 2,92 Milliarden an den spanischen Staat flossen.

Neben Griechenland und Portugal steht Spanien derzeit in der Schuldenkrise besonders unter Druck. Zwar liegt die spanische Staatsverschuldung deutlich unter der anderer Euro-Staaten, inklusive Deutschland. Doch eine geplatzte Immobilienblase und hohe Arbeitslosigkeit machen dem Land zu schaffen.

Die Regierung von Premierminister José Luis Rodríguez Zapatero hat dem Land einen strikten Sparkurs auferlegt. Seit der vergangenen Woche protestieren landesweit Zehntausende vor allem jugendliche Spanier gegen die desolate Lage und das aus ihrer Sicht verkrustete politische System. Zapateros Sozialisten mussten bei der Kommunalwahl am Samstag eine herbe Niederlage einstecken.

dab

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Over the Fence, 25.05.2011
1. Weg aus der Wirtschaftskrise?
Zitat von sysopSie ist ein spanisches Kulturgut:*Die Weihnachtslotterie "der Dicke" , organisiert von der staatlichen Lottogesellschaft. Nun will die Regierung das Unternehmen privatisieren - und den*größte*Glücksspielkonzern schaffen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,764796,00.html
Ich hoffe die Spanier haben noch andere Mittel aus der Wirtschaftskrise zu kommen, als den Lotteriebetrieb. Lotterien dürften wohl kaum für besonderes Wirtschaftswachstum sorgen im Land sorgen.
fritz1949, 25.05.2011
2. :-)
Zitat von sysopSie ist ein spanisches Kulturgut:*Die Weihnachtslotterie "der Dicke" , organisiert von der staatlichen Lottogesellschaft. Nun will die Regierung das Unternehmen privatisieren - und den*größte*Glücksspielkonzern schaffen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,764796,00.html
Is' klar, wenn man sparen muss verscherbelt man als erstes seine Einnahmequellen.
idealist100 25.05.2011
3. Richtig
Zitat von fritz1949Is' klar, wenn man sparen muss verscherbelt man als erstes seine Einnahmequellen.
es fehlt nur noch der Nachsatz " für nen appel und en ei"
avollmer 25.05.2011
4. Wie wäre es ...
... wenn die deutsche Regierung, sprich der Bund, die zu privatisierenden Staatsbetriebe der notleidenden Staaten kauft und mit den übernommenen Schulden bezahlt? Würde uns erst mal nichts kosten, Erträge ermöglichen und man könnte den Grundstock für eine kapitalgedeckte Altersversorgung ansparen, eine Staatsholding, die schlussendlich dem Rentenfond gehören wird. Zusätzlich ließe dies die Option offen, dass diese Staaten bei Rückkehr der Liquidität auch zurückkaufen können oder sich an dieser Holding beteiligen. Vielleicht gehören dann irgendwann große Teile der europäischen Infrastruktur einer gemeinsamen Staatsholding, die dann Synergieeffekte ausnutzen kann und bei dieser Größe auch eigene Forschung und Fortentwicklung professioneller betreiben kann, über Kapazitäten zur Soforthilfe im Katastrophenfall verfügt und mit der pauschalen Ausschreibung von Werkleistungskontingenten Flexibilität gewinnt. Wir würden Mautpauschalen für Straßenklassen einmalig zahlen und europaweit fahren können, Stromnetze wären europaweit bis hin nach Nordafrika mit Hochlastgleichspannungsnetzen erweiterbar, Bahn, Lotterien. Die ganzen alten Staatsmonopole wären in einem Giganten gebündelt, der als träge und stabile Masse auch die Wirtschaft stabilisieren kann, den Boom dämpfen und Rezessionen verhindern allein durch eigene antizyklische Investitionen und Auftragsvergabe. Eine Einbindung in die staatliche Altersversorgung würde fast alle Bürger zu Nutznießern machen und ermöglichen über entsprechende Wahlgremien eine demokratische Kontrolle sicherzustellen. Da man die eigene Rente nicht weiterverkaufen oder vererben kann, wären Missbrauch und persönliche Bereicherung weitgehend ausgeschlossen. Eine Investition von deutscher Seite in der aktuellen Situation wäre ein Einstieg in diese Entwicklung.
Alf.Edel 25.05.2011
5. Einnahmequellen...
Zitat von fritz1949Is' klar, wenn man sparen muss verscherbelt man als erstes seine Einnahmequellen.
Was soll der spanische Staat sonst verkaufen? Seine Beamten?
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