Machtkampf bei Thyssenkrupp "Eine Zerschlagung des Konzerns ist kein Thema"

Unruhe bei Thyssenkrupp: Ein Großaktionär fordert die Abspaltung profitabler Segmente wie des Aufzugsbaus. Management und Aufsichtsrat protestieren vehement - und werfen dem Investor vor, den Konzern zu schädigen.

Stahlarbeiter bei Thyssenkrupp (Archiv)
DPA

Stahlarbeiter bei Thyssenkrupp (Archiv)


Der Stahlkonzern Thyssenkrupp ist eine deutsche Industrielegende - aber um die Zukunft des Unternehmens ist heftiger Streit ausgebrochen. Auf der einen Seite machen die Gewerkschaften in Deutschland gerade Front gegen die geplante Fusion des Stahlproduzenten mit der europäischen Stahlsparte des indischen Tata-Konzerns. Mit dem Partner soll Thyssenkrupp zukunftssicher sein, hofft das Management.

Zugleich gibt es aber Unruhe unter den Investoren: Der Finanzinvestor Cevian hatte Ende November sogar eine Zerschlagung von Thyssenkrupp gefordert: Die Einzelteile des Thyssenkrupp-Konglomerats seien mehr wert als der Gesamtkonzern, so Cevian-Gründer Lars Förberg. Das Management um Vorstandschef Heinrich Hiesinger hingegen will die Sparten wie den erfolgreichen Aufzugsbau unbedingt im Konzern behalten.

Cevian ist nach der Krupp-Stiftung mit 15 Prozent der zweitgrößte Aktionär von Thyssenkrupp. Nun hat allerdings Thyssenkrupp-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner gegen den Investor Cevian Position bezogen. "Eine Zerschlagung des Konzerns ist überhaupt kein Thema", sagte Lehner dem "Handelsblatt". Der Gründer des Finanzinvestors Cevian, Lars Förberg, hatte sich zuvor dafür ausgesprochen. Cevian kommt der Umbau des Essener Industriekonzerns nicht schnell genug voran. Die Strategie habe "nicht das geliefert, was man versprochen hat".

Lehner verweist dabei auf eine Analyse des Aufsichtsrates aus dem Jahr 2014: "Das Ergebnis war, dass die einzelnen Bereiche zukunftsfähig und unter der Dachmarke Thyssen-Krupp synergiestiftend und damit stärker sind". Lediglich beim Stahl habe es Handlungsbedarf gegeben. Dieses Problem werde mit der geplanten Fusion der Sparte mit Tata Steel Europe angegangen.

Aufsichtsratschef Lehner geht Cevian-Chef Förberg scharf an: "Wenn sich ein Aktionär in der Art und Weise öffentlich positioniert, dann schadet das dem Unternehmen." Er hätte sich gewünscht, offen und konstruktiv miteinander zu reden - zum Wohle des Unternehmens.

Für Dienstag ist ein Gespräch von Cevian-Vertretern und Konzernchef Hiesinger geplant.



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