Standard & Poor's Rating-Gigant droht deutschen Banken

Standard & Poor's legt nach, jetzt nimmt die Rating-Agentur auch Europas Finanzbranche ins Visier. Mehrere Banken stehen ab sofort unter verschärfter Beobachtung, dazu zählt auch die Deutsche Bank. Zuletzt hatte S&P Deutschland und anderen Euro-Staaten den Entzug ihrer Top-Note angedroht.

Finanzplatz Frankfurt: Im Visier von S&P
DPA

Finanzplatz Frankfurt: Im Visier von S&P


London/Frankfurt am Main - Nach Europas Staaten knöpft sich die US-Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) jetzt Europas Finanzkonzerne vor. In einem Rundumschlag stellte S&P am späten Mittwochabend etliche große Kreditinstitute unter verschärfte Beobachtung ("CreditWatch"), darunter auch die Deutsche Bank Chart zeigen und die Commerzbank Chart zeigen. Die Einstufung bedeutet eine höhere Dringlichkeit der Überprüfung. Weitere Banken sollen folgen. Ihnen droht damit genauso wie ihren Heimatländern eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit, was wiederum die Refinanzierung erschweren würde.

Der Schritt ist die logische Folge aus der Ankündigung von S&P vom Montag, die Rating-Einstufung von 15 Euroländern wegen der schwelenden Schuldenkrise zu überprüfen. Deutschland oder auch Frankreich könnten dabei ihre Topbonität von "AAA" verlieren. Entscheidend ist nun der Ausgang des EU-Gipfels am Donnerstag und Freitag, wo Lösungen für die Schuldenkrise gefunden werden sollen. Die Deutsche Bank war bereits zuvor ins Visier der Bonitätsprüfer geraten. Ende November hatte S&P zahlreiche US-Banken herabgestuft. Dabei wurde auch der Ausblick des größten deutschen Geldkonzerns von "stabil" auf "negativ" korrigiert.

S&P erhöhte den Druck auf Europas Politiker am Mittwoch noch zusätzlich durch die Warnung, möglicherweise auch die sehr gute Kreditwürdigkeit ("AAA") der Europäischen Union um eine Stufe abzusenken. S&P hat nun 90 Tage Zeit, eine Entscheidung zu fällen. Ein gutes Rating ist die Voraussetzung dafür, dass sich Staaten oder auch Firmen zu günstigen Konditionen frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen können.

Bereits am Mittwochmittag war bekannt geworden, dass S&P die Bonität der staatlichen deutschen Förderbank KfW unter verschärfte Beobachtung gestellt hat. Damit ist das Top-Rating "AAA" der KfW bedroht, wie aus einer S&P-Mitteilung hervorgeht. Die Agentur begründete ihre Aktion mit der "kritischen Rolle" der Förderbank angesichts ihres öffentlichen Auftrags. Zudem verweist S&P auf die enge Verzahnung der KfW mit dem deutschen Staat.

Debatte über Rolle der Rating-Konzerne entbrannt

Nach dem S&P-Rundumschlag gegen Staaten der Euro-Zone hat die Debatte über die Rolle der Rating-Agenturen in der schwelenden Schuldenkrise Fahrt aufgenommen. Kritisiert wird vor allem der Zeitpunkt der Mitteilung wenige Tage vor einem neuen Gipfel zur Euro-Rettung. Im Gegensatz zu früheren Ankündigungen von S&P, Moody's oder Fitch reagierten die Märkte relativ unaufgeregt. S&P-Europa-Chefanalyst Moritz Kraemer sagte, entscheidend für die weitere Entwicklung der Ratings sei, dass das kommende Treffen der Staats- und Regierungschef der EU "glaubwürdige und solide Lösungen" bringe.

Zunehmend lauter werden jetzt die Rufe nach einer unabhängigen europäischen Konkurrenz zu den US-amerikanisch geprägten Noten-Verteilern. Diese Agenturen seien in der Euro-Schuldenkrise "nicht nur ein neutrales Fieberthermometer, sondern sie treiben das Fieber mit nach oben", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Gerd Billen, der Nachrichtenagentur dpa. Dies führe dazu, "dass demokratisch legitimierte Staaten von der Finanzindustrie vor sich hergetrieben werden".

Billen forderte daher eine europäische Alternative zu den drei großen Anbietern S&P, Moody's und Fitch. Eine Konkurrenz, "die unabhängig ist und verantwortlich handelt". Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker macht sich ebenfalls für eine solche europäische Rating-Agentur nach dem Vorbild der deutschen Stiftung Warentest stark. "Ich finde einen gewissen Gefallen am Gedanken, eine europäische Rating-Agentur architektonisch an den Bestandteilen der deutschen Stiftung Warentest anzulehnen", sagte Juncker dem "Luxemburger Wort". Er plädiere seit Jahren dafür, das Monopol der US-Agenturen zu brechen.

Konkret arbeitet derzeit die Unternehmensberatung Roland Berger aus eigener Initiative an einem Agentur-Modell, das als privat finanzierte Stiftung organisiert werden soll. "Die Gespräche für ein Konsortium laufen", sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Als Starttermin sei Ende März 2012 angepeilt. Träger sollen nach früheren Angaben rund 30 große europäische Finanzdienstleister sein, darunter Banken, Börsen und Fondsgesellschaften.

Die gewinnorientierten Rating-Agenturen stehen seit der Finanzkrise 2008 in der Kritik, weil sie riskante Wertpapiere, in denen zum Beispiel faule Immobilienkredite gebündelt waren, teilweise mit Bestnoten bewertet hatten. In der Schuldenkrise basieren die Benotungen einzelner Länder oder Banken häufig auf schon bekannten Daten, lösen aber zum Veröffentlichungszeitpunkt an den Märkten erneute Verunsicherung aus. Zudem hatte bei S&P vor einigen Wochen eine Computerpanne für Verwirrung gesorgt, durch die Frankreich irrtümlich herabgestuft wurde.

suc/dpa

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Seite 1
günter1934 07.12.2011
1. ganz einfach
Zitat von sysopStandard & Poor's legt nach, jetzt nimmt die Rating-Agentur auch Europas Finanzbranche ins Visier. Mehreren Banken droht die Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit, darunter auch die Deutsche Bank. Zuletzt hatte S&P Deutschland und anderen Euro-Staaten den Entzug ihrer Topnote angedroht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,802384,00.html
Ich würde mal ganz einfach sagen, wenn die Rating-Agenturen den europäischen Staaten und Banken *nicht* mit Abstufung drohen würden, wären sie für mich unglaubwürdig!
krillchen 07.12.2011
2. Giganten & Riesen
Zitat von sysopStandard & Poor's legt nach, jetzt nimmt die Rating-Agentur auch Europas Finanzbranche ins Visier. Mehreren Banken droht die Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit, darunter auch die Deutsche Bank. Zuletzt hatte S&P Deutschland und anderen Euro-Staaten den Entzug ihrer Topnote angedroht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,802384,00.html
Liebes Spiegel-team, ich lese immer nur von Riesen und Giganten wenn es um die Ratingagenturen geht. Ich wuesste nichts auf was diese staendige Ueberhoehung basieren koennte als reisserischen Journalismus! Bitte lasst euch doch mal ne neue Umschreibung einfallen - es langweilt und nervt
Schleswig 07.12.2011
3. xxx
Zitat von sysopStandard & Poor's legt nach, jetzt nimmt die Rating-Agentur auch Europas Finanzbranche ins Visier. Mehreren Banken droht die Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit, darunter auch die Deutsche Bank. Zuletzt hatte S&P Deutschland und anderen Euro-Staaten den Entzug ihrer Topnote angedroht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,802384,00.html
Buhhhhh. Jetzt haben wir aber uns richtig gefürchtet. Die Standard & Poor's sollten uns einfach mal können. Die sind einfach nur peinlich mit ihrer Strategie.
kupidon 07.12.2011
4. Naja...
man hat das Gefühl, dass diese Ratingagentur alles versucht um dem Euro zu schaden. Solange S&P USA top Bewertung gibt, ist ihre "Meinung" keine müden cent wert.
CHANGE-WECHSEL 07.12.2011
5. Warum Wahlen?
Zitat von sysopStandard & Poor's legt nach, jetzt nimmt die Rating-Agentur auch Europas Finanzbranche ins Visier. Mehreren Banken droht die Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit, darunter auch die Deutsche Bank. Zuletzt hatte S&P Deutschland und anderen Euro-Staaten den Entzug ihrer Topnote angedroht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,802384,00.html
Warum gibt es eigentlich noch Wahlen, wenn ganz andere Institutionen die Politik, Wirtschaft und Finanzen eines Staates bestimmen? Die USA gehören von jeglichem Welthandel ausgeschlossen. Die Welt wäre dann friedlicher, ehrlicher und demokratischer.
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