Standard & Poor's Rating-Riese droht Deutscher Bank mit Abstufung

Standard & Poor's holt zum Rundumschlag aus: Die Rating-Agentur hat die Kreditwürdigkeit von 15 Großbanken herabgestuft, vor allem in den USA. Die Kreditinstitute in der Bundesrepublik behalten vorerst ihre Bonitätsnoten. Doch den Ausblick für die Deutsche Bank senkte S&P.
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Herabstufung wahrscheinlicher geworden

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Herabstufung wahrscheinlicher geworden

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

New York - Für viele US-Großbanken wird es teurer, an frisches Kapital zu kommen: Standard & Poor's hat die Bonität der größten amerikanischen Kreditinstitute um eine Note herabgestuft. DieRating-Agentur begründete ihren Rundumschlag damit, dass sie bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit nun stärkeres Gewicht auf die Krisenfestigkeit der Banken lege. Insgesamt müssen nun 20 von 37 internationalen Großbanken mit einer niedrigeren Bonität zurechtkommen - und auch die Deutsche Bank muss sich auf dieses Szenario einstellen.

Bei den amerikanischen Geldhäusern traf es alle großen Namen. S&P senkte kurz nach US-Börsenschluss am Dienstagabend die Bewertung von Citigroup  , Bank of America  , Goldman Sachs  , Morgan Stanley   und JP Morgan Chase   jeweils um eine Stufe. Für sie dürfte es nun teurer werden, sich an den Märkten zu finanzieren - denn Investoren lassen sich ein höheres Risiko, dass sie ihr Geld verlieren könnten, mit höheren Zinsen bezahlen.

Die Deutsche Bank   blieb zwar vorerst von einer Herabstufung verschont - aber das könnte sich womöglich bald ändern: S&P senkte den Ausblick für das größte deutsche Geldhaus von "stabil" auf "negativ". Das bedeutet, dass in der Zukunft der Entzug der bislang guten A+-Note droht. Die Commerzbank   lebt bereits mit dem Makel eines negativen Ausblicks, S&P hielt die Bewertung hier aber stabil bei einem befriedigenden A.

Französische Großbanken behalten ihre Bonität

Im Gegensatz zu den deutschen Instituten mussten auch die schweizerische UBS sowie die britischen Branchenvertreter HSBC  , Royal Bank of Scotland   und Barclays   eine Herabstufung hinnehmen. Die französischen Banken Société Générale   und BNP Paribas  , die eigentlich wegen der Schuldenkrise in Europa unter besonderer Beobachtung der Märkte stehen, konnten sich hingegen über eine Bestätigung des Ratings freuen.

Insgesamt nahm S&P die Kreditwürdigkeit von 37 internationalen Großbanken mit den neuen Kriterien unter die Lupe. Die Agentur hatte die Revision bereits vor mehr als einem Jahr angekündigt. Anfang des Monats hatte S&P bekanntgegeben, für mehr als 750 Banken in den kommenden Wochen aktualisierte Ratings zu veröffentlichen.

Mit ihren neuen Bewertungskriterien, die stärker auf die Fähigkeit der Geldhäuser abzielen, Krisen zu überstehen, bemüht sich die Agentur, ihren Ruf zu verbessern, der durch falsche Bewertungen im Vorfeld der Finanzkrise von 2008 gelitten hatte. Die Überprüfung der Geldhäuser erfolgt nun vor dem Hintergrund einer brodelnden Schuldenkrise in Europa und einer schwächelnden Wirtschaft in den USA. Im Handel nach Börsenschluss gaben die Bankenkurse in New York leicht nach.

Auch die amerikanische Zentralbank legt inzwischen mehr Wert auf die Krisenfestigkeit der Kreditinstitute. Die Fed verfügte in der vergangenen Woche, dass bei den jährlich anstehenden Stresstests der US-Großbanken das Szenario einer verschärften europäischen Schuldenkrise durchgespielt werden muss. Die Institute müssen simulieren, wie sie bei einem dramatischen Wertverlust europäischer Staatsanleihen oder Finanztitel dastehen würden. Die Ergebnisse will die Fed im März 2012 mitteilen.

fdi/dpa/Reuters
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