Gebühren bei S&P Deutsche Konzerne rebellieren gegen Rating-Riesen

Schelte aus der Politik sind die Rating-Agenturen gewohnt, nun gibt es auch Kritik von deutschen Konzernen. Grund ist eine kräftige Gebührenerhöhung bei Standard & Poor's. Zwölf Unternehmen protestieren laut einem Zeitungsbericht gegen die Preistreiberei.
Konzernzentrale von Standard & Poor's in New York: Brief von der Kundschaft

Konzernzentrale von Standard & Poor's in New York: Brief von der Kundschaft

Foto: dapd

Hamburg - Die US-Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat von zwölf deutschen Großkonzernen einen bösen Brief bekommen. Firmen wie Volkswagen   und Siemens   wehren sich laut "Financial Times Deutschland" ("FTD") gegen die Gebührenerhöhung von S&P. Demnach werfen die Unternehmen der weltgrößten Rating-Agentur in dem Schreiben Preistreiberei vor.

Die jüngste Gebührenerhöhung laufe "auf eine Verdopplung der Preise, wenn nicht sogar mehr" hinaus, zitierte die Zeitung aus dem Brief. Die Pläne seien "vollkommen inakzeptabel".

S&P hält dem Bericht zufolge dagegen, die Gebühren für Europas Unternehmen stiegen im Schnitt um weniger als fünf Prozent. Einigen Großkonzernen drohten aber "potentiell stärkere Erhöhungen".

Die Rating-Agenturen S&P, Moody's und Fitch kontrollieren rund 95 Prozent des Bewertungsmarkts weltweit und haben eine entsprechende Preismacht. Die meisten Anleiheemittenten - neben Unternehmen vor allem Banken und Staaten - lassen sich von den Rating-Agenturen bewerten, um am Markt günstiger Kapital aufzunehmen. Die Unternehmen akzeptierten deshalb bislang die Gebühren.

Den Brief haben Bayer  , Continental  , Daimler  , Lufthansa  , Deutsche Post  , E.on  , Henkel  , Linde  , RWE  , Siemens, VW sowie der Familienkonzern Bertelsmann unterzeichnet.

Druck der Wettbewerbshüter könnte zunehmen

Sie drohen mit "weiteren Maßnahmen", sollte S&P die Gebühren nicht auf dem Niveau der Vorjahre belassen, hieß es. Laut "FTD" zahlen einige Konzerne derzeit mittlere sechsstellige Gebühren im Jahr an S&P. "Bei Moody's ist es nicht viel anders", zitierte die Zeitung den Finanzmanager eines Unternehmens. Fitch spielt dagegen bei den Dax-Konzernen keine große Rolle.

Durch das Schreiben könnte der kartellrechtliche Druck auf die Agenturen steigen, die bislang weitgehend unbehelligt von den Wettbewerbshütern in Europa agieren. Seit der Finanzkrise gibt es in Europa Bestrebungen, eine eigene Rating-Agentur aufzubauen. Doch die Versuche drohen zu scheitern.

So sieht Finanzminister Wolfgang Schäuble kaum Chancen für eine neue europäische Rating-Agentur als Gegengewicht zur US-Konkurrenz. "Eine vom Staat gegründete Rating-Agentur, oder auch von der Europäischen Kommission, wird sich niemals in dem harten Wettbewerb mit den erfolgreichen Rating-Agenturen durchsetzen", sagte der CDU-Politiker. Auch ein Stiftungsmodell könne er sich nicht vorstellen. Geld aus der deutschen Staatskasse werde es für eine solche Einrichtung von der aktuellen Regierung nicht geben.

mmq/dpa
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