SPIEGEL ONLINE

Start-up aus Hamburg Er will das Geld aus dem Silicon Valley

Tausende Internetfirmen wollen im Silicon Valley ihr Startkapital einsammeln. Der Hamburger Aurel Bantzer ist einer von ihnen. SPIEGEL ONLINE begleitet den 39-Jährigen auf seiner Investorensuche in Kalifornien.

"In Deutschland braucht man mindestens sechs Monate, um Gründerkapital zu bekommen, im Silicon Valley höchstens sechs Wochen." Aurel Bantzer hat diesen Satz häufig gehört und wird dessen Wahrheitsgehalt jetzt selbst überprüfen. Der 39-jährige Hamburger hat bereits ein kleines Internet-Start-up gegründet, sucht aber eine längerfristige Finanzierung und Startkapital für die nächste Idee.

Hierzulande wird er das Geld kaum finden: Gut 240 Millionen Euro Wagniskapital konnten Gründer in Deutschland im vergangenen Jahr zwar einsammeln. Im Traumland für Start-ups, dem Silicon Valley, steckten Investoren dagegen achtmal so viel in vielversprechende Neugründungen. Deshalb hat Bantzer sich jetzt zehn Tage Zeit genommen und fliegt in das Technologie-Mekka südlich von San Francisco. Er will den "Silicon-Valley-Spirit" erleben, wie er sagt, hilfreiche Kontakte knüpfen, und er hat Termine bei Investoren. SPIEGEL ONLINE wird ihn auf dieser Reise begleiten.

Bantzers Lebenslauf passt gut ins Silicon Valley, jedenfalls besser als in klassisch deutsche Schablonen: Seit Jahren verdient er sein Geld als Drehbuchautor, Schauspieler, Musiker, Regisseur und Produzent. Vor knapp zwei Jahren machte er ein Geschäft aus seiner Leidenschaft, dem Kochen und gemeinsamen Essen.

Die Idee: Ein Ort im Internet, an dem man sich zum gemeinsamen Kochen und Essen verabreden kann. Zusammen mit drei Partnern gründete Bantzer unter dem Namen Yumwe  eine Art soziales Koch-Netzwerk. Die erste Finanzierungsrunde organisierte das Gründerteam selbst: Krautfunding nannten sie es statt Crowdfunding, auf einer selbst programmierten Website sammelten sie Kleinstbeträge in 500-Euro-Tranchen ein, "vor allem von family and friends", Freunden und Verwandten also. Das Startkapital reichte für die Programmierung der Website und ein bisschen Werbung. Das Portal wächst langsam, leben kann bisher keiner der Gründer davon.

So geht es vielen deutschen Start-ups, die deutschen Wagniskapitalgeber sind im Vergleich zu den US-Investoren nicht sehr finanzstark: Der Berliner Investor Earlybird beispielsweise, einer der größeren deutschen Risikokapitalgeber, kann sich mit höchstens zehn Millionen Euro pro Start-up engagieren - in der entscheidenden Wachstumsphase bekommen Tech-Firmen aus dem Silicon Valley einer Studie zufolge dreimal so viel Geld wie ihre deutschen Konkurrenten. Auch deshalb fliegt der Yumwe-Gründer Bantzer nach Kalifornien.

Er stützt sich dort auch auf deutsche Initiativen wie den Bundesverband Deutsche Startups e.V., der eine eigene "German Valley Week" veranstaltet, bei der deutsche Gründer mit US-Investoren zusammengebracht werden sollen. Bantzer wird auf seiner Geldsuche an mehreren dieser Events teilnehmen. Zusätzlich meldet er sich bei Investoren, die zu seiner neuen Geschäftsidee passen, er ruft an oder schickt E-Mails - mit Erfolg: Er wurde eingeladen und darf einer Runde von potenziellen Investoren sein Geschäftsmodell vorstellen - innerhalb von fünf Minuten. Einen "Elevator-Pitch" nennen sie so etwas im Silicon Valley, weil man nur so viel Zeit hat, sein Unternehmen anzupreisen, wie während einer gemeinsamen Fahrstuhlfahrt.

Bantzer will Geld, um das Wachstum von Yumwe zu finanzieren, und Startgeld für ein neue Projekt: Eine Art Lebensplanungs-App : "Damit kann man sich für verschiedene Lebensbereiche mittel- bis langfristige Ziele setzen. Diese Lebensbereiche, zum Beispiel Karriere oder Sport, sind durch Figuren dargestellt, denen es schlecht geht, wenn man seine Ziele vernachlässigt." Die App helfe, das eigene Leben auf eine spielerische Art und Weise auszubalancieren. Laut Businessplan braucht er 150.000 Euro, um das Projekt starten zu können. "Klar bin ich aufgeregt", gibt Bantzer zu, "aber die meisten Investoren in den USA waren selbst einmal Gründer. Die wissen, wie anstrengend und kompliziert so etwas ist."

Wenn er die Finanzierung bekommt, "wird erst einmal Champagner getrunken - und dann müssen sofort die Verträge ausgehandelt werden". Wenn er kein Geld kriegt? "Dann habe ich eine Menge Kontakte geknüpft und bin bei meinem nächsten Besuch im Silicon Valley nicht mehr ganz so unbekannt. Lohnen wird sich das auf jeden Fall."

SPIEGEL ONLINE wird Aurel Bantzer auf seinem Weg begleiten. Am 5., 6., 10. und 11. Juni wird er von seinen Erlebnissen im Silicon Valley berichten - jeweils im Kurzinterview und in einem Video.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.