Noch pessimistischer als im Coronajahr 2020 Start-ups sorgen sich vor der Zukunft

Die Wirtschaftskrise ist bei den Start-ups angekommen. Die Stimmung unter vielen Gründern ist schlecht – das Geld für ihre Ideen sitzt bei Investoren nicht mehr so locker.
Gründungsmüde?

Gründungsmüde?

Foto: IMAGO/Maskot / IMAGO/MASKOT

Wenig Geld, schlechte Stimmung: Start-ups in Deutschland blicken angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise wieder pessimistischer in die Zukunft. Die Lage wird sogar noch schlechter bewertet als im Corona-Krisenjahr 2020, wie aus dem aktuellen Geschäftsklimabericht des Bundesverbands Deutsche Start-ups hervorgeht .

Während sich demnach die aktuelle Geschäftslage zwar leicht verbessert hat, trübten sich die Erwartungen stark ein. Nur noch gut jedes zweites Start-up (54,2 Prozent) geht von einer positiven Entwicklung der Geschäfte aus. Das sind fast 18 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr (72,1 Prozent). Damit liegt der derzeitige Wert unter jenem aus dem Corona-Krisenjahr 2020, als noch gut 58 Prozent der jungen Firmen positive Geschäftserwartungen hatten.

Der Geschäftsklima-Saldo setzt sich aus der Bewertung der aktuellen Lage und der erwarteten zukünftigen Geschäftslage zusammen. Dabei werden jeweils nur die positiven und negativen Antworten berücksichtigt – »Befriedigend« sowie »Gleichbleibend« werden ausgeklammert. Der Wert liegt zwischen -100 und 100, was einer über alle Befragten hinweg vollständig negativen oder positiven aktuellen und zukünftigen Geschäftserwartung entsprechen würde.

Finanz-Start-ups machen sich besonders Sorgen

Die politischen und ökonomischen Verwerfungen und das veränderte Umfeld an den Finanzmärkten führten bei Investoren zu Zurückhaltung, gerade bei spätphasigen Finanzierungsrunden, sagte Gesa Miczaika, stellvertretende Vorsitzende des Verbands. »Da für Start-ups externes Kapital elementar ist, sorgt dies aktuell für Verunsicherung.« Das Start-up-Ökosystem zeige sich aber robust.

Insgesamt ist das Geschäftsklima in der deutschen Gründerszene im Vergleich zum Vorjahr von 52,2 auf 42,2 Punkte gesunken und hält sich damit noch über dem Coronatief. Befragt wurden im Mai und Juni knapp 2000 Start-ups. Das Geschäftsklima für die Branche wird analog zu dem bekannten Barometer des Münchner Ifo-Instituts berechnet. Als zentrale Hemmnisse sehen Start-ups laut der Studie Finanzierungsengpässe (43,8 Prozent) und den Fachkräftemangel (35,3).

Deutsche Start-ups, die für ihre Expansion auf Geld von Investoren wie Wagniskapitalfonds oder Konzernen angewiesen sind, haben glänzende Zeiten hinter sich. In der Pandemie profitierten sie davon, dass die Digitalisierung einen Schub bekam – etwa bei Finanzgeschäften, Online-Shopping oder Essenslieferungen. Auch saß das Geld bei Investoren locker. Einige große Start-ups bekamen daher noch 2021 Finanzspritzen im hohen dreistelligen Millionenbereich.

Doch mit dem Ukraine-Krieg und steigenden Zinsen hat sich der Markt gedreht. Die Aktien großer Techfirmen stürzten erst einmal ab, und deutsche Start-ups strichen reihenweise Jobs. Jüngst verkündete der Berliner E-Scooter-Anbieter Tier den Abbau von 180 Jobs.

Nun fällt das Bild geteilt aus: Bei Finanz-Start-ups, die stark von der allgemeinen Wirtschafts- und Finanzierungslage abhängig seien, sei die Stimmung besonders getrübt, hieß es. Bei Personal-Start-ups dagegen, denen der Wettbewerb um Fachkräfte helfe, sei die aktuelle Lage positiv, aber die Sorge vor einer Konjunktureintrübung groß.

apr/dpa
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