Studie zur Selbstständigkeit Hamburg ist die neue Gründerhauptstadt

Die Stadt mit den meisten Gründern in Deutschland ist nicht mehr Berlin - sondern Hamburg. Landesweit geht die Zahl der Neugründungen bedenklich zurück.

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In Hamburg gibt es erstmals mehr Gründer als in Berlin. Dies ist das Ergebnis des jährlichen Gründungsmonitors der Förderbank KfW. Mit 253 Gründern je 10.000 Einwohner in den vergangenen drei Jahren lag Hamburg knapp vor Berlin mit 238 Gründern. Es ist das erste Mal, dass Berlin seinen Spitzenplatz an Hamburg abgeben muss, seitdem die KfW im Jahr 2008 die Studie erstellt. Die wenigsten Gründer im Bundesländervergleich gibt es in Sachsen-Anhalt, hier kommen auf 10.000 Einwohner nur 78 Gründer.

Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Anzahl der Existenzgründer auf einen neuen Tiefstand gesunken ist: Im Jahr 2016 haben 672.000 Personen eine selbstständige Tätigkeit begonnen. Das sind 91.000 Personen weniger als im Jahr 2015. "Der andauernde Rückgang der Gründungstätigkeit ist volkswirtschaftlich mit Sorge zu betrachten. Denn fehlen heute die Gründer, leidet morgen die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft", schreiben die Autoren der Studie.

Der Grund für den Abwärtstrend sei auf den Beschäftigungsrekord des deutschen Arbeitsmarkts zurückzuführen. Die Anzahl der Neugründungen ist besonders hoch, wenn auch die Arbeitslosigkeit hoch ist. Die mangelnde Jobperspektive ist vielen Menschen ein Anstoß, sich selbstständig zu machen. Doch derzeit läuft der deutsche Arbeitsmarkt so gut wie nie zuvor: Die meisten ziehen deshalb eine Festanstellung mit einem geregelten Einkommen der ungewissen Selbstständigkeit vor.

Deutsche Gründer denken größer

Gleichzeitig verbessert sich laut den Studienautoren die Qualität der Neugründungen. Noch nie gab es weniger Notgründer, das heißt Menschen, die ein Unternehmen aufgrund mangelnder Jobperspektive gründen. Hingegen dominieren in der deutschen Gründerszene die sogenannten Chancengründer, Menschen, die Marktneuheiten und neue Geschäftsmodelle an den Start bringen. Das ist für die deutsche Wirtschaft erfreulich, denn solche Unternehmer beschäftigen mehr Mitarbeiter und schaffen es länger am Markt zu bestehen als Notgründer.

Zwar gibt es laut der Studie insgesamt weniger Gründer als noch vor einigen Jahren, dafür aber denken Deutschlands Gründer größer als bisher. Die Anzahl der Gründer, die ein Unternehmen mit mehr als 25.000 Euro Startkapital aufbauen, hat sich seit dem Jahr 2013 verdoppelt. Diese - mit viel Kapital ausgestatteten Gründer - haben der Studie zufolge auch die größten Erfolgschancen. Von den Unternehmern, die mit mehr als 25.000 Euro starteten, waren nach drei Jahren noch 89 Prozent am Markt.

hej



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