Neuer Autokonzern Stellantis Aktionäre billigen Megafusion von Opel-Mutter PSA und Fiat Chrysler

Der PSA-Konzern und Fiat Chrysler schließen sich zum viertgrößten Automobilhersteller weltweit zusammen. Die Aktionäre beider Unternehmen haben für die Gründung des neuen Stellantis-Konzerns gestimmt.
FCA-Sitz in Auburn im US-Staat Michigan: 99 Prozent Zustimmung

FCA-Sitz in Auburn im US-Staat Michigan: 99 Prozent Zustimmung

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Paul Sancya / AP

»Wir sind bereit für diese Fusion«, sagte PSA-Konzernchef Carlos Tavares: Die Aktionäre seines Automobilkonzerns, zu dem auch der deutsche Hersteller Opel gehört, haben genauso wie die Anteilseigner von Fiat Chrysler (FCA) für den Zusammenschluss beider Unternehmen zum neuen Autounternehmen Stellantis gestimmt.

»Stellantis wird einer der weltweit führenden Fahrzeughersteller sein«, sagte der FCA-Verwaltungsratsvorsitzende John Elkann. Noch wichtiger sei, dass ein Unternehmen mit der Größe, den Ressourcen, der Vielfalt und dem Know-how entstehe, »um erfolgreich die Möglichkeiten einer neuen Ära zu ergreifen«. Der 44-jährige Elkann steht an der Spitze der FCA-Gruppe und gehört der Unternehmerfamilie Agnelli an, die Fiat als Automobilbauer mit gründete und zu einer großen europäischen Automarke entwickelte. Im neuen Konzern wird Elkann Chef des Verwaltungsrats und der 62-jährige PSA-Chef Tavares neuer Konzernchef.

Der Portugiese Tavares hatte die PSA-Gruppe um Peugeot und Citroën wieder flottgemacht, die deutsche Traditionsmarke Opel übernommen und sich damit einen Ruf als erfolgreicher Sanierer erarbeitet – nur wenige Jahre nach der Beinahepleite von PSA und dem Einstieg des französischen Staats und chinesischer Investoren. Auch Opel schrieb wieder schwarze Zahlen, nachdem Tavares der Marke ab 2017 ein striktes Sparprogramm verordnet hatte.

Die EU-Wettbewerbshüter hatten der Fusion zuletzt unter Auflagen zugestimmt. Mit dem Zusammenschluss soll der viertgrößte Autokonzern der Welt entstehen. Der neue Verbund mit Standbeinen in Europa und in Nordamerika wird 14 Marken führen, darunter Opel, Peugeot, Citroën, Chrysler, Jeep, Alfa Romeo, Lancia, Abarth, Dodge, Ram, bis zum Luxussportwagenbauer Maserati. FCA und PSA setzten vor der Coronakrise zusammen rund 8,7 Millionen Fahrzeuge pro Jahr ab, hatten einen Umsatz von 170 Milliarden Euro sowie rund 410.000 Beschäftigte. Nur Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund waren 2019 größer.

Kapazitäten für fünf Millionen Autos zu viel

Die Hauptaktionäre von PSA mit doppeltem Stimmrecht, darunter die Gründerfamilie Peugeot, der chinesische Partner Dongfeng und der französische Staat, billigten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung als Erste die mehr als 50 Milliarden Dollar schwere Fusion. Danach stimmten die anderen PSA-Eigner auf einem ebenfalls online abgehaltenen Treffen zu. Später votierten auch die Aktionäre von FCA mit über 99 Prozent für die Megafusion, darunter die Agnelli-Holding Exor.

Wie alle globalen Autohersteller wird Stellantis in den kommenden Jahren viele Milliarden ausgeben, um das Angebot auf Autos, digitale Dienste und selbstfahrende Fahrzeuge umzustellen. Das Geld für die Investitionen und die anstehende Restrukturierung könnte Tavares Experten zufolge durch Einsparungen und den Mittelzufluss aus den margenstarken Geländewagen der Marke Jeep und den Pick-ups von Ram in den USA aufbringen.

Nach Schätzungen der Beratungsfirma von LMC könnte Stellantis weltweit Fabriken schließen mit einer Gesamtkapazität, die in der Größenordnung der Jahresproduktion von Ford (zuletzt gut fünf Millionen Einheiten) liegt. PSA und FCA haben zwar erklärt, dass der gemeinsame Konzern ohne Werksschließungen seine kombinierten jährlichen Kosten um fünf Milliarden Euro senken könne. Analysten rechnen jedoch damit, dass einige Fabriken dichtgemacht werden. Unter anderem gilt das Opel-Werk im britischen Ellesmere Port schon länger als gefährdet.

Die Milliardenfusion soll bereits am 16. Januar abgeschlossen werden, bisher war Ende März genannt worden.

apr/dpa/Reuters
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