Steuer-CDs Fahnder nehmen Kunden von Julius Bär ins Visier

Viele reiche Deutsche sind Klienten von Julius Bär - manche offenbar, um Steuern zu sparen. Fahnder aus NRW haben nach Informationen des manager magazins sensible Daten solcher Klienten auf CD erhalten und ihnen einen Besuch abgestattet. Die Schweizer Traditionsbank trifft das gleich doppelt.

Julius-Bär-Zentrale in Zürich: Material von frappierender Qualität
REUTERS

Julius-Bär-Zentrale in Zürich: Material von frappierender Qualität


Düsseldorf - Die Warnung war ein wenig verschwurbelt, aber unmissverständlich. Als die Schweizer Privatbank Julius Bär Anfang August deutsche Kunden kontaktierte, ging es nicht nur um allgemeine Fragen rund um den Ankauf von Steuer-CDs durch deutsche Behörden. Die Schweizer ließen auch durchblicken, dass womöglich einige ihrer Kundendaten auf einer der CDs gelandet sein könnten, die das Land Nordrhein-Westfalen kürzlich erworben hatte.

Manche Klienten scheinen die Warnung trotzdem ignoriert zu haben. Das könnte nun ziemlich teuer werden, berichtet das manager magazin vorab aus seiner am Freitag erscheinenden neuen Ausgabe.

Mitte August strömten Ermittler der Steuerfahndung Aachen demnach in Nordrhein-Westfalen aus, um ausgewählten Julius-Bär-Kunden einen unangekündigten Besuch abzustatten. Das Material, auf das sich die Fahnder dabei stützten, so ist im Umfeld der Bank zu hören, war offenbar von frappierender Qualität. Es habe sich nicht, wie in anderen Fällen, um wahllos abgeschriebene Daten gehandelt, sondern um blitzsaubere Kopien von Originaldokumenten - mit Klarnamen und Adressen der Betroffenen. Die Bank wollte sich zu einem möglichen Datendiebstahl oder Ermittlungen gegen Kunden nicht äußern.

Das Schweizer Traditionshaus trifft der jüngste Schlag der Ermittler gleich doppelt. Zum einen hat Julius Bär erst vor Kurzem die Auslandsvermögensverwaltung der Bank of America Chart zeigen gekauft. Da dürfte solch öffentliche Aufmerksamkeit kaum hilfreich sein. Zum anderen hatte das Geldhaus noch im vergangenen Jahr 50 Millionen Euro an die deutschen Steuerbehörden überwiesen, um ein Ermittlungsverfahren gegen die Bank und deren Mitarbeiter zu beenden. Für Kunden gilt der Deal nicht - und das machen sich die Aachener Ermittler nun zunutze.

Die Behörde, die vor einigen Jahren im Zuge der sogenannten Liechtensteiner Steueraffäre personell kräftig aufgestockt wurde, gilt als eine der schlagkräftigsten in NRW. Kunden, die sich jetzt noch mit einer Selbstanzeige retten wollen, müssen sich sputen. "Üblicherweise untersuchen die Behörden erst einmal stichprobenartig einzelne Fälle, ehe sie den gesamten Datensatz auswerten", erklärt der Steuerstrafrechtler Jörg Schauf von der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg in Bonn. Sobald die Daten allerdings mit denen des heimischen Finanzamts abgeglichen seien, sei die Selbstanzeige nicht mehr strafbefreiend.

Schweizer Banken in Verruf geraten

Noch brenzliger wird es laut manager magazin für Kunden, deren Investments aus Behördensicht nur auf Steuerhinterziehung zielten. Wer etwa in sogenannte Lebensversicherungsmäntel auf den Bermudas investiert hat, wegen denen die Schweizer Bank Credit Suisse Chart zeigen jüngst in Verruf geraten ist, gilt den Fahndern als vorsätzlicher Straftäter."In solchen Fällen können die Ermittler auf den Datenabgleich verzichten", sagt Schauf.

So erklärt sich auch, warum in den vergangenen Tagen viele reuige Steuersünder auf ihre Selbstanzeige lediglich ein formloses Schreiben der örtlichen Finanzverwaltung erhalten. Der Inhalt: Die Selbstanzeige komme leider zu spät.

In den vergangenen Wochen hatten insbesondere die Steuerfahnder aus Nordrhein-Westfalen teils spektakuläre Erfolge gemeldet und das größte deutsche Bundesland so zum Brennpunkt der Steuerfahndung hierzulande gemacht. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf, der auch eine Schwerpunktanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität angeschlossen ist, sowie die Fahndungsbehörden in Wuppertal und Aachen haben in kurzer Folge neue und womöglich brisante Daten von möglichen deutschen Steuerflüchtlingen angekauft.

Offenbar haben die Behörden in NRW in den vergangenen Wochen wenigstens vier Daten-CDs gekauft, und das hat Wirkung gezeigt: Bei den Finanzverwaltungen des größten deutschen Bundeslandes gehen immer mehr Selbstanzeigen wegen Steuerhinterziehung in der Schweiz ein, wie das NRW-Finanzministerium am in Düsseldorf mittlerweile bestätigt hat.

Nach dem neuen Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums summierten sich die Steuermehreinnahmen durch den Einsatz der Steuernfahnder im vergangenen Jahr auf 2,228 Milliarden - nach 1,745 Milliarden Euro im Jahr 2010. Die Zahl der erledigten Fälle belief sich danach 2011 auf 35.592. Im Jahr davor waren es 34.186. Nicht erfasst sind in den Angaben Mehreinnahmen nach Selbstanzeigen von Steuerbetrügern.

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wibo2 23.08.2012
1. Julius Bär ist eine echte Berater Bank! Der Kunde wird dort noch geachtet!
Was andere versprechen, das hält die Schweizer Traditionsbank. Kein Wunder, dass die Reichen Julius Bär vertrauen. In Hongkong und Singapur, den letzten sicheren Häfen fürs Geld unterhält Juius Bär grosse Supportteams. In China ging Julius Bär eine strategische Partnerschaft mit der Grossbank "Bank of China" ein. Die "Bank of China" verweist ihre Kunden mit Vermögensverwaltungs Bedürfnissen außerhalb des chinesischen Festlandes an Bär. Mißgünstige Neider und scheele Konkurrenten wollen jetzt bei Bär für Stress sorgen, indem sie die Steuerfahnder als Troublemaker vorschicken. Lieber gleich direkt nach China gehen kann man unseren Reichen marktkonform empfehlen. Europa ist zu unsicher geworden, einige IT Mitarbeiter der Banken sind einfach zu gierig geworden. In China ist die Diskretion hingegen zuverlässig gegeben.
pepe_sargnagel 23.08.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSViele reiche Deutsche sind Klienten von Julius Bär - manche offenbar, um Steuern zu sparen. Fahnder aus NRW haben nach Informationen des manager magazins sensible Daten solcher Klienten auf CD erhalten und ihnen einen Besuch abgestattet. Die Schweizer Traditionsbank trifft das gleich doppelt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,851569,00.html
Das ist keineswegs illegal. Jeder versucht seine Steuer- und Abgabenlast zu vermindern. Das ist ja sogar verständlich, oder nicht? Es wäre allerdings strafbar, wenn viele reiche Deutsche sind Klienten von Julius Bär wären um Steuern zu hinterziehen. Dann wäre das Wirtschaftskriminalität! Es ist allerdings bemerkenswert, dass man nicht mal mit Drogenhandel oder Waffenschmuggel an die kriminelle Energie und die Umsätze der Wirtschaftskriminellen (von Umsatzsteuerkarusell über Ponzi-Speiele bis hin zu "Verzocken auf Kosten der Allgemeinheit") herankommt. Wahrscheinlich kann man von "echter Arbeit" und "Handel mit Produkten" wirklich nicht mehr überleben. Außerdem sind die Strafen bei echtem "Handel mit Produkten" viel härter. Das macht mir Angst, denn so werden immer mehr Wirtschaftskrimimnelle herangezogen, die kaum Strafen zu befürchten haben, außer dass die Allgemeinheit für die "Spielschulden" einsteht.
Emil Peisker 23.08.2012
3. Das Schwarzgeld nach Rotchina
Zitat von wibo2Was andere versprechen, das hält die Schweizer Traditionsbank. Kein Wunder, dass die Reichen Julius Bär vertrauen. In Hongkong und Singapur, den letzten sicheren Häfen fürs Geld unterhält Juius Bär grosse Supportteams. In China ging Julius Bär eine strategische Partnerschaft mit der Grossbank "Bank of China" ein. Die "Bank of China" verweist ihre Kunden mit Vermögensverwaltungs Bedürfnissen außerhalb des chinesischen Festlandes an Bär. Mißgünstige Neider und scheele Konkurrenten wollen jetzt bei Bär für Stress sorgen, indem sie die Steuerfahnder als Troublemaker vorschicken. Lieber gleich direkt nach China gehen kann man unseren Reichen marktkonform empfehlen. Europa ist zu unsicher geworden, einige IT Mitarbeiter der Banken sind einfach zu gierig geworden. In China ist die Diskretion hingegen zuverlässig gegeben.
Sind Sie als Kundenfänger im Vertrieb der Bank of China?:-) Was für seltsame Blüten die Geldgier treibt. Das Schwarzgeld nach Rotchina. Wenn das mal Gut geht.
hobbysechs00 03.09.2012
4. lieber Bauern -schlau als dumm wie ein Brot
berlusconi hat bei 5% strafsteuer 400milliarden zurueckgeholt und im gleichen rutsch 80milliarden eingenommen. das nenne ich politik mit augenmass.soll man doch froh sein dass es menschen gibt die noch etwas gespart haben. eine harz vier familie verqualmt in ihrem leben schon mal eine million mit zins und zinseszins.und das ist legal obwohl die kinder wohl durch passiv rauchen einen schaden haben.mit sicherheit auch eine sucht und mit grosser wahrscheinlichkeit auch harz vier nachfolge symptom. im ersten fall erben die kinder eine million . who is bad? was macht der staat mit dem steuergeld ? :-/ ich erfuhr jetzt von foltermethoden im massregelvollzug .von der schule des verbrechens siehe zeit artikel von august des jahres. die politiker sollen mal schoen einkehr halten sonst kommt Robin Hood m
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