Verdacht auf Steuerbetrug Großrazzia bei der Commerzbank

Deutschlands zweitgrößte Bank im Visier der Steuerfahnder: Ermittler haben Dutzende Büros der Commerzbank durchsucht, weil einer ihrer Partner windige Deals mit Scheinversicherungen gemacht haben soll. Hunderte Deutsche könnten so hohe Summen vor dem Fiskus versteckt haben.
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Verdacht auf Steuerbetrug

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Verdacht auf Steuerbetrug

Foto: © Alex Domanski / Reuters/ REUTERS

Frankfurt am Main - Neuer Skandal in der Finanzbranche: Rund 270 Beamte der Bochumer und Düsseldorfer Steuerfahndung haben am Mittwoch Standorte der Commerzbank durchsucht, bestätigten die Staatsanwaltschaft Bochum und das Finanzhaus SPIEGEL ONLINE.

Zuvor hatte das "Handelsblatt"  berichtet, 40 Standorte des Instituts seien gefilzt worden, darunter die Zentrale. Die Fahnder hoffen demnach, Beweise für Steuerhinterziehung in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro zu finden.

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen geht es um den Verdacht auf Betrug mit Lebensversicherungen des italienischen Versicherungskonzerns Generali, der mit der Commerzbank in Deutschland zusammenarbeitet. Mitarbeiter der Generali-Tochter Generali Pan Europe Limited mit Sitz in Irland hätten deutschen Kunden sogenannte Versicherungsmäntel angeboten, sagen Insider.

Bei solchen Konstrukten lassen Bankkunden Anlageprodukte wie Aktien oder Investmentfonds als Versicherung tarnen, um für sie weniger Steuern zu zahlen. Möglich ist das, weil in vielen Staaten die Erträge aus Lebensversicherungen von der Steuer begünstigt werden. Lebensversicherungsmäntel waren in der Vergangenheit auch ein beliebtes Mittel, um Schwarzgeld vor dem Fiskus zu verstecken (Eine detaillierte Erläuterung wie sie funktionieren finden Sie hier.)

Die Ermittler suchen offenbar nach Belegen für ein ganzes System von Versicherungsmänteln. Laut "Handelsblatt" brachten die fraglichen Kunden ein Mindestanlagevolumen von 500.000 Euro mit, häufig hätten sie auch mehrere Millionen Euro in solche Mäntel gepackt. Die Staatsanwaltschaft Bochum äußerte sich nicht zu Details, bestätigte SPIEGEL ONLINE aber, Hunderte Anleger in Deutschland im Visier zu haben, die teils seit 2006 Steuern hinterzogen haben könnten.

Die Commerzbank werde als Zeugin geführt, nicht als Verdächtige, gab die Staatsanwaltschaft Bochum an. Sie stehe im Fokus, weil sie mit den verdächtigen ausländischen Firmen zusammengearbeitet habe. Sie führe und verwalte Depots zu den fragwürdigen Lebensversicherungsverträgen.

Die Commerzbank selbst betonte, voll mit den Ermittlungsbehörden zu kooperieren. Eine Sprecherin des Versicherungskonzerns Generali gab auf Anfrage an, man prüfe den Vorgang derzeit und könne noch nicht Stellung nehmen.

ssu
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