Ifo-Berechnungen Steueroasen kosten Deutschland jährlich fast sechs Milliarden Euro

Erstmals konnten Forscher länderbezogene Berichte von Konzernen auswerten. Auf diese Weise fanden sie heraus, welche Milliardensummen dem deutschen Fiskus durch Steuervermeidung entgehen.
Beliebtes Ziel für Steuersparer: Die Kaiman-Inseln

Beliebtes Ziel für Steuersparer: Die Kaiman-Inseln

Foto: David Rogers/ Getty Images

Durch die Steuervermeidung deutscher Unternehmen entgehen dem Fiskus nach Berechnungen des Ifo-Instituts jedes Jahr Milliardensummen. Wie die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« unter Berufung auf die Zahlen berichtet, verursachen allein die 333 größten deutschen multinationalen Unternehmen durch Steuertricks einen jährlichen Schaden von 1,6 Milliarden Euro. Bezieht man zusätzlich kleinere Firmen mit Auslandsgeschäft sowie deutsche Tochtergesellschaften ausländischer multinationaler Unternehmen ein, ergibt sich demnach ein Steuerverlust von 5,7 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Zahlen, die Ifo-Präsident Clemens Fuest gemeinsam mit weiteren Forschern errechnet hat, basieren auf den länderbezogenen Berichten der 333 Großunternehmen, die die Forscher erstmalig auswerten konnten. Zu den Steueroasen innerhalb Europas zählten sie unter anderem Irland, Liechtenstein, Luxemburg, Malta und Zypern, zu den Oasen außerhalb Europas unter anderem die Bermudas, die Britischen Jungferninseln und die Kaiman-Inseln.

Gewinn in Steueroase nicht gleich Steuervermeidung

Auf Grundlage der Berichte der Konzerne konnten die Forscher laut »FAZ« viele weitere Details beleuchten. So entfielen insgesamt 47 Milliarden Euro – das sind neun Prozent der gesamten globalen Gewinne der Großunternehmen – auf Tochtergesellschaften, die in Steueroasen ansässig sind.

Allerdings bedeuten Gewinne in Steueroasen den Ökonomen zufolge nicht automatisch auch Steuervermeidung. Vielmehr ließen sich 62 Prozent der Gewinne in Steueroasen auf realwirtschaftliche Aktivitäten zurückführen. »38 Prozent sind das Resultat von Gewinnverlagerung zur Vermeidung von Steuern«, heißt es laut der Zeitung in dem Bericht.

dab/Reuters
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