Steuerpolitik Gutachter halten Firmenwagen-Förderung für Milliardengrab

Wie sinnvoll sind Steuererleichterungen für Firmenwagen? Ein Gutachten hält die aktuelle Förderpolitik für unwirtschaftlich: Durch falsche Anreize entgingen dem Staat jährlich Milliarden von Euro. Die Studie stellt eine Politik infrage, von der Hunderttausende Unternehmen profitieren.
Neufahrzeuge von Audi und VW: Stark subventionierte Firmen-Fuhrparks

Neufahrzeuge von Audi und VW: Stark subventionierte Firmen-Fuhrparks

Foto: Ingo Wagner/ dpa

Berlin - Viele Firmen halten sich eine eigene Fahrzeugflotte - und bekommen diese von der Regierung teils subventioniert. Jetzt gibt es Zweifel an dieser Praxis: Die Besteuerung von Firmenwagen sei ökonomisch falsch, führe zu unnötigen Mindereinnahmen für den Staat und gebe obendrein Anreize zur Schädigung der Umwelt, heißt es in einem Gutachten, das die Universität Köln im Auftrag des Bundesumweltministeriums erstellt hat und aus dem die "Financial Times Deutschland" zitiert.

Nach aktuellem Recht muss ein Arbeitnehmer, der seinen Firmenwagen privat nutzt, ein Prozent des Listenpreises des Autos pro Monat versteuern. "Diese Pauschale ist sehr grob und zudem sehr niedrig angesetzt", schreibt das Finanzwissenschaftliche Forschungsinstitut (FiFo) aus Köln. Für das Auto müssen keine Beiträge zur Sozialversicherung abgeführt werden. Zudem lohne es sich ausgerechnet teure Autos von der Steuer abzuschreiben - und damit solche, die oft besonders viel Sprit verbrauchen.

Außerdem werde die Steuergerechtigkeit verletzt, heißt es in dem Gutachten. Für Unternehmen sei es günstiger, einen Dienstwagen zu stellen, als das Gehalt eines Mitarbeiters zu erhöhen. "Besserverdiener nutzen Steuerprivilegien, die Normalverdienern sehr viel seltener zugänglich sind."

Das FiFo schlägt vor, die Anschaffung und die Nutzung des Pkw steuerlich aufzuteilen. Bei der Nutzung sollten alle Fahrten, die nicht zwischen Wohnung und Arbeitsort stattfinden, pauschal zu 75 Prozent der Privatsphäre zugeordnet werden.

Durch eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Reform könnten die Steuereinnahmen um 2,9 bis 4,6 Milliarden Euro im Jahr steigen, schreibt das FiFo laut "FTD". Die Sozialversicherungen würden 0,4 bis 0,9 Milliarden Euro mehr einnehmen. Bei der Nutzung könnte auch eine CO2-Komponente eingeführt werden. Dadurch würde auch die Anschaffung von Elektroautos attraktiver, die sich bisher steuerlich nicht rechnen.

Industrie will Milliarden-Subventionen für Elektroautos

Die Zukunft der deutschen Automobilindustrie wird in der Branche ohnehin heiß diskutiert. Laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" fordert die Industrie Milliarden-Subventionen für den Bau von Elektroautos. Der Bedarf wird auf 3,8 Milliarden Euro beziffert, heißt es in einem Entwurf für den zweiten Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE), aus dem die Zeitung zitiert.

Finanziert werden sollen "Leuchtturm"-Forschungsprojekte in der Antriebstechnik, der Batterietechnik und im Leichtbau. Hinzu kämen noch steuerliche Anreize für den Kauf von Elektroautos im Wert von 320 Millionen Euro.

"Wenn es gelingt, die Chancen der Elektromobilität gemeinsam zu nutzen, besteht ein Potenzial von rund 30.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen bis 2020", heißt es in dem Papier. Die Subventionen könnten sich an 2018 für den Staat rentieren.

Der NPE-Bericht wird am 11. Mai Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben. Die CDU-Chefin hatte vor einem Jahr das von der Autoindustrie dominierte Gremium aus Managern, Wissenschaftlern und Politikern ins Leben gerufen, um Deutschland in der neuen Antriebstechnik an die Spitze zu bringen. Steuerliche Anreize für den Kauf von Elektroautos lehnt sie bislang ab.

ssu/dpa-AFX