Werbung Stiftung Warentest fordert Gebühren für Gütesiegel

Das Logo der Stiftung Warentest ist bei Unternehmen begehrt, es gilt als Siegel für Qualität. Künftig fordern die Tester eine Lizenzgebühr. Bis zu 15.000 Euro werden fällig. Die Stiftung will so unlautere Reklame unterbinden - und sich eine neue Einnahmequelle erschließen.
Zentrale der Stiftung Warentest: Nimmt künftig Lizenzgebühren bei Werbung

Zentrale der Stiftung Warentest: Nimmt künftig Lizenzgebühren bei Werbung

Foto: Stiftung Warentest

Hamburg - Die Stiftung Warentest nimmt künftig Geld für die Verwendung ihres Testsiegels. Ab 1. Juli müssen Unternehmen Lizenzgebühren zahlen, wenn sie das Logo der Stiftung für Werbezwecke einsetzen wollen. Zuerst berichtete das "Handelsblatt" über die Pläne, Stiftungsvorstand Hubertus Primus bestätigte die Informationen auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

"Wir hatten bislang keinen Einfluss darauf, wie Firmen unser Logo verwenden", sagt Primus. So habe es immer wieder Fälle von unlauterer, irreführender Werbung gegeben. Im Auftrag der Stiftung mahnen die Verbraucherzentralen jedes Jahr Dutzende von Unternehmen ab, weil sie veraltete Testergebnisse verwenden oder Bewertungen falsch wiedergeben.

Die Stiftung Warentest hat einen sehr guten Ruf, viele Verbraucher vertrauen den Urteilen der Tester. Entsprechend lukrativ sind gute Urteile für Unternehmen. Der Anreiz, bei der Werbung die Grenzen des Erlaubten auszuloten, ist groß. Ein Trick: Firmen übertragen Noten für ein einzelnes Produkt auf die komplette Serie - ohne dass diese je getestet wurde.

Stiftung leidet unter niedrigen Zinsen

Die Stiftung Warentest will dagegen nun stärker vorgehen - und hat das gemeinnützige Unternehmen RAL mit der Lizenzvergabe beauftragt. Pro Jahr kostet es künftig 7000 Euro, wenn ein Unternehmen das Warentest-Logo auf Verpackungen, in Zeitungsanzeigen oder Online-Werbung verwendet. Für TV- oder Kinowerbung werden 15.000 Euro fällig. Bislang veranschlagte die Stiftung Warentest lediglich 500 Euro Bearbeitungsgebühr. Mit der Auftragsvergabe an RAL will die Stiftung auch dem Verdacht entgegenwirken, die eigene Unabhängigkeit sei gefährdet. "Wir wollen mit der Lizenzvergabe nichts zu tun haben", sagte Primus.

Hintergrund der neuen Forderung ist auch die Suche nach neuen Erlösquellen, wie Primus zugibt. Dies spiele aber eine "untergeordnete Rolle": "Wir können nicht einschätzen, wie viel Geld wir mit den Lizenzen wirklich verdienen, und können uns deshalb auch nicht darauf verlassen."

Angesichts der niedrigen Zinsen wegen der Euro-Krise seien zusätzliche Einnahmen aber nötig. Primus sagt, die Stiftung habe 2012 voraussichtlich mit einem Minus abgeschlossen. Das Ziel, mit dem Stiftungskapital von 50 Millionen Euro eine Rendite von fünf Prozent zu erlösen, sei derzeit nicht zu erreichen. Die Lizenzgebühren könnten etwa einen einstelligen Prozentsatz des Gesamterlöses ausmachen.

cte
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