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Strafanzeige HRE und HSH Nordbank sollen ihre Bilanzen geschönt haben

Neue Vorwürfe gegen Hypo Real Estate und HSH Nordbank: Laut "Süddeutscher Zeitung" haben sich die beiden Krisenbanken gegenseitig geholfen, ihre Bilanzen zu schönen. Dabei sollen Risiken in Milliardenhöhe verschleiert worden sein. Die Institute weisen die Vorwürfe zurück.
HRE-Niederlassung in Berlin: Gemeinsam mit der HSH Nordbank Risiken verschleiert?

HRE-Niederlassung in Berlin: Gemeinsam mit der HSH Nordbank Risiken verschleiert?

Foto: A3464 Rainer Jensen/ dpa

Hamburg - Der Vorwurf ist heftig und richtet sich ausgerechnet gegen die beiden Banken, die umfassende Milliardenhilfen vom Staat bekommen haben: Die Hypo Real Estate (HRE) und die HSH Nordbank sollen sich im Jahr 2007 gegenseitig dabei geholfen haben, ihre Bilanzen um mehrere Milliarden Euro zu schönen und so die Bankenaufsicht getäuscht haben.

Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") behauptet das der Anwalt Gerhard Strate in einer Strafanzeige, die er am Mittwoch bei der Hamburger Staatsanwaltschaft einreichte. Bei der HSH liege ein "gravierender Fall von Bilanzfälschung" vor, auch bei der HRE sei von damaligen Vorstandsmitgliedern die Bilanz gefälscht worden.

Die Banken bestreiten laut "SZ" den Vorwurf. Die HRE habe erklärt, sich an die Gesetze gehalten zu haben. Die HSH Nordbank nannte den Verdacht "absurd". Es liege für jedes Geschäftsjahr ein uneingeschränktes Testat durch internationale Wirtschaftsprüfer vor.

Code-Name "St. Pancras"

Anwalt Strate wirft laut Bericht den beiden Instituten vor, dass die Relation zwischen dem vorhandenen Kapital und den eingegangen Risiken im Herbst 2007 aus dem Lot geraten sei. Um dies im Jahresabschluss zu verschleiern und ein Einschreiten der Bankenaufsicht BaFin zu verhindern, hätten die Institute ein Projekt mit dem Code-Namen "St. Pancras" angeschoben. Mit diesem hätten die Banken versucht, Kreditrisiken aus der Bilanz auszulagern, so der Bericht.

Zunächst hätten die Institute jeweils Immobilienkredite im Wert von 3,8 Milliarden Euro in je eine Zweckgesellschaft ausgelagert. So hätten sie verhindern wollen, dass sie in der Bilanz erscheinen, so der Vorwurf des Anwalts.

Anschließend soll eine dritte Zweckgesellschaft vom amerikanischen Hedgefonds Dynamic Credit Partners gegründet worden sein. An diesen sollen die beiden Institute die Immobilienkredite als Wertpapiere gebündelt verkauft haben, beruft sich die "SZ" auf die Aussagen des Anwalts.

Anschließend soll ein Überkreuzgeschäft von HRE und HSH stattgefunden haben. Beide Institute sollen dem Hedgefonds kurzfristige Kredite gegeben haben, damit dieser die Papiere der jeweils anderen Bank kauft. "Damit wurde ein Großteil der Aktionäre in Sicherheit gewogen und davon abgehalten, Aktien zu verkaufen", sagte Anwalt Strate der "SZ". Den Anlegern sei vorgespiegelt worden, das Jahresergebnis lasse die Ausschüttung von über 100 Millionen Euro zu.

Die Anleger bekamen später allerdings fast nichts.

fro