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19. September 2013, 16:19 Uhr

"Wal von London"-Skandal

JP Morgan muss 920 Millionen Dollar Strafe zahlen

6,2 Milliarden Dollar verlor JP Morgan wegen riskanter Derivate-Deals - nun muss die Bank noch einmal 920 Millionen Dollar Strafe an Behörden in den USA und Großbritannien zahlen. Die Aufseher werfen dem Geldhaus schludrige Risikokontrolle vor.

New York - Die US-Großbank hatte auf eine deutlich niedrigere Summe gehofft - nun muss JP Morgan wegen eines milliardenschweren Handelsskandals eine Strafe von rund 920 Millionen Dollar an britische und US-amerikanische Aufsichtsbehörden zahlen. Das teilte die US-Notenbank Fed am Donnerstag mit. Die Behörden werfen der größten Bank Amerikas erhebliche Defizite im Risikomanagement vor.

Die Bank hatte Anfang 2012 einen Spekulationsverlust von 6,2 Milliarden Dollar beim Handel mit Derivaten erlitten. "Die Firmen müssen aus diesem Vorfall lernen", forderte Tracey McDermott von der britischen Aufsichtsbehörde FCA. Das Spitzenmanagement bei JP Morgan habe erste Warnzeichen ignoriert. "Als die Dinge begannen, aus dem Ruder zu laufen, hat das Unternehmen die Größe und das Ausmaß der Probleme nicht schnell genug begriffen."

Schlussstrich unter die Affäre

Konkret hatte eine Londoner Abteilung den Milliardenverlust angehäuft. Einer der verantwortlichen Händler, Bruno Iksil, hatte wegen der marktbewegenden Größe der Spekulationen den Spitznamen "Wal von London" verpasst bekommen. Der New Yorker Zentrale jedoch blieb das Ausmaß des Desasters lange verborgen.

Bankchef Jamie Dimon war in der Affäre unter Druck geraten; die zuständige Investment-Chefin Ina Drew musste gehen. Erst im August erhob die Staatsanwaltschaft von Manhattan zudem Klage gegen die ehemaligen Londoner JP-Morgan-Banker. Diese hätten die aufgelaufenen Verluste verschleiert, so der Vorwurf.

JP Morgan kann mit der nun verhängten Strafe zumindest in Teilen einen Schlussstrich unter die Affäre ziehen. Die Bank konnte die enormen Verluste selbst auffangen und musste dafür nicht den Staat anpumpen. Dennoch schrieb sie im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn . Allerdings steht das einstige Vorzeige-Geldhaus seither unter besonderer Beobachtung der Aufsichtsbehörden und des US-Kongresses.

fdi/Reuters/dpa

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