Arbeitskampf Amazon-Mitarbeiter starten zweitägigen Streik

Die Gewerkschaft Ver.di lässt nicht locker: Erneut streiken Amazon-Beschäftigte für mehr Lohn. Zwei Tage lang soll an vier Standorten die Arbeit niedergelegt werden.


Graben - Mitarbeiter des Online-Versandhändlers Amazon haben in der Nacht zum Montag in Bad Hersfeld ihre Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft Ver.di hat die Amazon-Beschäftigten an vier Standorten in Deutschland zu einem Streik aufgerufen. In den Versandzentren in Leipzig, Bad Hersfeld, Graben bei Augsburg und im nordrhein-westfälischen Rheinberg soll bis zum Ende der Nachtschicht am Dienstag die Arbeit niedergelegt werden.

"Der Leistungsdruck nimmt mittlerweile unmenschliche Züge an", sagte Ver.di-Streikleiter Thomas Gürlebeck. Amazon-Mitarbeiter klagten über befristete Verträge, extremen Leistungsdruck und unzureichende Arbeits- und Pausenregelungen. Zudem bekämen die Mitarbeiter zum Teil mehrere Hundert Euro weniger, als ihnen nach den Tarifverträgen des Einzel- und Versandhandels zustehen würden.

"Wir stellen uns auf einen heißen Herbst ein"

Ver.di versucht seit mehr als einem Jahr, den weltgrößten Online-Versandhändler mit Streiks an verschiedenen Standorten zu Tarifverhandlungen zu den Bedingungen des Einzelhandels zu bewegen. Laut Ver.di-Verhandlungsführer Bernhard Schiederig beteiligen sich inzwischen die Hälfte der acht Standorte an dem Arbeitskampf, die Anzahl der Streikenden habe sich deutlich erhöht. "Wir stellen uns auf einen heißen Herbst ein", so Schiederig.

In Graben hat Amazon Lohnerhöhungen zwischen 2,1 und 3 Prozent angekündigt. "Die Gegenwehr der Beschäftigten zeigt ihre Wirkung", erklärt Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. "Amazon steht unter Druck. Wir werden aber nicht hinnehmen, dass das Unternehmen willkürlich die Löhne diktiert. Nur ein Tarifvertrag garantiert den Beschäftigten existenzsichernde Einkommen und Arbeitsbedingungen."

Das US-Unternehmen Amazon definiert sich selbst als Logistiker und orientiert sich an den niedrigeren Löhnen dieser Branche.

vet/dpa/AFP

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DrNoNo 22.09.2014
1. Was bitte schön hat...
... die Tätigkeit des Logistikers mit dem Einzelhandel gemein? Die Beratungsfunktion? Das KnowHow zu den angebotenen Produkten? Der persönliche Kundenkontakt? Die Serviceorientierung? Werte Ver.di: Amazon ist Logistkdienstleister und kein Einzelhandelsunternehmen. Entsprechend auch die tarifvertragliche Zuordnung. Amazon (und damit die Arbeitsplätze) ist schneller weg aus Deutschland als die Ver.di's glauben.
papayu 22.09.2014
2. Wen wundert es noch??
Wenn auch der letzte online Kaeufer seinen Arbeitsplatz verloren hat, wird er es nicht mehr aendern koennen!! Ganz frueher gab es nur 3% Skonti, das war gesetzlich vorgeschrieben!! Es gab Festpreise!! Ein Elektrohaendler konnte sich vllt 10 FS aufs Lager stellen. Irgendwann hatte er diese auch verkauft. Bei Amazon kaufen die 100.000 Fernseher mit Margen ueber 50%. Die Nichtverkauften werden verschrottet. Und ein Mindestlohn wird zwar vereinbart, sogar schriftlich, bezahlt wird er oft nicht!! Hat ein Mitarbeiter Erfolg vor Gericht, ist er inzwischen H4ler!!! Warten doch Tausende draussen!! Macht nur so weiter, H4 wartet schon!!Und bald gibt es auch dort nichts mehr zu holen!!! Dann haben die Pfandleiher wieder HOCHKONJUNKTUR!! So ein gebrauchter BMW oder Daimler wird mit 5000 Euro verpfaendet. 6000 ZUM ERSTEN, ZUM ZWEITEN UND ... VERKAUFT.
Hagbard 22.09.2014
3. Alternativen
Die Streikenden haben meine volle Sympathie. Amazon bietet seinen Kunden so einiges, keine Frage. Aber der Preis ist hoch. Bezahlen müssen ihn die Beschäftigten und am Ende auch die Allgemeinheit. Ich hab' da auch schon viel gekauft und kann (als Kunde) nichts schlechtes sagen. Trotzdem schaue ich in letzter Zeit, dass ich mein Zeug woanders kaufe. Gerne auch ganz altmodisch im Geschäft vor Ort. Das hilft vermutlich weder den Beschäftigten noch ändert es etwas daran, dass Amazon ganz geschickt im Vermeiden von Steuern ist. Aber wenn ich die Wahl habe zwischen einem sympathischen Händler und einem unsympathischen, dann nehme ich den sympathischen.
Big_Jim 22.09.2014
4. Wenn es nach Verdi geht, dann müsste Amazon ihren Mitarbeitern so hohe Löhne zahlen,
dass die günstigen Preise nicht mehr zu halten wären. Dann springen Kunden ab und kaufen eben da, wo weiterhin diese günstigen Preise geboten werden und bei Amazon wird entlassen. Aber vielleicht ist genau das Verdis Ziel? Im Zerstören von Arbeitsplätzen ist dieser Verein ja schon immer führend gewesen.
knieselstein 22.09.2014
5. Echt ehrenwert
von Verdi, wie sie bei Amazon Druck macht, um den Ausbau in den Ländern rund um Deutschland zu beschleunigen. Oder muß ich das als Verdi-Bewerbung für einen gut bezahlten Job im Aufsichtsrat verstehen. PS: Bin gespannt, ob anschließend Zahlen über Streikende / weiter Arbeitende veröffentlicht werden. Am besten zwei Verdi / Amazon ;-)
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