Arbeitskampf Lokführer beenden Streik, jetzt legen die Piloten los

Nach 50 Stunden setzen die Lokführer ihren Streik aus, dafür stehen nun viele Flugzeuge still: Mehr als 1450 Lufthansa-Flüge fallen aus, weil die Piloten streiken. Am Dienstag sind auch Langstreckenflüge betroffen.

Einsteigen, bitte: Der Streik der Lokführer ist vorbei
DPA

Einsteigen, bitte: Der Streik der Lokführer ist vorbei


Hamburg - Die Lokführer haben ihren bisher längsten Streik in diesem Jahr planmäßig um 4 Uhr beendet. Nach Angaben einer Bahnsprecherin wurde der reguläre Fahrplan umgehend wieder gestartet. Bis etwa 9 Uhr könne es noch vereinzelt zu Verzögerungen und Ausfällen kommen, Züge und Personal seien aber größtenteils wieder vor Ort. In Schleswig-Holstein und Niedersachsen fielen am frühen Morgen mehrere Regionalzüge aus, insgesamt sei der reguläre Bahnverkehr nach dem Streik aber "gut angelaufen", so die Sprecherin.

Im Güterverkehr waren die Lokführer seit Freitag, 15 Uhr, im Ausstand, im Personenverkehr seit Samstagnacht, 2 Uhr. Der 50-stündige Streik, zu dem die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) aufgerufen hatte, traf die Deutsche Bahn an einem ihrer verkehrsstärksten Wochenenden des Jahres: In sieben Bundesländern begannen die Herbstferien, in vier weiteren gingen sie zu Ende. Rund 70 Prozent der Fernzüge fielen aus, auch im Regionalverkehr fuhren die Züge nur nach einem Ersatzfahrplan.

Die Deutsche Bahn hatte sich nach der Streikankündigung auf die Gewerkschaft zubewegt und ihr ein neues Angebot vorgelegt. Dieses sieht fünf Prozent mehr Lohn in drei Stufen sowie die Einstellung von 200 zusätzlichen Lokführern vor. Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, kündigte eine siebentägige Streikpause an.

Genau in diese Pause fällt nun der Ausstand der Piloten: Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kündigte am Sonntag einen 35-stündigen Pilotenstreik an. Etwa 130.000 Passagiere der Lufthansa würden deshalb am Montag und Dienstag wohl nicht mit dem geplanten Flieger ans Ziel kommen, hieß es zunächst.

Piloten bestreiken am Dienstag auch Langstrecken

Nun dürften noch weit mehr Passagiere betroffen sein: Die Gewerkschaft kündigte am Montagmorgen an, am Dienstag ab 6 Uhr auch Langstreckenflüge ausfallen zu lassen. Betroffen seien deutschlandweit alle Flüge mit Flugzeugen vom Typ Airbus A380, A340, A330 und Boeing 747.

Mit dem Streik für die Kurz- und Mittelstreckenflüge soll am Montag ab 13 Uhr begonnen werden. Der Ausstand dauert bis Dienstag kurz vor Mitternacht.

Laut Lufthansa fallen etwa 1450 von 2150 betroffenen Kurz- und Mittelstreckenflügen aus. Rund ein Drittel - also gut 700 Flüge - könne der Konzern mithilfe von freiwilligen Piloten und anderen Airlines sicherstellen. Ob auch für Langstreckenflüge Ersatz gefunden werden kann, ist noch unklar.

Lufthansa-Streik am 20. und 21. Oktober
Die Piloten der Lufthansa werden ab Montag, 13 Uhr, bis Dienstag, 23.59 Uhr streiken - betroffen sind Kurz- und Mittelstreckenflüge und am Dienstag ab 6 Uhr auch Langstreckenflüge. Die wichtigsten Infos für Reisende finden Sie hier.

vet/dpa

insgesamt 71 Beiträge
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deeperman 20.10.2014
1. Langstrecke
Ein kleiner Hinweis: die genannten Langstrecken-Jets sind ALLE, welche die LH hat...
Togo25 20.10.2014
2. Was machen unsere Politiker
Langsam reicht´s. Jetzt ist die Politik gefordert. Es kann nicht angehen, dass solche Streiks überhaupt noch durchgeführt werden dürfen. Hier muss konsequent ein Riegel vorgeschoben werden. Deutsche Bürger haben für das pünktliche Erscheinen am Arbeitsplatz bei der Bahn ihr Ticket im Voraus bezahlt, und man verweigert ihnen die Fahrt ? Das gleiche gilt für Urlauber ? Unsere Politiker sollten sich ernsthafte Gedanken machen, wie man diesem Widerspruch entgegen treten muss. Man kann nicht auf der einen Seite eine Empfehlung für Busse und Bahnen aussprechen, und im Falle eines Chaos wie jetzt, sich um nichts kümmern !? Langsam muss ein Machtwort seitens der Politiker gesprochen werden.
RV6284 20.10.2014
3. Ich mag falsch liegen...
aber mir kommt es so vor, als würden sagen wir 1000Piloten bei der Lufthansa den Konzern auch auf Kosten 10000 anderer Beschäftigten dort gängeln. Die Lufthansa steht im internationalem Wettbewerb und hat vermutlich im letzten Jahrzehnt neue Konkurrenten dazu bekommen, da ist es unseriös und wirtschaftlich langfristig nicht weitsichtig, wenn ich Pfründe aus wirtschaftlich guten Zeiten retten will. Der Streik ist verständlich aus Pilotensicht... ich finde ihn persönlich langfristig schädlich und daher etwas asozial. Ich glaub nicht, dass Piloten über 55J nicht mehr leistungsfähig sein sollen, ansonsten lässt man eben junge Piloten mit alten Hasen fliegen. 67J sollen wir arbeiten... 61J kann man euch Piloten zumindest auch zumuten. Meine Meinung.
olek_bobov 20.10.2014
4. Kein Verstädniss...
Ich selbst arbeite für die LH und kann versichern, dass ein Großteil der Belegschaft des Konzerns NICHT hinter den Piloten steht und sich schon dafür schämt. Die Forderungen sind absurd. Ein Teil der Belegschaft wird betriebsbedingt aus dem Verkehr gezogen, und die Pilotensparte fordert bei ihrem eh schon sehr hohem Gehalt eine Übergangsversorgen, die zwar nachvollziehbar aber in heutiger Zeit kaum tragbar ist. Ich habe manchmal das Gefühl, die Gewerkschaften haben jeglichen Bezug zur Realität verloren. Bei der Bahn sind Dauerstreiks auf Grund des geringen Wettbewerbs einigermaßen zu verkraften, aber gerade in der Luftfahrt ist so was nicht zu bewerkstelligen. Die Piloten richten mit ihren unverhältnissmäßigen Streiks ein immensen Schaden (auch Vertrauensbruch) an, der nicht vergleichbar ist. Ich würde ein bisschen mehr Verantwortungsbewusstsein der VC und der Piloten sehr begrüßen!!!
jjcamera 20.10.2014
5. zu Ende streiken!
Da die Bahn ohnehin ständig mit Betriebsstörungen und Unpünktlichkeit zu kämpfen hat, fällt hier ein Streik nicht besonders auf. Es ist der Normalzustand. Die Menschen werden sich daran gewöhnen, den Bus oder das Auto zu nehmen. Die Bahn sollte daher die Sache aussitzen und nicht den Forderungen der GdL nachgeben. Schon bald wird man wesentlich weniger Lokführer brauchen. Bei der Lufthansa ist es schlimmer. Die Piloten ruinieren das Unternehmen, das ihnen schon bald eine Betriebsrente zahlen soll. Da sägt jemand auf dem Ast, auf dem er sitzt. Dass LH-Piloten so dumm sind, hätte ich nicht gedacht. Da wird man wohl auf (genug verfügbare) andere Airlines umsteigen müssen. Lufthansa-Aktie auf "sell".
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