Tarifstreit der Lokführer Bahnreisenden drohen neue Streiks

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer hat einen langen Arbeitskampf angekündigt. Man werde "streiken bis zum Ende", sagte Gewerkschaftschef Weselsky der "Süddeutschen Zeitung". Die Bahn hat den Lokführern nun ein neues Angebot gemacht.

Zeichen stehen auf Rot: Die Lokführer der Deutschen Bahn wollen streiken
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Zeichen stehen auf Rot: Die Lokführer der Deutschen Bahn wollen streiken


München - Bahnreisende müssen sich auf massive Zugausfälle in Deutschland einstellen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat einen langen Arbeitskampf angekündigt. Seine Organisation werde "durchstreiken bis zum Ende", sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky der "Süddeutschen Zeitung".

Die GDL will am heutigen Donnerstag das Ergebnis ihrer Urabstimmung über neue Streiks bekanntgeben. Weselsky rechnet mit einer breiten Zustimmung. Danach könnten unbefristete Arbeitsniederlegungen beginnen. Anfang September hatten die Lokführer bereits zweimal für mehrere Stunden gestreikt.

Weselsky warf der Deutschen Bahn vor, das Zugpersonal "absichtlich in den Streik zu treiben". Die Lokführer sollten "die Begründung liefern" für ein Gesetz zur Tarifeinheit, mit dem die Regierung die Macht von Berufsgewerkschaften beschneiden wolle.

Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Lohn und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um zwei Stunden. Sie will aber auch für andere Berufsgruppen bei der Bahn verhandeln, etwa Zugbegleiter, Lokrangierführer und Mitarbeiter im Bordservice. Diese vertritt bislang die deutlich größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Welche Gewerkschaft für welche Mitarbeitergruppe zuständig ist, regelte seit 2007 ein Grundlagentarifvertrag, in dem EVG und GDL nach einem Monate langen Arbeitskampf ihre Claims exakt abgesteckt hatten. Der aber lief zum 30. Juni aus.

Neuer Vorschlag der Deutschen Bahn

Bei der GDL sind derzeit nach eigenen Angaben lediglich 34.000 Mitglieder eingeschrieben. Die EVG vertritt insgesamt 160.000 Mitarbeiter der Bahn - und hat kein Interesse daran, die Verhandlungen der GDL zu überlassen. Sowohl die GDL als auch die EVG haben eine von der Bahn vorgeschlagene Vermittlung durch "Moderatoren" abgelehnt.

Weselsky sagte der "Süddeutschen Zeitung", Bahn-Vorstand Ulrich Weber habe ihm gedroht, er habe nur zwei Möglichkeiten: Entweder er unterschreibe ein Papier zur Kooperation mit der EVG, "oder die Regierung macht ein Gesetz zur Tarifeinheit".

An dem Gesetz zur Tarifeinheit arbeitet die Bundesregierung seit Monaten. Es sieht vor, dass in einem Betrieb diejenige Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern einen Tarifvertrag für alle aushandelt. Und das wäre im Falle der Bahn die EVG.

Inzwischen hat die Deutsche Bahn den Bericht der "Passauer Neuen Presse" bestätigt, wonach der Konzern den Lokführern ein neues Angebot gemacht hat, um den Streik im letzten Moment noch abzuwenden. Die Bahn schlägt demnach vor, die Verhandlungen auszusetzen, bis die Bundesregierung das geplante Gesetz zur Tarifeinheit auf den Weg gebracht hat. Bis dahin sollten die Lokführer zwei Prozent mehr Geld erhalten.

vet/AFP/dpa

insgesamt 77 Beiträge
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Frontmotor 02.10.2014
1. Größenwahn
Claus Weselsky ist nicht nur der Gegner aller Bahnpendler. Er scheint auch größenwahnsinnig zu sein, wenn ich Formulierungen lese wie "bis zum Ende" oder "durchstreiken". Ich hoffe, es findet sich jemand, der ihm das Zepter aus der Hand nimmt!
Alfred Ahrens 02.10.2014
2. Herr Weselsky ist so etwas von un-cool, einmalig. Der kleine Streithahn sieht seine Pfruende
verschwinden. Es geht ihm weder um die Lokfuehrer noch die anderen Beschaeftigten, es geht nur um seine Tantiemen. Die Lokfuehrer werden nicht mehr lange diesem Herrn ihre Geschcike anvertrauen, sie haben eine viel bessere und effizientere Interessenvertretung verdient !
mbk-tower 02.10.2014
3. Tarifeinheit ?????
Eine ehemalige "Arbeiterpartei" schränkt,nach Hartz4,Leiharbeit,Rente mit 67 und Kürzung auf 43% des letzten Gehalts,Unterstützung von Werkverträgen das STREIKRECHT ein??? Tarifeinheit soll heißen alle in einer Firma unter dem Dach einer Gewerkschaft? Dann ist Schluß mit Leiharbeit,Werkverträgen und Ausgliederungen von Firmenteilen zum Zwecke der Kostensenkungen? Oder vielleicht doch nicht? Werden wieder Ausnahmen geschaffen,damit Arbeitgeber und ihre Hausgewerkschaften die Rosinen picken können? Deshalb sollte die Parole lauten "Proletarierer aller Bundesländer vereinigt Euch" und kämpft gegen eine Einschränkung des Streikrechts !!!!!!!!!!!!!
ABXEcki 02.10.2014
4. Elite der Bahn
Die Lokführer scheinen sich seit eh und je als die Elite der Bahn zu halten. Dabei vergessen sie, dass sie nur ein Teil im "Räderwerk" der Bahn sind. Was wären die Lokführer ohne die Mitarbeiter der Werkstätten, der Fahrdienstleiter, der Zugaufsicht usw.? Wenn jeder der genannten Mitarbeiter eine eigene kleine Spartengewerkschaft Gründen würde, könnten sie mit einigen wenigen Leuten den Bahnbetrieb lahm legen. So könnten etwa 80 Fahrdienstleiter im Zentralstellwerk Frankfurt/M. im Streikfall den Fernverkehr bundesweit zum Erliegen bringen. Was also will die GDL wirklich erreichen? Von ihren angeblich 30000 Mitgliedern sind weit über die Hälfte Rentner und Pensionäre. Ferner machen der GDL die zunehmenden Privatbahnen Sorgen. Das heißt, der kleinen GDL gehen die aktiven Mitglieder aus. Aus diesem Grund sucht sie neue Betreuungsfelder, wie die Zugbegleiter oder das Rangierpersonal. Um dieses Ziel zu erreichen, will die GDL einen Streik auf dem Rücken der Bahnkunden austragen. In den strategisch wichtigen Bereichen der Bahn kann es einfach nicht sein, dass Mitarbeiter verschiedene Arbeitszeiten oder Urlaubstage haben. Von daher bleibt zu hoffen, dass der Bahnvorstand der Erpressung der GDL nicht nach gibt.
madde81 02.10.2014
5. Wöchentlich?
Früher Hafen wir nur einen Bahnstreik pro Jahr! Das fand ich schon krassAber das kann man später nur noch seinen Kindern erzählen! Mittlerweile finden die also im 2 Wochenrhythmus statt. Bald dann wahrscheinlich wöchentlich! Na toll!
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