Streit mit Frankreich Bahnaufsicht lässt Siemens in den Eurotunnel

Neue Schlappe für den französischen Zughersteller Alstom: Die europäische Bahnaufsicht hat prinzipiell keine Einwände dagegen, dass Züge von Siemens durch den Eurotunnel fahren. Alstom berufe sich auf Vorschriften, die "weder etabliert noch transparent" seien.

ICE am Eurotunnel: Es geht um 600 Millionen
AP

ICE am Eurotunnel: Es geht um 600 Millionen


München - Gute Nachricht für Siemens: Im Streit um den Auftrag für Züge im Eurotunnel stärkt die Europäische Bahnaufsichtsbehörde (ERA) dem Konzern den Rücken. Dem Einsatz der Siemens-Technik stehe grundsätzlich nichts im Wege, heißt es in einer am Montag veröffentlichten technischen Einschätzung der ERA. Zugleich rüffelte die Behörde die Tunnelaufsicht IGC. "Die bestehende Voraussetzungen für die Fahrzeugzulassung sind weder etabliert noch transparent noch voll gemeldet." Die IGC müsse das Zulassungsverfahren für Züge dem EU-Recht anpassen.

Die Entscheidung bedeutet einen erneuten Rückschlag für den französischen Siemens-Rivalen Alstom. Dieser versucht mit Verweis auf die IGC-Vorschriften, die Vergabe eines 600 Millionen Euro schweren Zugauftrags an Siemens zu verhindern. Der Tunnelbetreiber Eurostar hatte im Oktober 2010 entschieden, seine neuen Hochgeschwindigkeitszüge bei Siemens statt wie bislang bei Alstom zu ordern. Gegen diese Entscheidung protestierte außer Alstom auch die französische Regierung, die sich deshalb Protektionismus vorwerfen lassen musste. Frankreich ist über die Staatsbahn SNCF zu 55 Prozent an Eurostar beteiligt.

Alstom hatte argumentiert, die deutsche Technik sei für die Unterseeverbindung nicht zugelassen. Die Münchner hatten entgegnet, ihre Technik habe es bei der Formulierung der Sicherheitsvorschriften für das Bauwerk noch gar nicht gegeben. Darin werden sie nun von der ERA unterstützt: "Die Bedingungen dürfen nicht eine spezielle Konstruktionslösung vorschreiben und sollen sich nur an der Kompatibilität mit der Infrastruktur des Tunnels orientieren."

Für Alstom ist die Entscheidung der ERA die zweite Schlappe nach einer Niederlage vor einem britischen Gericht Ende Oktober. Die Franzosen gehen allerdings noch vor der EU-Kommission gegen die Niederlage bei der Zug-Ausschreibung vor.

dab/dpa

insgesamt 8 Beiträge
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cautious_analyst 21.03.2011
1. Wird Siemens so robust und zuverlässig wird wie französiche Technik?
Da Klimaanlagen- und Radsatzprobleme bei Alstom-Zügen eher ein Fremdwort sind, nehmen Eurostar-Benutzer diese Nachricht mit recht gemischten Gefühlen auf. Bleibt zu hoffen, dass Siemens-Technik noch rechtzeitig so robust und zuverlässig wird wie französiche Technik.
Fishbed 21.03.2011
2. Naja so gut wie sie tun
sind die Franzosen auch nicht. Ich hab die Eurostars v.A. als dreckig, dunkel, unbequem und nicht so wirklich pünktlich in Erinnerung. Da war der ICE ab Brüssel eine echte Offenbarung. Und wer franz. Autos kennt, weiß was man bei Franzosen zu erwarten hat.
spezl 21.03.2011
3. Alstom ist Hersteller von ICE-Radsätzen...
Zitat von cautious_analystDa Klimaanlagen- und Radsatzprobleme bei Alstom-Zügen eher ein Fremdwort sind, nehmen Eurostar-Benutzer diese Nachricht mit recht gemischten Gefühlen auf. Bleibt zu hoffen, dass Siemens-Technik noch rechtzeitig so robust und zuverlässig wird wie französiche Technik.
Alstom ist durchaus am bisherigen ICE3 und ICE-T beteiligt. Insbesondere einigte sich die Deutsche Bahn im Februar 2010 mit Alstom, dass diese die Radsätze des ICE-T Austauschen muss: http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,678868,00.html Und die Klimaanlagen waren, denke ich, kein Herstellerproblem, sondern ein Problem der mangelnden Leistungsreserven, und die wurden von der Deutschen Bahn damals so bestellt. Der Siemens Velaro (ICE3-Nachfolger) fährt zumindest meines Wissens z.B. in Spanien ohne Probleme, und dort ist es deutlich wärmer. Wobei dieses Leistungsproblem auch in Deutschland soweit ich weiss nur den ICE2 betraf. Der neuere ICE3 und der modernisierte ICE1 haben wohl stärkere Klimaanlagen bekommen...
blogreiter 21.03.2011
4. Robust?
Zitat von cautious_analystDa Klimaanlagen- und Radsatzprobleme bei Alstom-Zügen eher ein Fremdwort sind, nehmen Eurostar-Benutzer diese Nachricht mit recht gemischten Gefühlen auf. Bleibt zu hoffen, dass Siemens-Technik noch rechtzeitig so robust und zuverlässig wird wie französiche Technik.
Aus der taz vom 20/21.12.2009: "Der Schnee, zusammen mit dem Temperaturunterschied, scheint die Achillesferse der Eurostar-Hochgeschwindigkeitszüge zu sein. "Der schmelzende Schnee gelangt ins Ventilationssystem und löst einen Kurzschluss im Stromkreis des Antriebssystems aus, der Motor fällt aus und geht nicht mehr an", erklärt der Technikchef des Tunnels, Pascal Sainson. " Somit blieben die Züge mitten im Tunnel liegen und mussten herausgeschleppt werden.
henningz, 21.03.2011
5. Radsätze?
Wenn ich mich recht erinnere, sind es nicht Probleme mit den Radsätzen oder Klimaanlagen, weshalb die ICE-Züge von der Tunnelaufsicht bisher abgelehnt wurden. Das Hauptargument war immer, dass die Passagiere im Fall eines Brandes durch den Zug zum nächsten Notausgang evakuiert werden sollen. Die Notausgänge im Tunnel liegen 400 Meter auseinander, die Bedingung wird also bei den 400 Meter langen Eurostar-Zügen erfüllt. Es steht immer ein Teil des Zuges vor einem Notausgang, nicht jedoch bei den ICEs, die aus zwei gekoppelten Halbzügen à 200 Meter ohne Durchgangsmöglichkeit bestehen. In meinen Augen ist das durchaus nachvollziehbar...
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