Streit mit Kartellamt Handel warnt vor Nachteilen für Schnäppchenjäger

Die Auseinandersetzung zwischen Kartellwächtern und Einzelhandel verschärft sich: Streitpunkt sind vermeintliche Preisabsprachen mit der Industrie. Die Branche sieht Sonderangebote in Gefahr.

Rewe-Markt: Unklare Grenze zwischen Preisabsprachen und Informationsaustausch
DDP

Rewe-Markt: Unklare Grenze zwischen Preisabsprachen und Informationsaustausch


Bonn/Düsseldorf - Der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisiert das Kartellamt: Mit ihrer harten Linie betrieben die Wettbewerbshüter eine Politik zu Lasten der Verbraucher. "Wir sind an einem Punkt angelangt, wo die Unsicherheit über das, was erlaubt und verboten ist, wirtschaftliche Freiräume in gefährlicher Weise einengt. Am Ende zahlt der Verbraucher für die Dogmatik des Kartellamtes", sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Besonders die Schnäppchenjäger unter den Kunden könnten die Nebenwirkungen einer falsch verstandenen Kartellbekämpfung zu spüren bekommen, warnte der Verbandspräsident und Vorstand des Kölner Einzelhandelskonzerns Rewe. Wenn das Kartellamt den Handel daran hindere, Aktionen mit den Lieferanten abzustimmen, werde es eben weniger Sonderangebote geben. "Wir sehen schon eine gewisse Schockstarre durch die Rechtsunsicherheit. In der Tendenz stellen wir seit dem Frühjahr fest, dass die Bereitschaft zu Sonderaktionen im Lebensmitteleinzelhandel abnimmt", sagte Sanktjohanser der Zeitung.

Seit Monaten ringt das Kartellamt mit Einzelhandel und Industrie darum, wo die Grenze zwischen verbotenen Preisabsprachen und einem zulässigen Informationsaustausch über die Preisgestaltung des Handels verläuft. Bereits im Januar hatten die Wettbewerbshüter elf Handelskonzerne und mehrere Markenartikelhersteller durchsuchen lassen - weil sie untereinander Mindestpreise für den Verkauf von Kaffee, Süßwaren und Tiernahrung abgesprochen haben sollen.

Das Discounter-Paradox

Sonderaktionen von Discountern lassen aber nicht unbedingt auch auf generell niedrigere Preise für Lebensmittel schließen. Mindestens achtmal haben in diesem Jahr die deutschen Discounter Preissenkungen groß annonciert. Mal verbilligten Aldi und Lidl Fischstäbchen, Marmelade und Hundefutter. Mal wurden Fertigpizza und Dosentomaten günstiger angeboten. Und die Konkurrenz - egal, ob Edeka, Rewe, Netto, Penny oder Norma - musste folgen. Denn die Marktführer gelten in der Branche als Trendsetter.

Doch trotz aller Werbung für Preissenkungen sind Lebensmittel in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten spürbar teurer geworden - mit Stand November nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts um durchschnittlich 3,4 Prozent.

Tatsächlich beschränkt sich der Preiskampf nach einer Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auf nur 40 von 275 gängigen Warengruppen. Der Grund ist einfach: Nur bei häufig gekauften Produkten wie Kaffee, Schokolade, Butter, Joghurt oder Fruchtsäften erkennen die Verbraucher Preisänderungen sofort und richten danach ihr Einkaufsverhalten aus. Hier ist der Preiskampf am härtesten. Bei seltener gekauften Produkten wie Reinigungsmitteln, Gewürzen oder Essiggurken dagegen können die Verbraucher oft nur raten, ob das Produkt günstig ist. Das eröffnet dem Handel Spielräume für Preiserhöhungen.

wit/dapd



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
mitbürger 27.12.2010
1. ...
Muss sich denn unser teurer Staat überall einmischen? Wenn eine Gurke 2 € kostet, dann kauf ich die halt nicht. Für wie blöd halten die uns?
susie.sunshine 27.12.2010
2. Niemand hat die Absicht einen Titel einzugeben!
Zitat von mitbürgerMuss sich denn unser teurer Staat überall einmischen? Wenn eine Gurke 2 € kostet, dann kauf ich die halt nicht. Für wie blöd halten die uns?
Wir werden für sehr blöd gehalten, denn schaut man sich Angebote an, gibt es überall die gleichen Marken und deren Angebot innerhalb einer Woche.
missoni 27.12.2010
3. Kartellamt
aber wenn der Bürger durch überteuerte Produkte abgezockt wird, da sagt das Kartellamt nichts. Als bestes Beispiel ist Strom und Benzin. Hier wird seit 20 Jahren untersucht und nichts gefunden. Während man den Bürger beschützen muss, wenn man ein Produkt billiger verkaufen tut.
Connor Larkin 27.12.2010
4. Jammern auf hohem Niveau
Ja, das böse Kartellamt vermiest uns die Schnäppchen, die halten uns für blöd! Falsch! Die Lebensmittelhändler können und dürfen gerne mit Ihren Lieferanten günstige Preise aushandeln und diese dann in Form von Sonderangeboten an den Verbraucher weiter geben. Das liegt auch in deren eigenem Interesse. Was aber nicht geht ist, dass sich mehrere große Handelskonzerne untereinander und dann mit den Lieferanten absprechen. Das haben in den letzten Jahren ja einige Kafferöster und Handelsketten gemacht und zwar in erster Linie um ihre Gewinne zu steigern, die tollen Sonderangebote wurden durch überhöhte Preise in der restlichen Zeit ausgeglichen. Das REWE jetzt den dummen Kunden erzählen kann das es bald keine Sonderangebote mehr gibt wenn man Sie nicht so machen läßt wie man will ist lächerlich.
deppvomdienst 28.12.2010
5. Ich brauche keine Sonderangebote
Zitat von sysopDie Auseinandersetzung zwischen*Kartellwächtern und Einzelhandel verschärft sich: Streitpunkt sind vermeintliche Preisabsprachen*mit der Industrie. Die Branche sieht Sonderangebote in Gefahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,736694,00.html
Mir sind konstant faire Preise viel wichtiger. Und natürlich ist es unfair, wenn sich der Discounter von seinem Lieferanten ein "Listgebühr" zahlen lässt, also Geld dafür nimmt, dass er das Produkt überhaupt ins Regal stellt. Wenn "Handelsmarken" unter dem Eigenlabel des Discounters angeboten werden und sich die Herkunft der Waren nicht mehr feststellen lässt, ist das auch nicht im Sinne des Verbauchers. Und wenn der Marmeladenkocher sich selbst kannibalisiert, indem er seine "Marke" teuer anbietet und unter dem Handelslabel die Zweitmarke herstellt, hat das mit Qualitätstransparenz eben auch nichts zu tun. Preise sind nicht alles! Aber mich interessiert, ob meine Schuhe aus Vietnam oder China kommen (China versuche ich zu vermeiden). Also - her mit den Nachteilen für die Schnäppchenjäger! Mehr davon!!!
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