Streit über Bonuszahlungen Commerzbank will Vorstandsvergütung ändern

Die Commerzbank macht offenbar Ernst: Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller kündigte ein neues Vergütungssystem für die Vorstände des Finanzinstituts an. Zugleich kritisierte er die exzessiven Gehälter der Investmentbanker mit ungewöhnlich scharfen Worten.

Commerzbank: Nicht nur beim Logo will das Geldinstitut sich erneuern
ddp

Commerzbank: Nicht nur beim Logo will das Geldinstitut sich erneuern


Düsseldorf - Lernen die Banken doch aus der Finanzkrise? Offenbar zumindest die Commerzbank Chart zeigen: Das zweitgrößte deutsche Geldinstitut will ein neues Vergütungssystem auch für die Vorstände einführen. Dies kündigte der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus-Peter Müller an. Das Mitarbeitermodell habe man bereits vorgestellt, "das für unsere Vorstände wird folgen", sagte Müller dem "Handelsblatt".

Zugleich kritisierte Müller, der auch Vorsitzender der Regierungskommission "Corporate Governance Kodex" ist, die Vergütungspraxis angelsächsischer Banken: "Wenn es heute heißt, es gebe große Probleme, die exzessiven Boni der Investmentbanker einzuschränken, dann habe ich dafür überhaupt kein Verständnis."

Es gebe weltweit zehn große Investmentbanken. "Warum können sich die nicht darauf verständigen, keine exzessiven Gehälter mehr zu zahlen?" Müller sagte: "Mit unserer sozialen Marktwirtschaft sind wir in der Vergangenheit nicht schlecht gefahren. Da wünsche ich mir ein neues gesundes europäisches Selbstbewusstsein." Zugleich kritisierte er auch in Deutschland Abwerbeprämien oder sogenannte "Goldene Fallschirme" für gefeuerte Manager; diese zeugten von Söldnermentalität.

Bank folgt Empfehlungen des Gesetzgebers

Die Commerzbank hatte am Dienstag mitgeteilt, dass sie die Boni der Mitarbeiter unterhalb der Vorstandsebene an die langfristige Unternehmensentwicklung koppeln wolle. Nach den neuen Bestimmungen erhalten die rund 500 Manager der ersten und zweiten Führungsebene sowie die übrigen außertariflich bezahlten Mitarbeiter ab 1. Januar 2010 einen nicht näher bezifferten Teil ihrer Bonuszahlungen als sogenannte "Share Awards", die erst drei Jahre später zur Auszahlung kommen.

Als "Share Awards" werden von der Bank virtuelle Aktien bezeichnet. Die tatsächliche Barauszahlung hängt also von der mittelfristigen Entwicklung des Aktienkurses ab. Die Festgehälter bleiben unverändert. Bei Investmentbankern kann die Bank in Zukunft sogar bereits zugesagte Gratifikationen später wieder einkassieren.

Mit der Neustrukturierung folgt die teilverstaatlichte Bank Regeln des im Sommer verabschiedeten Gesetzes zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung. Außerdem kommt sie Forderungen des Bankenrettungsfonds Soffin nach. Derzeit sind die Vorstandsvergütungen wegen der Staatshilfe für die Bank noch auf 500.000 Euro begrenzt.

böl/AP/Dow Jones

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jinky, 08.07.2009
1.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Sie hätten umsteuern müssen bzw. man hätte sie zu einem Umsteuern zwingen müssen.
Pinarello, 08.07.2009
2.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Warum sollten diese Gangster umsteuern? Jetzt gibt es doch unbegrenzten Kredit vom Staat der auch noch gleich die Verluste übernimmt! Also dann, warten halt bis zur nächsten Krise, die natürlich weit weit schlimmer werden wird, aber warum sollten denn die Politiker ausgerechnet gegen die Leute was unternehmen, von denen sie bezahlt werden und von denen sie ihre Befehle empfangen, hat doch dieses Mal ausgezeichent geklappt, die Folgen dieses Finanzverbrechens dem arbeitenden Bürger und Steuerzahler in die Schuhe zuschieben, genau so stellt sich die Finanzelite doch die Weltherrschaft vor.
schensu 08.07.2009
3.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Pah, als ob da unsere Meinung zählte! Das Ganze ist ein Selbstläufer, abgehoben von bekannten Realitäten zum Nutzen Weniger und ggf. Schaden Vieler. Ich brauch die jedenfalls mal gar nich.
Schelm-77 08.07.2009
4. Die Banken kehren zum gewohnten Geschäft zurück...
Am effektivsten läßt sich die Geldgier der Banker stoppen indem man sie einfach weitermachen läßt. Der nächste Crash wird einen frischen Wind durch die meist hohlen Köpfe der Finanzgenies pusten. Einen neuen weltweiten Rettungsfonds wird es dann mit Sicherheit auch nicht mehr geben. Der normalen Anleger sollte sein Geld allerdings vorher in Sicherheit bringen und in Edelmetalle, Edelsteine oder Immonbilien investieren. Im Zweifelsfalls tut es übergangsweise auch der bewährte Sparstrumpf. Den Banken geht es in erster Linie um ihr eigenes Wohl, dementsprechend sollte auch jeder Bürger erst einmal an sich selbst denken und ein erhöhtes Mißtrauen in Sachen Finanzwirtschaft aufbauen.
THM, 08.07.2009
5.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Noch erstaunlicher als die Unfähigkeit dieser Branche ist deren dreiste Gier.
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