Streit um McDonald's-Melodie Da-da-da-da-daaa, ich klage jetzt

Sind ein paar schlichte Töne geistiges Eigentum? Ein Münchner Komponist behauptet, er habe die Melodie zu dem Werbeslogan "Ich liebe es" erfunden - und verklagt die Fast-Food-Kette McDonald's, die alle Vorwürfe zurückweist. Es geht um Hunderttausende Euro.
Von Samuel Jackisch
Leuchtreklame von McDonald's: Schadensersatzklage gegen die Fast-Food-Kette

Leuchtreklame von McDonald's: Schadensersatzklage gegen die Fast-Food-Kette

Foto: A3483 Matthias Schrader/ dpa

Hamburg - Das Münchner Landgericht muss eine krude Geschichte aufklären: Nutzt McDonald's die Melodie zu seinem Werbeslogan "Ich liebe es" zu Recht? Der Münchener Komponist Stephan O. behauptet, die Fast-Food-Kette habe den Jingle geklaut. Nun hat der Musiker das Unternehmen verklagt.

Geht es nach Stephan O.s Anwalt, ist die Melodie so entstanden: Im Jahr 2003 beauftragte die Werbeagentur Heye & Partner im Auftrag von McDonald's   den Komponisten damit, den Slogan "Ich liebe es" in einem Hip-Hop-Song zu vertonen. In seinem Studio habe sich O. dann mit Musikern und Mitarbeitern der Werbeagentur "zwei Nächte lang eingeschlossen" und den Song komponiert.

Was dann passierte, ist umstritten. Die Werbeagentur sei von der CD begeistert gewesen, sagt der Anwalt der Klägerseite, Gregor Schneider. Man habe den Song aber erst noch dem Chef von McDonald's vorspielen wollen. Als Aufwandsentschädigung sei Stephan O. "mit 1500 Euro und zwei Flaschen Champagner abgespeist" worden. Das lasse sich auch mit Rechnungen belegen. Danach habe Stephan O. nie wieder etwas von McDonald's gehört.

Später sei die CD in dem Münchener Tonstudio von Franco T. aufgetaucht - und der soll dann von McDonald's für den "Ich liebe es"-Jingle fürstlich entlohnt worden sein. Franco T. soll Stephan O. sogar später mit den Worten verhöhnt haben: "Danke, dass du mich zum Millionär gemacht hast." Sagt O.s Anwalt.

Hoher Schadensersatz gefordert

Die Gegenseite sieht die Sache anders. Sie sieht Franco T. als rechtmäßigen Urheber des Jingles; er habe die Version von Stephan O. nie gehört. Mit Hinweis auf das laufende Verfahren lehnt McDonald's weitere Kommentare zu den Ereignissen von damals ab.

Die Sache liegt lange zurück, geklagt wird aber erst jetzt. Stephan O. habe eine schwere Krankheit überwinden müssen, bevor er sich für das Verfahren fit genug fühlte, sagt sein Anwalt Gregor Schneider. Er arbeitet nach eigener Auskunft auf Erfolgsbasis - er verdient also nur, wenn Stephan O. den Prozess gewinnt. Um sicher zu gehen, habe er die streitbaren Musikstücke vorher einem nicht eingeweihten Musik-Professor vorgespielt. Dieser habe bestätigt, dass die heute verwendete Version von Franco T. nur minimal von der Version von Stephan O. abweicht.

Nun geht es um viel Geld: Weil der Jingle weltweit ausgestrahlt wurde, schätzt Anwalt Schneider den Streitwert auf mehrere hunderttausend Euro. Bevor am zuständigen Landgericht München um Entschädigungen gestritten werden kann, muss aber geklärt werden, wer der geistige Urheber der Melodie ist.

Grundsatzentscheidung erwartet

Das Gericht muss in diesem Verfahren Grundsatzfragen klären. Ist eine Folge von nur vier Tönen ("Ich liebe es") allein überhaupt schutzwürdig? Kann ein so kurzes Stück ein "Ausdruck individueller geistiger Schöpfung" sein?

Experten sehen nur geringe Chancen für eine erfolgreiche Klage. Urheberrechts-Anwalt Sebastian Graalfs aus Berlin sagt: "Zwar können auch kurze Tonfolgen Urheberschutz genießen. Aber reine Einprägsamkeit genügt dafür nicht. Jeder erkennt zum Beispiel den Anfang von 'Beethovens Fünfter'. Trotzdem sind die ersten vier Töne allein nicht unbedingt schutzfähig."

Der vorsitzende Richter Thomas Käss hat damit ebenfalls ein Problem. Er bezeichnete den umstrittenen Burger-Jingle als "melodisch relativ wenig ausgeprägt". Deshalb macht er dem Kläger wenig Hoffnung: "Wir halten es für höchst wahrscheinlich, dass die Tonfolge nicht schutzwürdig ist."

Klänge, die jeder kennt

Der Konflikt ist ein Dilemma. Einerseits liegt in der Kürze eines Ton-Stückes oft dessen Genialität, besonders bei sogenannten Hörmarken. Die Erkennungsmelodien von Nokia  , der Telekom  , dem Microsoft  -Betriebssystem Windows oder dem Chip-Hersteller Intel   haben weltweit hohen Wiedererkennungswert - gleiches gilt für den Jingle von McDonald's. Andererseits kann es bei kurzen Tonfolgen leichter zu "Doppelschöpfungen" kommen, wenn zwei Komponisten auf dieselbe Idee kommen.

Am 24. Februar will das Landgericht München nun entscheiden, wie es im Fall von McDonald's weitergeht. Um die widersprüchlichen Aussagen aufzuklären, wird das Gericht um eine umfangreiche Beweisaufnahme nicht herumkommen.

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