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Royal Mail: Britanniens letzter Staatskonzern

Foto: Matt Cardy/ Getty Images

Streit um Umstrukturierung Britische Post stellt 30.000 Streikbrecher ein

Großbritannien droht das Brief-Chaos. Mit umfassenden Streiks wollen Gewerkschaften die staatliche Post lahmlegen. Das Management von Royal Mail geht nun auf Konfrontationskurs - Zehntausende Aushilfspostler sollen den geplanten Arbeitsausstand ausbremsen.

Hamburg - Sie privatisierte British Telecom, diverse Energieversorger und Rolls-Royce - nur Royal Mail tastete die konservative Premierministerin Margaret Thatcher in den achtziger Jahren nicht an. Nun soll das Postunternehmen zumindest teilweise renoviert werden - und wie damals bei anderen Staatskonzernen gibt es erbitterten Widerstand der Gewerkschaften.

Seit Monaten liegt die Communication Workers Union (CWU) mit dem Management von Royal Mail im Clinch, nun droht ein umfassender und langandauernder Streik. Am Donnerstag soll er beginnen, am Freitag werden in Großbritannien voraussichtlich kaum noch Sendungen abgeholt. Die Aktionen könnten sich über Monate hinziehen - und vor Weihnachten ein Zustellchaos verursachen.

Royal Mail hat fast 180.000 Angestellte und gilt als behäbige Behörde. Der Staatskonzern verliert seit Jahren Kunden an private Wettbewerber. 2008 brach die Anzahl der versandten Briefe um zehn Prozent ein.

Armee von Aushilfspostlern

Wirtschaftminister Peter Mandelson glaubt deshalb, dass der geplante Streik "selbstmörderisch" ist. Das Management sieht das offenbar ähnlich. Vorstandschef Adam Cozier hält den Streik für einen "erschreckenden und ungerechtfertigten Angriff auf die Kunden" - und setzt auf Konfrontation. Wie Royal Mail am Sonntag bekanntgab, wird das Unternehmen eine Armee von 30.000 Aushilfskräften einstellen, um die Auswirkungen des Streiks zu minimieren.

"Das ist nicht nur eine Provokation seitens Royal Mail", erklärte ein CWU-Sprecher. "Sie wollen die Gewerkschaft und unser Tarifsystem für immer ruinieren." Nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter bestätigt der Plan des Managements die schlimmsten Befürchtungen.

Erst am Freitag hatte die BBC-Sendung "Newsnight" über ein internes Strategiepapier berichtet, laut dem Royal Mail eine weitreichende Umstrukturierung und die Streichung Zehntausender Arbeitsplätze ohne Einbindung der Gewerkschaften, dafür aber mit der Zustimmung der Regierung durchdrücken will.

Angst vor Ausschreitungen

Royal Mail stellt jedes Jahr zu Weihnachten Aushilfskräfte ein, normalerweise liegt ihre Zahl jedoch nur bei 10.000 bis 15.000. Im krisengeschüttelten Großbritannien ausreichend Personal zu finden, dürfte freilich kein Problem sein. Nach Unternehmensangaben liegen für die 30.000 Jobs bereits 85.000 Bewerbungen vor.

Ob die zusätzlichen Mitarbeiter ausreichen, um ein vorweihnachtliches Chaos vor allem im Großraum London zu vermeiden, ist unklar. Wie der britische "Guardian" berichtet, stellt sich die Polizei bereits darauf ein, dass es bei der mutmaßlich größten Tarifauseinandersetzung seit den Bergarbeiterstreiks Mitte der Achtziger auch zu Gewaltausbrüchen kommen könnte, falls die Gewerkschafter sogenannte picket lines errichten - Sperren, die Streikbrecher davon abhalten sollen, zur Arbeit zu gelangen.

Einer der größten Paketversender des Landes, der Online-Händler Amazon, hat bereits vorgesorgt: Er verschickt seit kurzem fast alle Sendungen über Royal Mails privaten Konkurrenten Home Delivery Network.

hil/Reuters
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