Stresstests Irische Banken brauchen 24 Milliarden Euro mehr

Stunde der Wahrheit für Irlands Banken: Die Finanzinstitute haben einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 24 Milliarden Euro. Damit steigen die gesamten Kosten für die Rettung der Branche auf 70 Milliarden Euro - rund die Hälfte der jährlichen Wirtschaftsleistung.
Bankenviertel in Dublin: Die irische Finanzbranche leidet

Bankenviertel in Dublin: Die irische Finanzbranche leidet

Foto: © Luke MacGregor / Reuters/ REUTERS

Dublin - Wie viele Milliarden fehlen den irischen Banken? Die Antwort auf diese Frage wurde in Dublin mit Spannung erwartet. Am Donnerstagnachmittag veröffentlichte die irische Zentralbank die Zahl: In den kommenden Monaten werden weitere 24 Milliarden Euro benötigt, um die Stabilität der Bank of Ireland, der Allied Irish Banks (AIB), der EBS und der Irish Life and Permanent (IL&P) sicherzustellen. Das gab der Chef der irischen Zentralbank, Patrick Honohan, bekannt.

Damit würden die geschätzten Gesamtkosten für die Bankenrettung in Irland seit 2009 auf 70 Milliarden Euro steigen. Diese Summe entspricht rund der Hälfte der jährlichen Wirtschaftsleistung Irlands. Zum Vergleich: Müsste Deutschland seinen Bankensektor in ähnlichem Umfang retten, wären weit mehr als eine Billion Euro fällig.

Die irische Regierung will noch am Abend ein Konzept zur Restrukturierung des Finanzsektors verkünden. Die in den Boomjahren aufgeblähte Bankenlandschaft soll deutlich verkleinert werden.

Handel der Bankaktien ausgesetzt

Die Stresstests bei den vier Banken hatten verschiedene Szenarien durchgespielt. Damit sollte Klarheit über deren tatsächliche Finanzlage hergestellt werden. Bereits in den vergangenen Tagen hatte die Regierung eingeräumt, dass die Banken des Landes zusätzlichen Kapitalbedarf in Milliardenhöhe haben. Wegen hoher Belastungen aus der Bankenkrise musste der Inselstaat Ende 2010 unter den europäischen Rettungsschirm flüchten.

Am Donnerstag wurden die Aktien von zwei irischen Instituten vom Handel ausgesetzt. Betroffen waren die Bank of Ireland und die AIB. In einer gemeinsamen Erklärung der Irish Stock Exchange und der irischen Zentralbank hieß es, die 24-stündige Aussetzung sei notwendig, um Marktunruhen zu verhindern. Bereits am Mittwoch war die Aktie der IL&P vom Handel ausgesetzt worden. Der Handel mit den Aktien aller drei Geldhäuser soll am Freitag wieder aufgenommen werden.

Wie schlecht es um die irischen Banken steht, zeigt sich auch bei der Anglo Irish Bank. Das vor der Auflösung stehende Institut bestätigte den höchsten Verlust in der Wirtschaftsgeschichte des Landes. 17,7 Milliarden Euro verlor Anglo Irish 2010. Im Jahr 2009 hatte die Bank 12,7 Milliarden Euro Minus gemacht.

Zusammen sind die Verluste der verstaatlichten Bank für beinahe ein Drittel der irischen Staatsschulden verantwortlich. Die Regierung sieht sich deshalb in ihrer Ansicht bestätigt, dass Anglo Irish das gesamte Bankensystem des Landes mitgerissen hätte, wäre die Bank 2008 nicht gerettet worden.

böl/Reuters/dapd
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