Energierekord 40 Prozent des deutschen Stroms waren 2018 öko

Erneuerbare Energien tragen einen immer größeren Teil der deutschen Stromversorgung. Im Jahr 2018 waren es erstmals mehr als 40 Prozent. Ein Grund dafür: der sonnige Sommer.
Windenergiepark in Brandenburg

Windenergiepark in Brandenburg

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Der Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Strommix ist im abgelaufenen Jahr erstmals über 40 Prozent gestiegen. Laut Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) produzierten Wind-, Solar-, Biomasse- und Wasserkraftwerke 2018 zusammen knapp 219 Terawattstunden (219 Milliarden Kilowattstunden) Elektrizität, das waren 40,3 Prozent der gesamten Netto-Stromerzeugung.

Vor allem Solar- und Windkraftanlagen lieferten laut Fraunhofer ISE deutlich mehr Strom ins Netz als 2017; damals hatten die regenerativen Quellen insgesamt 38,2 Prozent Anteil. Im Gegenzug ging insbesondere die Produktion von Gas- und Steinkohlekraftwerken zurück; die von Braunkohlekraftwerken hingegen kaum.

Die Netto-Stromerzeugung ist die Elektrizität, die Kraftwerke ins öffentliche Netz einspeisen: nach Abzug ihres eigenen Strombedarfs, ihrer eigenen Energieverluste und ohne industrielle Eigenstromerzeugung. Das Freiburger Fraunhofer-Institut stützt seine Berechnungen auf Daten der Strombörse EEX, der Netzbetreiber und des Statistischen Bundesamts.

"Der Anteil der Erneuerbaren ist 2018 wieder gestiegen, aber es geht nicht schnell genug voran", sagte Bruno Burger, Professor am Fraunhofer ISE, dem SPIEGEL. "Wenn Deutschland mit dieser Geschwindigkeit fortfährt, werden wir unsere Ziele für 2030 verpassen".

Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, bis 2030 den Ökostromanteil auf 65 Prozent zu steigern. Mit der derzeitigen Energiepolitik sei dies aber nicht zu erreichen, meint Burger. "Gerade die Photovoltaik wird ausgebremst" - obwohl die einst extrem hohe staatlich garantierte Einspeisevergütung für Solaranlagen drastisch gesunken sei.

Dennoch schoss 2018 die Produktion von Sonnenstrom um 16 Prozent nach oben - laut Burger vor allem wegen des heißen und trockenen Sommers. In der ersten Juliwoche etwa lieferten Solarmodule zwei Fünftel der gesamten deutschen Netto-Stromerzeugung.

Windparks, die im Sommer oft Flaute erleben, laufen im Winter auf Hochtouren. In der Woche um Nikolaus lieferten sie mehr als 60 Prozent; übers gesamte Jahr steuerten sie 2018 erstmals mehr als ein Fünftel zum Strommix bei. Mit einer Produktion von 111 Milliarden Kilowattstunden ist die Windkraft Deutschlands zweitwichtigste Stromquelle.

Nummer eins ist immer noch die Braunkohle mit 131 Terawattstunden. Obwohl die Preise der Zertifikate für den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) im Jahresverlauf stark stiegen, ging die besonders CO2-intensive Produktion von Braunkohlestrom nur um zwei Prozent zurück. Hauptgrund hierfür ist, dass sich Elektrizität aus Braunkohle hierzulande günstiger erzeugen lässt als aus anderen fossilen Quellen wie etwa Erdgas. Und Deutschlands größter Braunkohleverstromer, der Energieriese RWE, hat sich schon für mehrere Jahre im Voraus mit billigen CO2-Zertifikaten eingedeckt.

Für seine eigene Versorgung könnte Deutschland vermutlich mit deutlich weniger Braunkohlestrom auskommen. Laut den Fraunhofer-ISE-Zahlen exportierten deutsche Stromerzeuger 2018 netto mehr als 45 Milliarden Kilowattstunden ins Ausland. "Die Braunkohlekraftwerke im rheinischen Revier stehen nahe der Grenze. Sie können den Strom direkt über Hochspannungsleitungen in die Niederlande verschieben", sagt Burger. "Wir müssen bis 2030 aus der Braunkohle aussteigen, anders kriegen wir die Klimaziele nicht hin."

Anfang Februar soll die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission mit Vertretern aus Politik, Unternehmen, Wirtschafts- und Umweltverbänden ihren Masterplan für den Kohleausstieg vorlegen. Eine mögliche Schließung aller Braunkohlekraftwerke und Tagebaue bis 2030 gilt als höchst unwahrscheinlich.