Steigende Kosten Strompreise in Deutschland erreichen Rekordniveau

Privathaushalte müssen derzeit so viel für Strom bezahlen wie noch nie - und der Anstieg wird sich dem Vergleichsportal Verivox zufolge verfestigen. Die Entwicklung an der Strombörse lässt zumindest hoffen.
Stromtrasse bei Zeil am Main: 826 Grundversorger haben die Preise erhöht

Stromtrasse bei Zeil am Main: 826 Grundversorger haben die Preise erhöht

Foto: Nicolas Armer/ dpa

In Deutschland sind die Strompreise für die privaten Haushalte kräftig angestiegen. Im bundesweiten Durchschnitt koste eine Kilowattstunde Strom derzeit 29,42 Cent, teilte das Vergleichs- und Vermittlungsportal Verivox mit. Auch das Portal Check24 berichtete von einem Rekord beim durchschnittlichen Strompreis, der im März den siebten Monat in Folge gestiegen sei.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben laut Verivox etwa zwei Drittel der 826 Grundversorger in Deutschland die Preise erhöht - und zwar um durchschnittlich rund fünf Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden sind das Mehrkosten von rund 60 Euro im Jahr. Für April und Mai hätten weitere 62 Grundversorger Preiserhöhungen angekündigt. Vereinzelte Versorger haben aber auch die Preise gesenkt. Laut Verivox senkten von Januar bis März 24 Anbieter ihren Tarif um durchschnittlich rund zwei Prozent.

Ein Ende der Preisrunde ist vorerst wohl nicht in Sicht. "Dieser Anstieg wird sich auch in den kommenden Monaten weiter verfestigen", erwartet Valerian Vogel von Verivox. Auch Check24 geht bei der Grundversorgung "zunächst von weiter steigenden Strompreisen aus".

Entlastung für die Haushalte geplant

Die Verbraucher bekommen mit Verzögerung die im vergangenen Jahr gestiegenen Beschaffungspreise der Versorger zu spüren. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur lag der Großhandelspreis für Strom 2018 im Durchschnitt um rund 30 Prozent über dem Durchschnittspreis für 2017.

In den vergangenen Monaten hat sich der Anstieg an der Strombörse allerdings verlangsamt und lag unter den Höchstwerten vom Herbst 2018. "Beim Großhandelspreis ist eine Seitwärtsentwicklung mit leicht fallender Tendenz zu beobachten", sagte Fabian Huneke vom Berliner Beratungsunternehmen Energy Brainpool.

Auf den Preis für den Haushaltsstrom hat der Rückgang bei den Großhandelspreisen laut Huneke aber vorerst nur geringe Auswirkungen. "Dafür sind die Rückgänge zu gering", sagte der Experte. Die Beschaffungskosten machen nach Branchenangaben nur etwa 18 Prozent des Endpreises aus.

Größeres Gewicht am Gesamtpreis haben Netzentgelte, EEG-Umlage sowie Steuern und Abgaben. An dieser Stelle könnte es aber eine Entlastung der Haushalte bei weiter steigenden Strompreisen geben. Die Kohlekommission hat vorgeschlagen, dass der Bund von 2023 an Privatleuten und Unternehmen einen Zuschuss zu den Netzentgelten zahlen soll.

apr/dpa
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