Steigende Kosten Strompreise in Deutschland erreichen Rekordniveau

Privathaushalte müssen derzeit so viel für Strom bezahlen wie noch nie - und der Anstieg wird sich dem Vergleichsportal Verivox zufolge verfestigen. Die Entwicklung an der Strombörse lässt zumindest hoffen.

Stromtrasse bei Zeil am Main: 826 Grundversorger haben die Preise erhöht
DPA

Stromtrasse bei Zeil am Main: 826 Grundversorger haben die Preise erhöht


In Deutschland sind die Strompreise für die privaten Haushalte kräftig angestiegen. Im bundesweiten Durchschnitt koste eine Kilowattstunde Strom derzeit 29,42 Cent, teilte das Vergleichs- und Vermittlungsportal Verivox mit. Auch das Portal Check24 berichtete von einem Rekord beim durchschnittlichen Strompreis, der im März den siebten Monat in Folge gestiegen sei.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben laut Verivox etwa zwei Drittel der 826 Grundversorger in Deutschland die Preise erhöht - und zwar um durchschnittlich rund fünf Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden sind das Mehrkosten von rund 60 Euro im Jahr. Für April und Mai hätten weitere 62 Grundversorger Preiserhöhungen angekündigt. Vereinzelte Versorger haben aber auch die Preise gesenkt. Laut Verivox senkten von Januar bis März 24 Anbieter ihren Tarif um durchschnittlich rund zwei Prozent.

Ein Ende der Preisrunde ist vorerst wohl nicht in Sicht. "Dieser Anstieg wird sich auch in den kommenden Monaten weiter verfestigen", erwartet Valerian Vogel von Verivox. Auch Check24 geht bei der Grundversorgung "zunächst von weiter steigenden Strompreisen aus".

Entlastung für die Haushalte geplant

Die Verbraucher bekommen mit Verzögerung die im vergangenen Jahr gestiegenen Beschaffungspreise der Versorger zu spüren. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur lag der Großhandelspreis für Strom 2018 im Durchschnitt um rund 30 Prozent über dem Durchschnittspreis für 2017.

In den vergangenen Monaten hat sich der Anstieg an der Strombörse allerdings verlangsamt und lag unter den Höchstwerten vom Herbst 2018. "Beim Großhandelspreis ist eine Seitwärtsentwicklung mit leicht fallender Tendenz zu beobachten", sagte Fabian Huneke vom Berliner Beratungsunternehmen Energy Brainpool.

Auf den Preis für den Haushaltsstrom hat der Rückgang bei den Großhandelspreisen laut Huneke aber vorerst nur geringe Auswirkungen. "Dafür sind die Rückgänge zu gering", sagte der Experte. Die Beschaffungskosten machen nach Branchenangaben nur etwa 18 Prozent des Endpreises aus.

Größeres Gewicht am Gesamtpreis haben Netzentgelte, EEG-Umlage sowie Steuern und Abgaben. An dieser Stelle könnte es aber eine Entlastung der Haushalte bei weiter steigenden Strompreisen geben. Die Kohlekommission hat vorgeschlagen, dass der Bund von 2023 an Privatleuten und Unternehmen einen Zuschuss zu den Netzentgelten zahlen soll.

apr/dpa



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donyduck 01.04.2019
1. Freier Markt im Strombereich
...in ganz Europa wünsche ich mir. Dann kann ich selber entscheiden, ob ich meinen Strom in Frankreich oder in Dänemark einkaufe. Durch die hohen Subventionierungen im "Ökostrombereich" kommen viele ausländische Investoren nach Deutschland mit der Agenda, möglichst viele Windmühlen in Deutschland zu kaufen....und das tun sie bestimmt nicht, um die Subventionierungen, die hier auf die Kilowattstunde Ökostrom gezahlt werden hier wieder zu investieren.
kai_4711 01.04.2019
2. Strom selber machen hilft
Ob Balkonsolaranlage oder Photovoltaik auf dem Dach/Carport, selber Strom erzeugen kostet nur 8-10ct die kWh. Meine 10kw PV bekommt diesen Sommer noch einen Tesla Hausspeicher damit kann der eigene Solarstrom auch nachts genutzt werden. Balkonsolarmodul gibt es schon ab ca. 300€, also los!
schnubbeldu 01.04.2019
3. Nach den Gaskostenexplosion ...
.... kommt nun die nächste Warnung von Vergleichsportalen! Vielleicht sollte man die Vergleichsportale mal checken. ;-) Am Besten fährt man, wenn man sich Energieversorger aus dem näheren Umkreis von +/- 50km sucht, da hat man selber eine ausreichende Anzahl von Anbietern. Ich habe selber gerade vor ca. 8 Monaten den Anbieter nach mehr als 15 Jahren gewechselt. Warum? Weil eine Grundgebühr monatl. um ca. 300% angestiegen ist, eine Vervierfachung der Grundgebühr ist für mich nicht eine "einfache" Preisanpassung, sondern Abzocke. Da kann mir der Anbieter noch so viel erzählen, er hätte zuletzt vor 10 Jahren die Gebühren erhöht. Hätte er vielleicht turnusgemäß alle 2 bis 4 Jahren eine entsprechende moderate Erhöhung vorgenommen, hätte ich es nachvollziehen können. Aber auf einen Schlag von knapp 65 Euro auf über 220 Euro erhöhen, schlägt dann den Boden aus dem Fass.
demokrat2 01.04.2019
4. Hohe Mieten und Energiepreise ...
.... nehmen den "deutschen Michel" schamlos aus. Und es trifft wieder die Ärmsten, weil bei denen jeder Cent zählt. Dafür haben die meisten Unternehmen niedrigere Preise. Die Masse bringt es. Wann schreitet die Politik ein? Wann wird etwas unternommen gegen die Abzockerei in Deutschland?
skitime 01.04.2019
5. Kohlestrom
Wenn der Wind bläst, die Sonne scheint, dann wird großen Verbrauchern auch noch Geld bezahlt, dass man den Strom verbraucht. Eine Mitschuld tragen die Kohlekraftwerke, die schwer regelbar sind und auch in diesen Niederlastzeiten viel Geld kosten. Dieses Geld muss an andere Stelle verdient werden, also beim Privatverbraucher. Es gibt bis heute kein wirkliches Projekt für Stromspeicher in Deutschland. Das letzte mir bekannt geplante Pumpspeicherwerk im Schwarzwald wurde letztes Jahr verworfen... Für die Energiewende benötigen wir nicht nur Stromtrassen, sondern auch Speichertechnologie. Das wird mit Batterien alleine nicht machbar sein. Darüber spricht niemand. Solange das nicht geklärt wird, bleibt es teuer.
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