Studie GM kann Opel ohne Staatshilfe sanieren

Endlos hatten Bund und Länder über Staatshilfen für die notleidende GM-Tochter Opel gestritten - doch inzwischen besteht kaum mehr Entscheidungsdruck. Ein gutes Autogeschäft und der starke Dollar spülen General Motors genug Geld in die Kasse, um die Sanierung selbst zu finanzieren.

Opel-Werk in Bochum: Ungebremster Verlust von Marktanteilen
ddp

Opel-Werk in Bochum: Ungebremster Verlust von Marktanteilen


Frankfurt am Main/Duisburg/Bochum - Dank guter Geschäfte und eines schwachen Euro kann der US-Autokonzern General Motors (GM) die Sanierung der Tochter Opel nach Expertenmeinung aus eigener Kraft stemmen. "GM kann Opel besser und schneller ohne deutsche Staatshilfe sanieren. GM besitzt dazu die notwendige Liquidität", schreibt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen, in einer Analyse. Durch das unerwartet gute Automobilgeschäft mit hohen zweistelligen Zuwachsraten beim Absatz in Amerika und Asien habe GM deutlich mehr Bargeld zur Verfügung als erwartet.

Außerdem müsse GM inzwischen deutlich weniger für die Restrukturierung der Tochter aufbringen als im November 2009 gedacht. Als GM den Wunsch nach einer Staatsbürgschaft über 1,3 Milliarden Euro geäußert habe, kostete ein Euro noch 1,50 Dollar. Inzwischen sei der Kurs kräftig gesunken, zuletzt auf unter 1,24 Dollar. Damit müsse GM über 300 Millionen Dollar weniger an Krediten aufnehmen als ursprünglich gedacht, um die Sanierung selbst zu finanzieren.

Wesentliche Vorteile

Aus Sicht des Experten hätte der Verzicht auf deutsche Staatshilfe auch für GM wesentliche Vorteile. "Die Marke, die in Deutschland ungebremst Marktanteile verliert, kann ihre Image-Verschlechterung aufhalten, wenn die Diskussionen um Staatshilfe eingestellt werden", argumentiert Dudenhöffer. Zudem könne das Opel-Management den Sanierungsplan schneller umsetzen und sich deutlich stärker als bislang für neue Produkte engagieren. Zuletzt habe das Bemühen um Staatshilfen das Management zu viel Zeit gekostet: "Opel hat sich durch seinen verbissenen Kampf für Staatshilfen selbst Fesseln angelegt, die seine Marktperformance schwächen."

Ob Opel auf deutsche Staatshilfen bauen kann, steht weiter in den Sternen. Vor einem Treffen des Bürgschaftsausschusses von Bund und Ländern am vergangenen Mittwoch hatte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erneut seine Skepsis bekräftigt. Mit Abklingen der Wirtschaftskrise müsse man zur Normalität zurückkehren, sagte er. Der Staat könne nicht ständig mit dem Feuerlöscher herumrennen.

Auch im Bürgschaftsausschuss scheint derzeit keine Mehrheit für eine Finanzspritze in Sicht. In der letzten Sitzung konnte sich das Gremium, in dem auch Vertreter der Bundesländer mit Opel-Standorten sitzen, nicht zu einer klaren Empfehlung durchringen.

mik/dpa-AFX



insgesamt 305 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cartman0815 09.02.2010
1.
Klare Antwort, NEIN. Sollen sie doch den Laden dicht machen.
BeckerC1972, 09.02.2010
2.
Zitat von cartman0815Klare Antwort, NEIN. Sollen sie doch den Laden dicht machen.
Sehe ich genauso. Schade für die Opelaner, aber es gibt ja dann halt eine höhere Nachfrage bei anderen Anbietern und damit dann halt dort Jobs.
festuca 09.02.2010
3. Gebt die Kohle den Rüsselsheimern Opelanern !
Macht bei 1,5 Milliarden und 3200 wegfallenden Jobs fast eine halbe Million pro Nase, sollte für einen geruhsamen Lebensabend oder eine Existenzgründung reichen. GM würde das Geld ohnehin verbrennen oder davon ein neues Werk in China bauen.
sosonaja 09.02.2010
4.
Macht doch endlich dieses Faß ohne Boden zu. Mit dem Geld kann man viele wettbewerbsfähigere Unternehmen unterstützen.
Melwach 09.02.2010
5.
Lokal ist der Verlust so vieler Arbeitsplätze eine kleinere Katastrophe, aber man muss sich schon fragen wie lange, wie oft und mit welchen Beträgen denn ein Staat die Misswirtschaft von Unternehmen ausgleichen darf und sollte. Moralisch ist es eh schon kaum zu rechtfertigen, dass gewisse Branchen Millardensummen bekommen und sich um den Rest wenig bis gar nicht gekümmert wird. Gleiches Recht für alle, und irgendwann sollten die lebenserhaltenden Maßnahmen auch mal eingestellt und der Patient zu Grabe getragen werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.