Studie Top-Manager verdienen durchschnittlich 1,1 Millionen Euro

Vorstände in Deutschland verdienten im vergangenen Jahr immer noch üppig - trotz Krise: Am besten sind Top-Manager laut einer Studie bei Energiekonzernen, Banken und Versicherungen bezahlt. Viele Unternehmen entziehen sich allerdings der Pflicht, Spitzengehälter zu veröffentlichen.

Unternehmen an der Börse: Top-Verdiener kommen aus Dax-Konzernen
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Unternehmen an der Börse: Top-Verdiener kommen aus Dax-Konzernen


Köln - 1,1 Millionen Euro für den Vorstandschef, 688.000 Euro für reguläre Vorstandsmitglieder: Die Durchschnittseinkommen der Top-Manager von börsennotierten Unternehmen waren im vergangenen Jahr trotz Finanz- und Wirtschaftskrise großzügig. Das geht aus der "Studie Managergehälter 2010" hervor, die Spitzenverdienste in 239 börsennotierten Unternehmen nennt. Allerdings verdienten die Chefs "deutlich weniger" als vor dem Abschwung. Konkrete Vergleiche zur Zeit vor der Krise nennt die Studie nicht.

Die Gehälter unterscheiden sich je nach Branche und Größe des Unternehmens deutlich. Am meisten erhielten Manager der Energieversorger: Bei ihnen gab es 2009 für den Vorstandsvorsitzenden im Schnitt gut vier Millionen Euro, für einfache Vorstandsmitglieder rund 2,2 Millionen. Auf durchschnittlich 3,4 Millionen Euro Jahresgehalt brachten es die Vorstandschefs bei Banken und Versicherungen.

Mehr als zwei Millionen Euro kassierten Vorstandschefs im Schnitt in den Branchen Auto, Chemie und Konsumgüter. Deutlich weniger als eine Million verdienten dagegen die Top-Manager in der Industriegüter-, Pharma-, Software- und Technologiebranche. Hier war zudem der Abstand zwischen den Gehältern von Vorstandschef und einfachem Vorstandsmitglied geringer.

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Dax-Bosse: Deutschlands Schwerverdiener
Top-Verdiener waren die Spitzenleute der 30 Dax-Konzerne mit gut 3,6 Millionen Euro im Mittel für die Vorstandsvorsitzenden und knapp zwei Millionen Euro für das normale Vorstandsmitglied. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei den Kollegen der im MDax notierten Firmen und etwa das Vierfache der Gehälter für Spitzenleute im SDax notierter Unternehmen.

Ein Fünftel der Unternehmen veröffentlicht Vorstandsgehälter nicht

Allerdings ist das Bild unvollständig, weil einige börsennotierte Unternehmen die Gehälter ihrer Spitzenverdiener nicht veröffentlichen. Die Studie kritisiert, dass ein Fünftel der kapitalmarktorientierten Unternehmen "der ersten Reihe" sich über Hauptversammlungsbeschlüsse von der Pflicht befreit hätten, ihre Vorstandsgehälter offenzulegen. Das sei "Ausdruck einer mangelnden Publizitätskultur".

Seit 2006 sind börsennotierte Aktiengesellschaften gesetzlich verpflichtet, die Vergütung der Vorstandsmitglieder individualisiert und aufgegliedert nach fixen und erfolgsabhängigen Komponenten in sogenannten Vergütungsberichten offenzulegen. Überhöhte Managergehälter und maßlose Bonuszahlungen sind seit der Finanzkrise in die Kritik geraten, vor allem bei staatlich - also mit Steuergeldern - gestützten Banken.

ulz/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Steff-for 07.10.2010
1. Nicht schon wieder
Soll das nun wieder ne neue Neiddebatte werden? Langsam wird peinlich, nachdem zu diesen völlig abgehobenen Gehältern der Oberbonzen in Wirtschaft und Politik eigentlich alles gesagt sein sollte. Dennoch: Leute, ob die Typen fette Kohle machen oder nicht, hängt auch von uns allen ab. Sie gehören in die Wüste gejagt - abgehobene und skrupellose Manager und Konzernchefs, wie auch die sog. Volksvertreter, welche derzeit die neue Staatsform der Lobbykratur aufbauen. Solange wir uns nicht gegen sie auflehnen, solange haben sie auch kein Problem uns auszunehmen und somit immer mächtiger zu werden. Es kommt dann die Zeit, in der wir uns nicht mehr wehren können - dann gnade uns Gott! PS. Man sollte sich die Stuttgarter zum Vorbild nehmen - nicht einlullen lassen!
ElGrande-CG, 07.10.2010
2. .
Zitat von sysopVorstände in Deutschland verdienten im vergangenen Jahr*immer noch üppig -trotz Krise:*Am besten sind Top-Manager laut einer Studie bei Energiekonzernen, Banken und Versicherungen bezahlt. Viele Unternehmen entziehen sich allerdings der Pflicht, Spitzengehälter zu veröffentlichen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,721778,00.html
Die Überschrift enthält einen Fehler, sie hätte lauten müssen: "Top-Manager *bekommen* durchschnittlich 1,1 Millionen. Soviel kann man nicht arbeiten, als dass man diese Summe verdienen könnte. Und Verantwortung übernehmen Manager für ihr Handeln sowieso nicht.
Asirdahan 07.10.2010
3. Die Wahrheit sagen
Die Reichen müssen gepampert werden, sonst kündigen sie ihre Vorstandsjobs, schließen die Betriebe, geben keine Kredite mehr, verlassen das Land und überlassen uns unserem Elend. Die Normalbevölkerung kann nicht so leicht weg. Also ist sie es, die man sich greift. Fazit: Wer reich ist, kann sich jeder Verantwortung entziehen, wenn er es möchte. Dagegen ist die Politik machtlos. Ist das nicht ein grauenvolles Armutszeugnis? Ich erwarte, dass die Politiker wenigstens offen und ehrlich zugeben, dass sie dem Kapital gegenüber machtlos sind.
GeorgAlexander 07.10.2010
4. Wo ist das Problem?
Zitat von AsirdahanDie Reichen müssen gepampert werden, sonst kündigen sie ihre Vorstandsjobs, schließen die Betriebe, geben keine Kredite mehr, verlassen das Land und überlassen uns unserem Elend. Die Normalbevölkerung kann nicht so leicht weg. Also ist sie es, die man sich greift. Fazit: Wer reich ist, kann sich jeder Verantwortung entziehen, wenn er es möchte. Dagegen ist die Politik machtlos. Ist das nicht ein grauenvolles Armutszeugnis? Ich erwarte, dass die Politiker wenigstens offen und ehrlich zugeben, dass sie dem Kapital gegenüber machtlos sind.
Die Deckelung der Steuerprogression abschaffen (und auch einziehungsmäßig durchsetzen) und schon kann die 'Ober'-Klasse von mir aus Milliarden 'verdienen'. Allein die Form der Steuerkurve löst, mathematisch exakt bestimmbar, das 2-Klassenproblem. Jetzt müssten die Politiker, die sich mehrheitlich von der 'Unter'-Klasse wählen lassen haben, dieses nur noch umsetzen... Übrigens ist bei richtiger Parametrisierung der Steuerkurve das Prinzip 'Leistung soll sich auch lohnen' nicht im Geringsten verletzt: Leistung lohnt sich halt mit steigendem Einkommen immer weniger! Einfach, gut und gerecht oder?
VS78 08.10.2010
5. Internationaler Vergleich
Wo ist da der internationale Vergleich? Scheut man bei SPON diesen zu veröffentlichen, weil man weiß dass die deutschen Manager im Vergleich deutlich weniger bekommen?
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