Studie von OECD und Uno Fleisch wird bis 2020 um ein Drittel teurer

Hühnchen als Luxusgut: Weil die Nachfrage nach Lebensmitteln das Angebot übersteigt, werden die Preise laut einer Studie in den nächsten zehn Jahren massiv steigen. Schuld an der dramatischen Entwicklung ist auch der Biosprit-Boom.

Essensverkäufer in Thailand: Preis für Fleisch steigt um bis zu 30 Prozent
DPA

Essensverkäufer in Thailand: Preis für Fleisch steigt um bis zu 30 Prozent


Hamburg - Geflügelfleisch könnte in den nächsten Jahren bei vielen Menschen in armen Ländern von der Speisekarte verschwinden. Der Grund: Die Nachfrage steigt, ohne dass die Produktion im selben Maße mitzieht. Weil in Schwellenländern wie China und Indien dank steigender Löhne zunehmend Huhn und Ente auf den Tisch kommen, soll Geflügel in den kommenden zehn Jahren inflationsbereinigt 30 Prozent teurer werden. Für viele Menschen in Entwicklungsländern dürfte es dann unerschwinglich sein.

Doch nicht nur der Preis für Geflügel soll steigen. Auch Mais, Zucker und pflanzliche Öle werden um 20 Prozent teurer. Zu diesen Ergebnissen kommen die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Uno (FAO) in ihrem "Landwirtschaftsausblick 2011 bis 2020".

Das Dramatische an der Prognose: Die allgemeine Preissteigerung ist bereits herausgerechnet, für Lebensmittel muss am Ende des Jahrzehnts also tatsächlich ein signifikant höherer Teil der Kaufkraft aufgewendet werden.

Die Prognose benennt auch die Ursachen der erwarteten Verteuerung: Der erhöhten Nachfrage aus den Schwellenländern steht eine Verknappung der Ackerflächen gegenüber - vor allem aufgrund des stärkeren Anbaus von Biosprit. Das Getreide von den Feldern landet immer seltener auf dem Teller, sondern zunehmend als Kraftstoff in Autotanks.

Auch Spekulanten treiben die Lebensmittelpreise nach oben

Verstärkt werden die Preissteigerungen auch durch begrenzte Wasservorkommen und ebenfalls steigende Energiepreise. "Höhere Preise sind zwar gut für Landwirte, für jene Menschen aber, die ohnehin schon einen großen Teil ihres Einkommens für Essen aufwenden müssen, sind sie eine Katastrophe", kommentierte OECD-Generalsekretär Angel Gurría den Bericht.

Auch in Deutschland müssen sich Verbraucher bis 2020 auf steigende Preise einstellen. Bislang seien Lebensmittel hierzulande nach wie vor günstig, wie die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungindustrie betonte.

Kommende Woche treffen sich die Landwirtschaftsminister der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in Paris. Dort wollen sie Maßnahmen zur Regulierung und größeren Transparenz der Rohstoffmärkte vereinbaren. Spekulationen auf Rohstoffe werden ebenfalls als Grund für die immer wiederkehrenden Preisexplosionen angesehen.

Die Entwicklungshilfeorganistion Oxfam glaubt jedoch nicht an einen Erfolg des Ministertreffens. Oxfam wirft der G20 unter anderem vor, die Biosprit-Förderung nicht abbauen zu wollen. Es drohe eine "echte Bruchlandung".

Oxfam hatte kürzlich vor den explodierenden Lebensmittelpreisen gewarnt: Die hohen Preise würden die Essgewohnheiten von Menschen in armen Ländern verändern. Diese seien gezwungen, vermehrt zu weniger nahrhaften Lebensmitteln zu greifen.

don/dpa/AFP



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ekel-alfred 17.06.2011
1.
Zitat von sysopHühnchen als Luxusgut: Weil die Nachfrage nach Lebensmitteln das Angebot übersteigt, werden die Preise*laut einer Studie in den nächsten zehn Jahren massiv steigen.*Schuld an der dramatischen Entwicklung ist auch der Biosprit-Boom. * http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,769107,00.html
Tanken oder doch lieber essen? Das ist hier die Frage! Na, denn Prost Mahlzeit!
toshpeter 17.06.2011
2.
Zitat von sysopHühnchen als Luxusgut: Weil die Nachfrage nach Lebensmitteln das Angebot übersteigt, werden die Preise*laut einer Studie in den nächsten zehn Jahren massiv steigen.*Schuld an der dramatischen Entwicklung ist auch der Biosprit-Boom. * http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,769107,00.html
Eine Verteuerung von Fleisch ist nicht dramatisch, sondern vernünftig oder sogar erfreulich. Leider wird dann zwar weniger Fleisch gegessen, aber an Methoden der industriellen Massenproduktion wird sich nichts ändern.
nica27 17.06.2011
3. Für
Zitat von toshpeterEine Verteuerung von Fleisch ist nicht dramatisch, sondern vernünftig oder sogar erfreulich. Leider wird dann zwar weniger Fleisch gegessen, aber an Methoden der industriellen Massenproduktion wird sich nichts ändern.
uns hier in Europa oder generell im Westen mag das ja gelten aber diejenigen, die sich jetzt schon kaum Fleisch leisten können, wie in Afrika oder Asien, bedeutet es noch mehr Mangelernährung. Die Wilderei wird noch mehr zu nehmen, da das Fleisch billig verkauft wird. Es hat eben alles zwei Seiten.
Hador, 17.06.2011
4.
Zitat von sysopHühnchen als Luxusgut: Weil die Nachfrage nach Lebensmitteln das Angebot übersteigt, werden die Preise*laut einer Studie in den nächsten zehn Jahren massiv steigen.*Schuld an der dramatischen Entwicklung ist auch der Biosprit-Boom. * http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,769107,00.html
Tja, wenn man sich mal die allgemeine Preisentwicklung in der Vergangenheit so anschaut, dann ist es sowieso so, dass sich die Preise für die meisten Dinge im Schnitt mindestens alle 20 Jahre verdoppeln. Nennt man gemeinhin Inflation. Falls das Wort dem Autor nicht geläufig ist: Er findet es sicher in jedem Lexikon. Wenn also der Preis für Fleisch in 10 Jahren nur um ein Drittel steigt, dann ist das gemessen an anderen Waren sogar noch gut.
klaus-petra 17.06.2011
5. .
Zitat von sysopHühnchen als Luxusgut: Weil die Nachfrage nach Lebensmitteln das Angebot übersteigt, werden die Preise*laut einer Studie in den nächsten zehn Jahren massiv steigen.*Schuld an der dramatischen Entwicklung ist auch der Biosprit-Boom. * http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,769107,00.html
[QUOTE=sysop;8081563]Hühnchen als Luxusgut: Weil die Nachfrage nach Lebensmitteln das Angebot übersteigt, werden die Preise*laut einer Studie in den nächsten zehn Jahren massiv steigen. Hühnchen als Luxusgut, wie lachhaft wenn man bedenkt, dass ein Hühnchen durch optimierte Zucht, Mast und Schlachtung heute noch genauso viel kostet wie vor 50 Jahren.
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