Nach Kostensteigerung auf mehr als neun Milliarden Euro Bahn plant weitere 640 Millionen Euro für Stuttgart 21 ein

Über Mehrkosten von rund einer Milliarde Euro für Stuttgart 21 berichtete der SPIEGEL vor einem Monat. Nach der Sitzung des Aufsichtsrats ist nun klar: Die Bahn legt noch einen 640-Millionen-Euro-Puffer drauf.
Bauarbeiten an Stuttgart 21 im Februar 2021

Bauarbeiten an Stuttgart 21 im Februar 2021

Foto: Bernd Weißbrod / dpa

Die Deutsche Bahn hat nun auch offiziell die Baukosten für Stuttgart 21 drastisch hochgesetzt – um 950 Millionen Euro auf nun insgesamt 9,15 Milliarden Euro. Das teilte der Konzern nach einer Aufsichtsratssitzung auf Basis eines Prüfberichts der Beratungsgesellschaft PwC mit. Der SPIEGEL hatte bereits Anfang Februar über die abermalige Kostensteigerung bei dem Bahn-Großprojekt berichtet.

Doch damit nicht genug. Die Bahn hat einen zusätzlichen Puffer von 640 Millionen Euro geschaffen, der bei Bedarf ebenfalls genutzt werden könne, teilte der Konzern weiter mit. Damit haben sich die veranschlagten Kosten vervielfacht: Ursprünglich, also Mitte der Neunzigerjahre, sollte es nur 2,6 Milliarden Euro kosten, den unterirdischen Durchgangsbahnhof und die Verbindung nach Ulm zu bauen. Und auch im Finanzierungsvertrag im Jahr 2009, als das Projekt konkret wurde, waren mit 4,5 Milliarden Euro weniger als die Hälfte der bereits jetzt avisierten Kosten festgelegt worden.

»Gründe für die aktuelle Entwicklung sind zum einen erhebliche Preissteigerungen bei Baufirmen, Lieferanten und Rohstoffen«, teilte die Deutsche Bahn mit. »Zum anderen schlägt der geologisch anspruchsvolle Untergrund im Stadtgebiet negativ zu Buche.«

In Branchenkreisen wird angesichts des Angriffs Russlands auf die Ukraine und der steigenden Preise für Energie und Baumaterialien bereits befürchtet, dass auch die nun vorgelegte Rechnung nicht zu halten sein könnte – inklusive des neu geschaffenen Puffers. »Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass wir bei den Kosten noch die Zehn-Milliarden-Euro-Marke reißen«, sagte etwa der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Klaus-Dieter Hommel, nach der Sitzung des Aufsichtsrats.

Es sei nun wichtig, dass die Bahn, der Bund und das Land Baden-Württemberg sich darüber verständigten, wie die Mehrkosten am besten verteilt werden könnten. Die Landesregierung wiederum betonte am Abend, die Mehrkosten seien Sache der Bahn und des Bundes: »Das Land, die Stadt Stuttgart, die Region und der Flughafen haben vielfach erklärt, dass keine weiteren Zuwendungen erfolgen werden«, teilte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) mit.

Der neue Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Michael Theurer (FDP), hatte Mitte Februar gesagt, die Verantwortung dafür liege aus Sicht des Bundesverkehrsministeriums bei der Deutschen Bahn. EVG-Chef Hommel warnte hingegen davor, dass die Bahn allein auf den Kosten sitzen bleiben könnte. »Das können wir nicht akzeptieren, weil damit eine zusätzliche Belastung für die Beschäftigten zu erwarten wäre«, sagte Hommel.

fdi/dpa