Ramschhypotheken JP Morgan will Investoren sechs Milliarden Dollar zahlen

Die Aufarbeitung der Finanzkrise kostet JP Morgan wohl noch mehr als 13 Milliarden Dollar. Die US-Großbank will Investoren wegen Verlusten mit Subprime-Papieren zusätzlich mit fast sechs Milliarden Dollar abfinden. Einen Teil davon könnte sich das Geldhaus aber via Steuererklärung zurückholen.
JP-Morgan-Zentrale in New York: Die nächste Milliardenzahlung steht an

JP-Morgan-Zentrale in New York: Die nächste Milliardenzahlung steht an

Foto: Mike Segar/ REUTERS

New York - Erst 13 Milliarden Dollar, nun werden es wohl noch einmal sechs Milliarden Dollar mehr: Die US-Großbank JP Morgan Chase forciert derzeit die Aufarbeitung ihrer Rolle in der Finanzkrise - und nimmt dabei offenbar gigantische Zahlungen in Kauf. Einer Gruppe von institutionellen Investoren will das Geldhaus übereinstimmenden Medienberichten zufolge fast sechs Milliarden Dollar an Entschädigung zahlen.

Vertreter von JP Morgan   und der Profi-Anleger hätten sich in der vergangenen Woche getroffen, berichteten das "Wall Street Journal", die "Financial Times" und die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider. Offiziell besiegelt sei die Einigung aber noch nicht.

Zu der Gruppe von mehr als einem Dutzend Investoren zählen demnach unter anderen die Allianz-Sparte Pacific Investment Management, Goldman Sachs Management, BlackRock und Neuberger Berman. Die Anwältin der Geschädigten, Kathy Patrick, äußerte sich nicht dazu. Bei JP Morgan war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Verhandlungen zwischen der Bank und den Investoren laufen bereits seit längerem. Die Großanleger werfen JP Morgan sowie den zwei während der Krise von der Großbank erworbenen Geldhäusern Bear Stearns  und Washington Mutual   vor, ihnen Anlagevermögen verkauft zu haben, die an riskante Immobilienkredite gebunden waren. Diese zweitklassigen Darlehen - die sogenannten Subprime-Kredite - waren einer der Auslöser der 2007 in den USA begonnenen Finanzkrise. Nach dem Platzen der Blase am US-Immobilienmarkt wurden viele mit Hypotheken besicherte Wertpapiere weitgehend wertlos. Die Besitzer machten hohe Verluste.

Zahlungen großteils von der Steuer absetzbar

Erst am Samstag war bekannt geworden, dass JP Morgan der US-Regierung den Rekordbetrag von 13 Milliarden Dollar für die Einstellung von Verfahren zu ihren Hypothekenpapieren zahlen werde.

Zumindest könnten die Milliardenzahlungen die Steuerschuld der Großbank erheblich reduzieren, da es sich großteils um freiwillige Leistungen handelt. Reuters berichtet unter Berufung auf Insider, es laufe am Ende darauf hinaus, dass die vereinbarte 13-Milliarden-Dollar-Zahlung an die US-Regierung die Bank nur neun Milliarden Dollar kosten werde.

Grund sei, dass Banken häufig die Kosten eines Vergleichs von den Steuern absetzen können, nicht aber Strafen für Gesetzesverstöße. Einer der Insider sagte Reuters zufolge, in der Zahlung könnten zwei Milliarden Dollar an Strafe enthalten sein. Weitere vier Milliarden Dollar, die als Hilfen für klamme Hausbesitzer fließen sollten, könnten hingegen steuerlich absetzbar sein, sagte ein anderer Insider. Wie es mit den restlichen sieben Milliarden Dollar aussieht, blieb unklar. Ein Großteil dürfte als Entschädigung für Anleger gedacht sein. Auch davon wird vermutlich ein erheblicher Teil, wenn nicht sogar der gesamte Betrag, steuerlich absetzbar sein.

Sollten insgesamt elf Milliarden Dollar steuerlich geltend gemacht werden können, könne das JP Morgan bei einem Steuersatz von 38 Prozent bis zu 4,2 Milliarden Dollar einsparen, rechnete der Steuerexperte Robert Willens vor. Allerdings könne die US-Regierung auch eine Ausnahme aushandeln und von der Bank verlangen, dass sie einen Teil der Unkosten nicht steuerlich absetze.

fdi/Reuters/AFP
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