Sued.Link Betreiber präsentieren Pläne für längste Stromtrasse Deutschlands

Es ist Deutschlands größtes Netzausbau-Projekt: Die Betreiberfirmen haben konkrete Pläne für die 800 Kilometer lange Sued.Link-Trasse vorgestellt. Ab 2022 soll sie Windstrom aus dem Norden in den wirtschaftsstarken Süden transportieren.
Stromtrasse in Schleswig-Holstein: "Wir sind startbereit"

Stromtrasse in Schleswig-Holstein: "Wir sind startbereit"

Foto: Christian Charisius/ dpa

Berlin - Die Netzbetreiber Tennet und TransnetBW haben einen Vorschlag für den konkreten Verlauf des Sued.Link-Projekts vorgelegt. Demnach könnte die 800 Kilometer lange Stromtrasse von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen nach Bayern führen. Sie soll von 2022 an große Mengen Windstrom vom Norden in den Süden bringen und dort die Stilllegung mehrerer Atomkraftwerke kompensieren.

TransnetBW-Geschäftsführer Rainer Joswig bezeichnete die geplante Trasse als Hauptschlagader und Rückgrat der Energiewende. Die als Gleichstromverbindung geplante Trasse ist eine von drei großen Neubauprojekten mit insgesamt 2800 Kilometern Länge. Als Gesamtkosten werden mindestens zehn Milliarden Euro für insgesamt 36 Ausbau- und Netzverstärkungsprojekte veranschlagt.

Die Kosten für die Sued.Link-Trasse allein sollen laut Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman im unteren einstelligen Milliardenbereich liegen. Tennet ist für den Hauptteil der Trasse verantwortlich.

Laut Vorschlag könnte die Trasse von Wilster in Schleswig-Holstein aus an Verden vorbeiführen, zwischen Hannover und Lehrte hindurch, vorbei an Hildesheim. Danach geht es in südwestlicher Richtung an Höxter, Warburg in Nordrhein-Westfalen und westlich am hessischen Kassel vorbei. Von dort soll die Trasse Bad Hersfeld sowie Fulda Richtung Süden passieren und im bayerischen Grafenrheinfeld enden. Der zweite Abschnitt soll von Brunsbüttel nach Großgartach in Baden-Württemberg führen.

Tennet-Chef verlangt Klarheit von Politik

Der Zeitplan der Betreiber ist ambitioniert: 2016 soll es losgehen. "Wir sind startbereit", sagt Hartman. Jetzt gehe es um den Dialog mit den Bürgern über den Trassenverlauf. Die Masten sollen 60 bis 70 Meter hoch sein, man habe schon geschaut, "wie sieht die Natur aus, wo wohnen die Menschen".

Tatsächlich könnten gerade durch den Widerstand von Anwohnern Verzögerungen drohen. Gegen eine andere der drei geplanten Haupttrassen etwa gibt es in Bayern derart massive Proteste, dass die CSU-Landesregierung nun ein Moratorium fordert.

Derartige Ansinnen kritisierte Tennet-Geschäftsführer Hartman nun: "Wenn wir die Energiewende haben wollen, brauchen wir diese Netze." Es gebe eine gesetzliche Verpflichtung, die Regierungen in München und Berlin müssten sich einigen. Bis dahin werde man den Dialog mit den Bürgern über den Trassenverlauf noch nicht starten.

fdi/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.